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Wirtschaft von oben #114 – USA Kalifornien trocknet aus – wieder einmal

Der Lake Oroville genauso wie viele andere Stauseen im Westen der USA führen derzeit deutlich weniger Wasser als sonst. Quelle: LiveEO/Skywatch

Kaliforniens Bewohner sind Wassermangel gewohnt. Doch die derzeitige Dürre ist die Schlimmste seit Mitte der Siebzigerjahre und bedroht die Landwirtschaft massiv. Wie stark der Wasserpegel in den wichtigsten Stauseen Kaliforniens und dem Westen der USA gesunken ist, demonstrieren exklusive Satellitenbilder. „Wirtschaft von oben“ ist eine Kooperation mit LiveEO.

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Lake Oroville ist ein malerischer und mächtiger Stausee, ungefähr 120 Kilometer nördlich der kalifornischen Landeshauptstaat Sacramento gelegen und ein beliebtes Ausflugsziel für Angler, Bootsbesitzer und Badegäste. Er speist Tausende Kanäle des Sacramento-San Joaquin River Delta mit Wasser, eines der größten Fluss-Deltas der USA. Es versorgt sowohl rund zwei Drittel der Bevölkerung Kaliforniens mit Trinkwasser als auch die dortigen Feldern mit dem lebensnotwendigen Nass.

Malerisch ist der See noch immer, mächtig derzeit allerdings nicht, wie exklusive Satellitenbilder von LiveEO zeigen. Seine Wassermenge ist auf 36 Prozent seiner eigentlichen Kapazität zusammengeschrumpft. So sehr, dass die Behörden fast 150 der normalerweise 800 Hausboote aufs Trockene verdammen mussten, weil die Fläche für sicheres Befahren nicht mehr ausreicht und etliche Boote im Schlamm steckenblieben.

Mehr noch: Die Kapazität des Wasserkraftwerks musste wegen des gesunkenen Wasserspiegels bereits um zwanzig Prozent gedrosselt werden. Sogar die vollständige Stilllegung wird derzeit diskutiert. Eine schwere Entscheidung, denn in Kalifornien wird wegen der derzeitigen Rekordhitze nicht nur das Wasser, sondern auch die Energie knapp.


Grund für die dramatische Situation ist ausbleibender Niederschlag. Lake Oroville wird wie alle Stauseen Kaliforniens von der Schneeschmelze der Sierra Nevada Gebirgskette gespeist. Doch im vergangenen Jahr hat es kaum geschneit. Die Rekordhitze hat die wenigen Rinnsale schon auf dem Weg zu den Stauseen verdunsten lassen. So wie beim Lake Shasta, dem größten Wasserreservoirs Kaliforniens, hoch im Norden des Bundesstaates.

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    Dort ist die Lage nicht ganz so dramatisch wie weiter südlich am Lake Oroville, zeigen auch die Satellitenbilder. Doch der Wasserpegel des Lake Shasta, so fürchten Experten, wird demnächst den Rekordwert von 1924 unterschreiten.


    Die Lage ist jedoch noch viel schlimmer. Denn auch die Stauseen Lake Powell (liegt in Utah an der Grenze zu Arizona) und Lake Mead (liegt in Arizona und Nevada), die neben Kalifornien auch Arizona und Nevada mit Wasser versorgen, sind nahezu ausgetrocknet.

    Der südöstlich von Las Vegas gelegene Lake Mead, der in den dreißiger Jahren angelegt wurde, ist das größte Wasserreservoir der Vereinigten Staaten. Seit seiner letzten vollständigen Flutung im Jahr 2000 sinkt sein Pegel, weil die Schneeschmelze aus den Rocky Mountains drastisch zurückgegangen ist. Das hat auch den nahegelegenen Lake Powell zusammenschrumpeln lassen, der vom Colorado River gefüllt wird.


    Der Westen der USA wird regelmäßig von Dürreperioden geplagt. Die letzte große Trockenperiode endete in Kalifornien vor gerade mal fünf Jahren. Derzeit ist der Wassermangel so schlimm wie zuletzt Mitte der Siebzigerjahre.

    Doch seitdem ist nicht nur die Bevölkerung des „Golden States“ drastisch gewachsen, auch die Landwirtschaft hat mächtig an Fläche zugelegt. Dank künstlicher Bewässerung sind aus wüstenähnlichen Landschaften Felder entstanden, so wie im Central Valley, in der Mitte Kaliforniens. Daher haben die Aufrufe an die Haushalte, kräftig Wasser zu sparen und Grünflächen kaum oder gar nicht mehr zu bewässern, wie derzeit im Silicon Valley propagiert, bisher nur wenig Linderung gebracht.

    Denn 80 Prozent des Wassers wird von der Landwirtschaft verbraucht, vor allem für den besonders wasserintensiven Anbau wie bei Mandeln und Pistazien. Etwa 80 Prozent des weltweiten Mandelbedarfs in Kalifornien produziert. Nun steigen die Preise, denn viele Bauern sind gezwungen, ihre Mandelbäume aufgrund des Wassermangels unterzupflügen.


    In Folge der Dürre hat der Staat die Wasserkontingente empfindlich gedrosselt. Zuletzt rief Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom die Einwohner dazu auf, weniger Wasser zu verbrauchen. Etwa 15 Prozent sollen sie möglichst im Vergleich zum Vorjahr einsparen, aber nicht nur Kaliforniens Bewohnern, sondern auch die dort ansässige Industrie und Landwirtschaft. Außerdem gilt der im April ausgerufene Dürre-Notstand nun in 50 der 58 Bezirke des US-Bundesstaates.

    Seit Kurzem darf Wasser auch nicht mehr wie früher unbegrenzt aus privaten Brunnen abgepumpt werden, weil der Grundwasserspiegel drastisch abgesunken ist. Die Landwirte wiederum wehren sich dagegen, als die schwarzen Schafe hingestellt zu werden. Sie argumentieren, dass zu viel Wasser für den Umweltschutz reserviert werde, etwa für das Fluten von Deltas und Sümpfen. Naturschützer halten dagegen, dass diese Gebiete wiederum vom unersättlichen Wasserbedarf der Landwirtschaft bedroht seien. Die Debatte darüber läuft schon seit Jahrzehnten. Bis Mutter Natur eingreift und es wieder regnen lässt. Wie zuletzt 2016, als Rekord-Regenfälle Schlammlawinen auslösten und etliche Reservoirs überlaufen ließen.

    Die Rubrik entsteht in Kooperation mit dem Erdobservations-Start-up LiveEO – dieses ist eine Beteiligung der DvH Ventures, einer Schwestergesellschaft der Holding DvH Medien, ihrerseits alleiniger Anteilseigner der Handelsblatt Media Group, zu der auch die WirtschaftsWoche gehört.

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