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Valley Talk

Riskante Wette

Matthias Hohensee Quelle: Frank Beer für WirtschaftsWoche
Matthias Hohensee Korrespondent (Silicon Valley)

Die Parallelen zwischen Apple und Tesla Motors sind frappierend. Kann der Autopionier Apples Erfolg wiederholen?

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Matthias Hohensee: Wird das Geld für neue Ideen und Produkte knapp? Quelle: Gabor Ekecs für WirtschaftsWoche

Zehn Jahre ist es her, dass Steve Jobs ein Produkt vorstellte, das Apple seither in einen höchstprofitablen Unterhaltungs-elektronikhersteller wandelte. Erkennen konnte man das damals – wie bei vielen anderen später bahnbrechenden Innovationen von Apple – nicht auf Anhieb.

Jobs hatte ins Hauptquartier in Cupertino geladen. Die Journalistenrunde war klein. Wegen der Reisebeschränkungen nach dem 11. September 2001 waren fast nur Gäste aus dem Silicon Valley da. Es war ein herrlicher Spätsommertag, ein sonniger Kontrast zur sonst trüben Stimmung. Seit den Terroranschlägen waren erst ein paar Wochen vergangen. Die USA standen unter kollektivem Schock. Die Angst vor einem Abschwung drückte die Atmosphäre weiter.

"großen, großen Durchbruch"

Einen schlechteren Zeitpunkt für eine Produktpräsentation hätte der Apple-Chef kaum wählen können. Zumal er, anders als erwartet, keinen Konkurrenten zu Palms damals erfolgreichen Handheldcomputer enthüllte, sondern einen zigarettenschachtelgroßen MP3-Spieler. „Der iPod – 1000 Songs in der Jackentasche“, warb Jobs für diesen „großen, großen Durchbruch“.

Trotz – wie immer – perfekter Präsentation war die Reaktion der Gäste verhalten. Vor allem wegen des hohen Preises von 399 Dollar. Geräte von Sony oder Creative leisteten weniger, waren aber viel günstiger. „Wir hatten alle mit einem Handheld-Computer gerechnet“, sagte ich zu Jobs. „Das ist einer“, entgegnete er knapp. Es dauerte eine Weile bis die Kunden das verstanden. Ab 2003 aber starte der iPod durch und legte so das Fundament für ein auch durch iPhone und iPad neu definiertes Multimediaunternehmen Apple.

Frappierende Parallelen

Lässt sich so ein Erfolg wiederholen? Welches Silicon-Valley-Unternehmen wird derzeit ähnlich skeptisch gesehen wie damals Apple? Wer verwettet seine Zukunft derart konsequent auf ein Produkt, das Skeptiker für zu teuer und überflüssig halten?

Die Antwort: Tesla Motors. Die Parallelen sind frappierend. Apple hat die Unterhaltungselektronikbranche neu definiert, Elektroautopionier Tesla treibt mit seinen batteriegetriebenen Mobilen die Fahrzeugindustrie um. Ähnlich wie Apple Ende der Neunzigerjahre wurde auch Tesla schon mehrfach totgesagt. Ohne einen 465-Millionen-Dollar-Kredit der US-Regierung hätte das Unternehmen es nicht einmal zum Börsengang im Juni 2010 geschafft.

Mit dem Südafrikaner Elon Musk hat Tesla einen Gründer, der ähnliche Risiken eingeht wie Jobs und – sich dabei ähnlich unbeirrbar zeigt. Und wie Jobs einst bei Pixar führt auch Musk mit SpaceX nebenbei noch ein zweites Unternehmen.

Und so zweifeln im Silicon Valley noch immer viele, ob Tesla Motors tatsächlich, wie von Musk jüngst gerade wieder bekräftigt, wirklich nächstes Jahr seine Mittelklasselimousine Model S zu Preisen ab knapp 60 000 Dollar auf den Markt bringen kann. All das vor dem Hintergrund einer – wie damals beim iPod – miesen Wirtschaftslage und gegen finanzstarke Konkurrenten wie Nissan oder General Motors.

Die Welt braucht keinen iPod, hieß es damals. Braucht die Welt Teslas Model S?

Die entscheidende Frage wird sein, ob Teslas Kunden (wie die von Apple) mehr zahlen, um als Technikpionier unterwegs zu sein. Dann müsste das Produkt jedoch auch wesentlich mehr leisten, beispielsweise bei der Reichweite, als die Konkurrenz. Das aber kann erst das Musks Modell S beweisen – wenn es kommt.

Urteil erst im Nachhinein möglich

Gehen Musks Pläne auf, macht Tesla schon in zwei Jahren mehr als eine Milliarde Dollar Umsatz. Das wäre grob das Zehnfache von 116 Millionen Dollar aus dem vergangenen Jahr. Für dieses Wachstum brauchte Jobs eine ganze Dekade, wenn auch auf weit höherem Niveau.

Auch diesmal lässt sich ein Urteil erst im Rückblick fällen. Noch aber fällt es schwer, an eine rosige Zukunft von Tesla zu glauben. Andererseits: Wer vor zehn Jahren beim iPod Jobs’ Worten Glauben schenkte und Apple-Aktien erwarb, ist gut gefahren: Der Einsatz hat sich rund vervierzigfacht.

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