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Wirtschaft von oben #112 – Malediven Wo Paradiesinseln zu Urlaubsresorts werden

Dutzende unbewohnte Inseln lässt die Regierung der Malediven zu Luxus-Ressorts umbauen, Inseln wie Amilla Fushi. Quelle: LiveEO/UP42

Die Regierung der Malediven vermietet mehr und mehr unbewohnte Eilande an Hotelbetreiber, die dort gewaltige Luxusresorts aufziehen. Das zeigen neueste Satellitenaufnahmen. Ein Ende ist bisher nicht in Sicht – und die Abhängigkeit vom Tourismus steigt. „Wirtschaft von oben“ ist eine Kooperation mit LiveEO.

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Kein anderes Land dieser Welt ist heute so abhängig vom Tourismus wie die Malediven. Vor der Pandemie steuerte die Branche der Weltbank zufolge fast 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts bei. In den vergangenen zehn Jahren hat die Inselkette im indischen Ozean in einer beispiellosen Aktion mehrere Dutzend tropische Eilande zu Flughäfen und Urlaubsressorts umfunktioniert und so die Abhängigkeit von Fernreisenden aus aller Welt weiter erhöht. Das zeigen aktuelle Satellitenaufnahmen von LiveEO. Auch hat die Regierung den Hauptflughafen in Malé zuletzt massiv erweitert.

Das Finanzministerium des Landes vermietet hierzu immer mehr der kleinen unbewohnten Inseln in den Korallenatollen an internationale Hotelkonzerne. Inzwischen haben Ketten wie Waldorf Astoria, Mövenpick und JW Marriott hier Luxus-Unterkünfte aufgebaut. Erst im Dezember kündigte das Ministerium an, vier weitere Inseln für den Tourismus zu öffnen. Schon 2019 hatte es 29 Inseln für den Bau von Hotels angeboten. Insgesamt besteht das Archipel aus 1192 Inseln.

Die für Urlauber freigegebenen Inseln werden meist in einem Bieterverfahren für bis zu 100 Jahre an die Hotelentwickler vergeben. Die Satellitenaufnahmen zeigen deutlich, dass die Anbieter hier heute auf Stelzen im Wasser gebaute Bungalows bevorzugen, etwa auf dem kleinen Eiland Faarufushi.


Hier gibt es inzwischen 42 solcher Bauten, jede einzelne mit einem eigenen Pool. Oder das Fünf-Sterne-Hotel Sun Siyam Iru Veli im Süden des Archipels. In den letzten fünf Jahren ist hier aus einem kleinen grünen Inselchen eine gewaltige Anlage mit mehr als 120 Bungalows entstanden, etwa die Hälfte davon im Wasser, wie die Aufnahmen zeigen.

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    Die Gebäude sind dadurch relativ sicher vor einem Anstieg des Meeresspiegels. Schließlich gelten die Malediven auch als niedrigstes Land der Erde und besonders exponiert gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels. Gerade einmal 1,8 Meter ragen sie im Schnitt aus dem Wasser.


    Den Tourismus hat diese gefährdete Lage in den vergangenen Jahren nicht gebremst. Im Gegenteil: 2019, vor der Pandemie, besuchten mehr als 1,5 Millionen Touristen die Malediven, fast doppelt so viele wie 2010. Um die Besucher auf den verschiedenen Atollen zu verteilen, hat die Regierung in den zurückliegenden Jahren zahlreiche Inlandsflughäfen bauen lassen, wie die Satellitenbilder zeigen. Etwa im Süden auf der Insel Kudahuvadhoo (siehe oben) oder auf dem nördlichen Eiland Ifuru (siehe unten).


    Zurzeit aber kämpfen die Malediven damit, ihre wichtigste Einnahmequelle im Gang zu halten. In den vergangenen Wochen war das Land zeitweise das am stärksten von der neuen Corona-Delta-Variante getroffene weltweit – mit rund 3000 neuen Fällen auf 100.000 Einwohner am 23. Mai.


    Dabei hatte sich der Tourismus zuvor gut erholt, da sich die Malediven schon im Juli 2020 wieder für Urlauber geöffnet hatten. Viele Reisende waren auf die abgelegenen Inseln ausgewichen, da viele andere Urlaubsziele rund um den Globus geschlossen waren.


    Doch nun warnt etwa das Auswärtige Amt vor nicht notwendigen, touristischen Reisen auf die Malediven. Für das Inselparadies ein herber Schlag. Immerhin kam die zweithöchste Zahl der Touristen vor der Pandemie aus der Bundesrepublik. Die größte Zahl Urlauber stellte in den vergangenen Jahren China.



    Die Rubrik entsteht in Kooperation mit dem Erdobservations-Start-up LiveEO – dieses ist eine Beteiligung der DvH Ventures, einer Schwestergesellschaft der Holding DvH Medien, ihrerseits alleiniger Anteilseigner der Handelsblatt Media Group, zu der auch die WirtschaftsWoche gehört.

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