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Von Nullen und Einsen

Wenn die Musik im Auto zickt

wiwo.de-Technik-Kolumnist Ben Schwan hat seinem Auto eine iPod-Schnittstelle gegönnt und musste dabei lernen, dass der nachträgliche Einbau nicht immer problemlos vonstattengeht. Seine Erfahrungen und Tipps.

iPod Video Quelle: AP

Als ich im vergangenen Sommer unsere neue Familienkutsche bei einem großen deutschen Hersteller mit zwei Buchstaben aussuchte, dachte ich an alles: Ausreichend Platz, vernünftiger Preis, passender Motor, sinnvolle Extras - eine ordentliche Klimaanlage beispielsweise, damit man bei den jüngsten Extremwetterlagen weder zu sehr schwitzt noch friert.

Nur bei der Wahl der Musikanlage beging ich einen schwerwiegenden Fehler: Ich wählte das mittlere Radiomodell, dazu einen simplen Aux-In-Eingang, über den nicht mehr als Ton übertragen wird, geleitet über eines dieser labberigen 3,5-mm-Klinkenkabel.

Mein Plan war, einfach mein iPhone, dass mir gleichzeitig als Navigationsgerät in einer Spezialhalterung dient, zur musikalischen Unterhaltung zu verwenden. Wie sich jedoch nach ungefähr einem Tag herausstellte, war das eine schlechte Idee: Der Touchscreen des Smartphones ist unterwegs nur unter Gefahr für Leib und Leben zu bedienen. In Kombination mit der Navigationsfunktion, die mir die (eigentlich sehr gute) TomTom-Software liefert, kann man gleich rechts ran fahren, wenn man statt Bob Dylan die neueste Scheibe von den Foo Fighters hören möchte, bevor man sich in den nächsten Berliner Stau stellt.

Noch klappt alles reibungslos

Zum Glück hatte ich bei meinem Fahrzeug eine Radiosteuerung für das Lenkrad mitbestellt, mit der schon jetzt das Umschalten von Hörfunksendern möglich war. Mit der müsste man doch eigentlich auch ein iPhone oder einen iPod bedienen können, ohne dass man von der Straße abkommt? Eine kurze Suche im Internet offenbarte dann, dass sich mein Radio mit einer sogenannten Media-In-Schnittstelle aufrüsten lässt. Der Preis: sage und schreibe 210 Euro, plus Einbaukosten. Dann folgte eine intensive Suche nach einer Vertragswerkstatt, die auch noch einen Termin frei hatte. Schließlich wurde mir bei einem Händler meines Vertrauens zugesagt, dass ein Einbau in einigen Tagen erfolgen könne, die notwendigen Teile seien dann ebenfalls vorhanden.

Die Wartezeit verbrachte ich unter anderem mit Überlegungen, ob es nicht vielleicht besser wäre, gleich einen "normalen" iPod zu kaufen, der dann ständig im Auto verbleiben könnte. Das iPhone sollte ja weiter Navi sein. Also entschied ich mich für einen iPod Classic mit reichlich 160 Gigabyte Speicherplatz. Der hat den Vorteil, dass wirklich die gesamte Musiksammlung draufpasst.

Schließlich kam der Tag des Einbautermins für meine Media-In-Schnittstelle. Alles schien reibungslos zu verlaufen, nachdem ich den Meister erst einmal davon überzeugt hatte, dass das Teil auch wirklich in mein Fahrzeug passt. (Das hatte ich im Netz genauestens recherchiert.) Als ich mein Auto wieder in Empfang nahm, fiel mir auf, dass noch ein wichtiges Kabel fehlte: das zwischen der nun im Handschuhfach platzierten Media-In-Schnittstelle und meinem iPod. Die durfte ich dann nochmals beim Hersteller bestellen, was über einen (anderen!) Vertragshändler eine gute Woche dauerte und für so ein kurzes Verbindungsstück unfassliche 30 Euro kostete.

Unerträgliche Navigation

Dann konnte ich meine Neuerwerbung endlich austesten. Und, wie das immer so ist, es stimmte was nicht. Ein Stereobild wollte sich nicht ergeben, die Stimme des Sängers hing immer weit auf einer Seite. Schlimmer noch: Drehte man den Balanceregler auf ein Lautsprechersegment, kam nur noch ein armseliges Quäken aus den Hochtönern. Offenbar hatte der Meister irgendetwas falsch angeschlossen. Die Sache war zum Glück innerhalb eines weiteren Termins - natürlich kostenlos, gibt ja noch Gewährleistung - geklärt.

Wirklich zufrieden bin ich aber bis heute nicht. Das hat mehrere Gründe. So ist die Navigation über eine große Musiksammlung mit meinem Radio, das nur ein kleines Display hat, unerträglich. Von A wie A-ha bis Z wie ZZ Top würde das Scrollen wohl einen Tag brauchen. Einzig sinnvoll ist die Schnellwahl von Abspiellisten (Playlists), die man sich vorher am Computer auf den iPod legt (Software iTunes). Irritiert hat mich auch, dass mein Radio mit einem iPod nicht beherrscht, einen einzelnen Song zu wiederholen. Der Hersteller mit den zwei Buchstaben bestätigte mir per E-Mail, dass das eben so sei, "Firmware-Gründe", was immer das heißt.

Wenigstens kann man aber einen Song oder ein Album am iPod selektieren, den man zuvor vom Media-In-Anschluss entfernen muss. Dann drückt man auf Play, schließt wieder an und kann das Gesuchte dann sofort genießen. Rechts ran fahren muss man dazu aber.

Und dann wäre da noch eine letzte Macke: Manchmal bleibt der iPod einfach stehen. Dann findet das Radio den Musikspieler nicht mehr und man muss ihn mit einem Reset-Griff (Play/Pause plus Menü-Knopf) wiederbeleben. Auch das ist keineswegs perfekt. Aus meiner Erfahrung folgen deshalb abschließend drei Ratschläge, bevor Sie sich selbst auf eine ähnliche Odyssee begeben:

1. Überlegen Sie sich beim Autokauf gut, ob Sie die paar Euro mehr für eine vernünftige iPod/iPhone-Integration ab Werk aufwenden. Solche Lösungen können teure Nachrüstmaßnahmen ersparen und sind oft eleganter. Dabei sollten Sie sich aber vorher beim Händler oder (mindestens zusätzlich) in Fachforen im Internet informieren, wie die iPod-Anbindung denn ganz praktisch funktioniert. Wie ich bereits erwähnt hatte, ist die eines großen Herstellers, mit der ich es tagtäglich zu tun habe, nur rudimentär vernünftig. Das kann auch Ihnen passieren, weil Autobauer hier durchaus schlampen.

2. Erwägen Sie, falls die integrierte Technik nichts taugt, Alternativen zur Audioanlage ab Werk. Es gibt mittlerweile diverse gute (und erstaunlich günstige) Radios mit direkter iPod/iPhone-Unterstützung, von eher simplen Lösungen, etwas komplexeren bis hin zu solchen, die ein komplettes iPhone auf einem leicht bedienbaren Display nachbilden. Hier lohnt sich das Studieren von Testberichten.

3. Wenn alle Stricke reißen, gibt es immer noch Bluetooth. Viele Audioanlagen im Auto sind mittlerweile mit dieser Funktechnik ausgestattet, über die man ein iPhone auch drahtlos anbinden kann. Nach dem einmal durchgeführten "Pairing", bei dem man dem Auto sagt, dass es mit dem iPhone kommunizieren soll (siehe Anleitung), kann man Musik vom Gerät über die Audioanlage hören. Das Problem der Steuerung bleibt hier bestehen, aber vielleicht kann ja einfach der Beifahrer die Musikselektion am iPhone, das dabei völlig kabellos bedient werden kann, übernehmen.

Welche Erfahrungen haben Sie mit Ihrem Auto und Ihrem Musikspieler gemacht? Über Kommentare freue ich mich.

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