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Von Nullen und Einsen

Machete für den Infodschungel

Wir müssen uns tagtäglich durch eine Flut an Neuigkeiten wühlen, um in unserem Arbeitsgebiet fit zu bleiben. Die Lawine aus dem Netz lässt sich handhaben, wenn man Filter und andere Tricks nutzt, wie wiwo.de-Technik-Kolumnist Ben Schwan erklärt.

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Ben Schwan

Es klingt nach ziemlich viel Arbeit, aber der Beruf des Schreibers bringt es mit sich: Ich lese jeden Tag eine mittlere dreistellige Anzahl an Nachrichten, um in meinen Themenbereichen informiert zu bleiben. Wobei "lesen" nicht unbedingt das richtige Wort ist: Ich scanne viel und bediene mich Filtersystemen, die es mir erlauben, diese gigantische Informationsmenge in ein beherrschbares Destillat umzuwandeln. Man kann ja viel auf das Internet und die von ihm geschaffenen Infoberge schimpfen - doch so viele detaillierte Daten, Meinungen und Bilder gab es auf Knopfdruck noch nie. Und das Netz gibt uns genügend Mittel und Wege an die Hand, um das Sichten zu erleichtern.

Hauptbestandteil meiner persönlichen Machete für den Infodschungel ist ein Newsreader. Das ist ein Stück Software, das Informationen aus zahlreichen Quellen zusammenträgt und in einer Oberfläche aufbereitet. Nahezu jede Website hat mittlerweile sogenannte RSS- oder auch Atom-Feeds, die einen Newsreader beschicken. Gibt es etwas Neues auf einer Seite, taucht diese Nachricht innerhalb kurzer Zeit auch im Feed ("Nachrichtenstrom") auf. Der Newsreader erlaubt es, die Informationen zu bündeln, News-Dubletten zu erkennen und alle Infos zahlreicher Angebote durchsuchbar zu machen - an einer zentralen Stelle.

Feeds werden zu eigenen Magazinen zusammengestellt

Nachdem ich lange Zeit einen Desktop-Newsreader verwendet habe (die Mac-Lösung NetNewsWire besitzt nach wie vor einen warmen Platz in meinem Herzen), bin ich mittlerweile auf Google Reader umgestiegen. Das Browser-Tool bietet alle Funktionen, die ich brauche, erlaubt den schnellen Ausflug in den Rest des Netzes (wichtig, weil Feeds oft nur Anreißer enthalten) und kann vor allem auch mobil sehr einfach genutzt werden. Habe ich unterwegs etwas Zeit, kann ich seither sofort Nachrichten "weglesen", die sonst liegengeblieben wären. Außerdem gibt es für zahlreiche Plattformen eigene Anwendungen, die auf Google Reader aufsetzen und Daten mit der Web-Lösung abgleichen. Auf iPhone und iPad beispielsweise das sehr nett gemachte Reeder.

Auch soziale Netzwerke laufen bei mir im Google Reader ein, sowohl Twitter- als auch Facebook-Feeds. Wem die zahllosen Kurznachrichten seines Freundeskreises zu viel werden, kann recht einfach nach interessanten Links filtern: das Tool Readtwit sammelt nur die und stellt sie in einem eigenen Feed dar. Das volle Twitter-Erlebnis in einer besseren Oberfläche verspricht wiederum die Web-Anwendung Brizzly, die ich nutze, wenn ich etwas Muße habe.

Durchaus interessant für den reinen Lesegenuss sind auch Programme, die aus Feeds eigene Magazine zusammenstellen. Hier existieren besonders auf Apples iPad mittlerweile einige sehr gelungene Beispiele. Dazu gehören Pulse, Fluent News Reader und die brandneue App Flipboard, die verstärkt auf Neuigkeiten aus dem eigenen Freundeskreis (bei Facebook und Twitter) setzt. Etwas nervig bei diesen Produkten ist allerdings, dass man zur Lektüre des Volltextes einer Meldung stets "ins Web geworfen" wird, weil die meisten Anbieter nur verkürzte Feeds anbieten. Man verlässt also die hübsche Magazinoberfläche der Apps ständig wieder.

Archaische Mittel

Doch Newsreader sind längst nicht alles. In den nächsten Jahren wird es zunehmend intelligente Filtersysteme geben, die anhand semantischer Technologien den Sinn einer Neuigkeit erfassen und diese dann ohne Zutun des Nutzers gruppieren können. Tatsächlich wiederholt sich schon jetzt sehr viel: Ein Medium sorgt für die "Breaking Story", während der Rest die Nachricht dann zitiert und kommentiert. Allerdings ist es derzeit nicht automatisch möglich, die Ursprungsmeldung herauszufinden. Das kann nur der Mensch, der seinen Newsreader scannt.

Ich kenne allerdings auch Kollegen, denen das ständige Starren auf ihren Newsreader mittlerweile zu viel geworden ist. Auch denen kann geholfen werden - mit relativ archaischen, aber doch gut funktionierenden Mitteln. Google bietet seit längerem eine praktische Funktion namens "Alerts" an. Dazu muss man nur einen Schlüsselbegriff definieren, um dann ganz traditionell per E-Mail informiert zu werden, wenn neue Suchergebnisse zu diesem Wort auftauchen, beispielsweise im Nachrichtenangebot Google News, in Blogs, Foren oder der Hauptsuchmaschine. Mehr Infos müssen manchmal nicht sein.

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