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Von Nullen und Einsen

Warum Adobes Flash-Technologie abgelöst werden sollte

Flash ist aus dem Web eigentlich nicht wegzudenken: Videoangebote nutzen die in den meisten Browsern integrierte Zusatzsoftware genauso wie Anbieter von Online-Spielen oder Netzkünstler. Die Technologie des Herstellers Adobe hat aber auch diverse Nachteile - nicht zuletzt in Sachen Sicherheit und Datenschutz. Es macht deshalb Sinn, über ihre Ablösung nachzudenken, meint wiwo.de-Technik-Kolumnist Ben Schwan.

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Das Internetportal YouTube Quelle: dpa

Adobes Flash-Plug-in, jene Software, die von vielen Websites nach wie vor zur Anzeige von animierter Werbung, von Videos und sogar für zunehmend komplexe Online-Spiele verwendet wird, hat in den letzten Jahren fraglos viel für das Netz getan. Beispiel Internet-Clips: Vor YouTubes Einsatz von Flash schlugen sich die User mit Zusatzprogrammen wie Realvideo, Quicktime oder Windows Media herum, um die gewünschten Filmchen abzuspielen. Auch das Einbinden (Embedding) von Videos in Blogs und andere Eigen-Content-Angebote wurde durch Flash stark vereinfacht - es kostet seither nur noch wenige Klicks.

Trotzdem wird die Technologie, die einst als Krücke gedacht war, um dem Web das Laufen beizubringen, zunehmend zum Fremdkörper. Auf mobile Plattformen lässt sie sich mehr schlecht als recht übertragen, macht eher mit Rucklern auf sich aufmerksam denn mit Multimedia-Qualitäten. Flash wird außerdem von einer einzigen Firma kontrolliert - Adobe eben. Zwar propagiert das Unternehmen, mit Open-Source-ähnlichen Vorhaben wie dem "Open Screen Project" nach außen hin eine Öffnung, an der Tatsache, dass Flash als Technologie proprietär ist, ändert das aber nichts.

Hinzu kommt: Flash scheint die User langsam zu nerven. Immer mehr Nutzer setzen so genannte Flash-Blocker ein, die es unter anderem für Browser wie Firefox gibt. Sie sorgen dafür, dass beispielsweise zahlreiche Werbebanner einfach nicht mehr auftauchen, die etwa auf Macs erstaunlich viel Prozessorleistung wegsaugen. Braucht man Flash dann zwischenzeitlich wirklich, etwa zum Start eines YouTube-Videos, drückt man auf einen Knopf, schon läuft's.

Flash öffnet Schadcode die Tür

Was die meisten Nutzer jedoch nicht wissen: Viele Funktionen, die Flash heutzutage anbietet, lassen sich längst mit standardkompatiblen, offenen Verfahren wie HTML5, SVG oder CSS umsetzen. Das gilt seit kurzem auch für Videos: Besucht man mit Google Chrome oder Apples Safari YouTube oder Vimeo, kann man Filme in guter Qualität auch völlig ohne Flash genießen. (Bei der jüngsten Firefox-Version geht das theoretisch auch, allerdings wird hier noch nicht das populäre H.264-Videoformat unterstützt, das dafür notwendig wäre.)

Für eine Abkehr spricht auch das Thema Sicherheit: Flash ist inzwischen zu einem Einfallstor für Viren, Würmer und Trojaner geworden. Das hat vor allem einen Grund: Kaum ein Benutzer hält die Adobe-Software auf dem neuesten Stand. Unter Windows existiert zwar inzwischen ein Update-Manager, auf anderen Plattformen wie Linux oder Mac OS X aber nicht. Und selbst wenn Nutzer zur Aktualisierung automatisch aufgefordert werden - viele wissen schlicht nicht, was Flash ist und ignorieren den Hinweis. Statistiken zeigen daher das Unvermeidliche: Zahllose User sind mit alten Flash-Versionen unterwegs, die bekannte Sicherheitslücken enthalten. Besucht man dann mit seinem Browser eine mit Schadcode verseuchte Seite, hat man sich den Datenschädling auch schon eingefangen.

Datenschutztechnisch ist Flash außerdem eine kleine Pest. Die Software erlaubt es Web-Angeboten, so genannte Riesencookies zu schreiben - das sind Datenkrümel, die ungefragt auf der Festplatte des Nutzers landen, aber im Gegensatz zu den aus der Web-Technik bekannten "normalen" Cookies sehr viel mehr Informationen enthalten können. Die wenigsten Nutzer wissen überhaupt, dass es Flash-Cookies gibt und löschen sie deshalb auch nicht - und wenn sie es wollen, ist das nur sehr, sehr unbequem möglich.

Auch in der IT-Industrie könnte eine Abkehr von Flash bevorstehen. Besonders konsequent ist hier derzeit Apple. Dort beherrschen weder iPhone noch iPod touch noch das neue iPad die Technologie. Begründet wird dies damit, dass Flash a) die Batterie zu schnell aussaugen, b) die Software zu erstaunlich vielen Abstürzen führt und c) standardkonforme Alternativen existieren. Die Sturheit wird bislang nicht belohnt: Zu den großen Kritikpunkten am iPad gehört, dass es Flash nicht beherrscht. Ich würde allerdings darauf wetten, dass ein Erfolg von Apples neues Surfbrett dazu beitragen wird, dass sich immer mehr Internet-Angebote überlegen, Flash durch andere Verfahren zu ersetzen. Bei Adobe scheint man das insgeheim zu ahnen: Die Firma war sich kürzlich nicht einmal zu schade, die Pornokarte zu spielen.

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