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Umweltschutz Städte der Zukunft mit null Emissionen

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Ersparnis oder Kosten der 20 wichtigsten Maßnahmen zur CO2-Vermeidung in London (Zur Vollansicht bitte auf die Grafiken klicken)

London: Noch ambitionierter fallen die Pläne für die britische Hauptstadt aus. Die Stadtspitze will die CO2-Emissionen bis 2025 gleich um 60 Prozent verringern. Eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey hat ergeben, dass sich 13 der 20 wichtigsten Maßnahmen durch Einsparungen in kurzer Zeit selbst finanzieren. Beispiele sind verbrauchsarme Autos, Gebäudedämmung, der Einbau moderner Heizkessel oder Wärmerückgewinnung. Dagegen zahlt sich etwa der Umstieg auf Biosprit oder der Bau von Niedrigstenergiehäusern allenfalls auf sehr lange Zeiträume gerechnet aus. Der grüne Aufbruch sei weder mit Verzicht noch Dirigismus verbunden, beruhigen die Autoren der Studie. „Kein Londoner braucht zur Erreichung der Ziele nennenswert seinen Lebensstil umzustellen.“

Insgesamt wären für die Implementierung aller Klimaschutztechnologien bis 2025 zusätzliche Investitionen von rund 41 Milliarden Euro erforderlich – weniger als ein Prozent der Londoner Wirtschaftsleistung. Umgelegt auf jeden Einwohner, würden sie den Durchschnittslondoner mit weniger als 300 Euro im Jahr belasten – ungefähr die Hälfte dessen, was er pro Jahr für Gas und Strom ausgibt. Fazit der McKinsey-Experten: „Der Umweltschutz zahlt sich auch ökonomisch aus, vor allem durch deutlich niedrigere Energierechnungen.“

Växjö: Im kleinen Maßstab bestätigen die Erfahrungen der südschwedischen 80.000-Einwohner-Kommune die These der McKinsey-Leute. Schon 1996 beschloss die Universitätsstadt, vom Öl unabhängig zu werden und zugleich den Kohlendioxid-Ausstoß bis zum Jahr 2025 um 70 Prozent zu reduzieren. Sie baute ein Biomasse-Kraftwerk, in dem Holz- und Papierabfälle von Betrieben aus der Region verfeuert werden. Heute versorgt es die meisten Häuser mit Fernwärme. „Zum halben Preis wie früher mit Öl“, betont Umweltdezernentin Sarah Nilsson. Käufer von Ethanol-, Hybrid- oder Elektroautos erhalten in Växjö einen 50-prozentigen Zuschuss zu den Anschaffungskosten und dürfen im Stadtgebiet kostenlos parken.

Umsetzung von Öko-Konzepten kommt in Deutschland nur langsam in Gang

Der regionalen Wirtschaft hat der Umweltehrgeiz nicht geschadet – im Gegenteil. Sie ist seither um mehr als 50 Prozent gewachsen, während die CO2-Emissionen um 30 Prozent zurückgegangen sind. Die Arbeitslosenrate liegt unter zwei Prozent. Nilsson zieht daraus vor allem eine Lehre: „Wirtschaftswachstum und Energieverbrauch lassen sich ohne Probleme entkoppeln.“ Jetzt produziert ausgerechnet Växjö, wo die Winter lang und kalt sind, zwischen Ostsee und Mittelmeer am wenigsten Kohlendioxid, und ist dafür von der EU kürzlich zu „Europas grüner Modellstadt“ gekürt worden.

In Deutschland hat noch keine Stadt ein ähnlich umfassendes Konzept wie London, New York oder Växjö beschlossen. Foster + Partners haben zwar im vergangenen Jahr für Duisburg einen sorgfältig ausgearbeiteten Plan vorgelegt, doch die Umsetzung kommt erst langsam in Gang. Stefan Behling, Vorstandsmitglied des renommierten Architekturbüros und Bauprofessor an der Universität Stuttgart, führt die deutsche Behäbigkeit auf fehlenden Mut, langwierige Entscheidungswege und mangelnden politischen Willen zurück. Seine Sorge: „Die Gefahr ist groß, dass Deutschland seine führende Position bei Nachhaltigkeitstechnologien verliert“.

Doch jetzt gewinnt das Thema auch zwischen Nordsee und Alpen an Fahrt. Anfang März nächsten Jahres jedenfalls werden Siemens, das schon die McKinsey-Studie zu London gesponsert hat, und das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie eine Studie vorstellen, die zeigt, wie München bis Mitte des Jahrhunderts nahezu CO2-frei werden kann. Die Initiative des Konzerns ist nicht ganz selbstlos. In der Erwartung eines rasch wachsenden Marktes hat er seine grünen Technologien in einem großen Umweltportfolio gebündelt. „Damit können Städte ihren Ausstoß an Treibhausgasen vermindern, ohne an Lebensqualität einzubüßen“, verspricht Löscher.

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