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Wirtschaft von oben #81 – Warner Bros. Studio Tour London Auf diesem alten Flugplatz verdient Warner Bros. Millionen

Im zweiten Weltkrieg wurden auf dem Gelände des alten Flugfeldes im britischen Leavesden noch Flugzeuge produziert. Exklusive Bilder zeigen, wie aus den Hangars zunächst Drehorte für James-Bond-Filme wurden und Warner Bros. dort heute Geld mit Harry-Potter-Fans verdient. „Wirtschaft von oben“ ist eine Kooperation mit LiveEO.

Warner-Bros.-Studios Leavesden

Im Zweiten Weltkrieg war Leavesden, der kleine Vorort von Watford, vor allem füreines bekannt: Flugzeuge. Das damalige britische Luftfahrtministerium hatte dort Gelände erworben und auf den Feldern gemeinsam mit dem Flugzeughersteller de Havilland riesige Hangars errichtet. Während des Krieges wurden dort das Mehrzweckflugzeug Mosquito und der Bomber Handley Page Halifax produziert. So eine der größten Flugzeugfabriken des Landes.

Einige Jahre später übernahm Rolls-Royce sowohl de Havilland als auch das Gelände und stellte die Produktion auf Helikoptermotoren um. Doch im Zuge der Deindustrialisierung verlor das Flugfeld an Bedeutung. Anfang der 90er-Jahre standen die Hallen sogar komplett leer.

Mittlerweile aber davon Leere keine Rede mehr sein. Die ehemaligen Hangars gehören zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten Großbritanniens. In Scharen kommen die Touristen in den kleinen Ort, etwa 30 Kilometer von London entfernt, wie auch auf dem Satellitenbild von LiveEO von 2013 an dem vollen Parkplatz zu erkennen ist. Die Bilder zeigen außerdem, wie sehr sich das Gelände gewandelt hat. Es gehört mittlerweile dem Filmunternehmen Warner Bros., das dort zum einen seine Kassenschlager dreht und zum anderen in der Warner Bros. Studio Tour London die Entstehung der Harry-Potter-Filme zeigt. 19 Jahre nach der Kinopremiere von „Harry Potter und der Stein der Weisen“ fasziniert der Zauberer mit der Blitznarbe auf der Stirn noch immer Millionen – und Warner Bros. verdient mit der Geschichte noch immer reichlich.

Doch bevor Harry, Ron und Hermine ihre Zauberstäbe in Leavesden schwingen konnten, eroberte erst einmal ein anderer Leinwandheld die dortigen Hallen. Die Produktionsfirma Eon suchte nämlich 1994 nach Örtlichkeiten, in denen sie den James-Bond-Film „Golden Eye“ drehen konnte. Die großen, zu der Zeit ungenutzten Hangars boten sich an, um die riesigen Filmsets aufzubauen.

So gewann Leavesden wieder an Bedeutung – vor allem in der Filmproduktion. Berühmte Filmklassiker wie „Star Wars Episode I: Die dunkle Bedrohung“ oder Tim Burtons „Sleepy Hollow“ entstanden hier. Im Jahr 2000 buchte das britische Filmstudio Heyday Films die Hallen im Auftrag von Warner Bros., um den ersten Teil der schon damals beliebten Kinderbuchreihe über Harry Potter zu verfilmen. Auf dem Satellitenbild ist in diesem Jahr sogar noch ein Teil des ehemaligen Flugplatzes zu erkennen – die Zufahrtsstraße zu den Hallen war früher ein Rollfeld.

Damals wusste Warner Bros. wahrscheinlich nicht, dass sich aus den Filmen rund um die Hogwarts-Schule für Hexerei mit ihren dreiköpfigen Hunden, Riesenspinnen und dem auf Besen ausgetragenem Zauberersport Quidditch, eine der erfolgreichsten Franchise-Reihen der Filmgeschichte entwickeln würde. Mit eingespielten 9,21 Milliarden Dollar bis Februar 2020 landet die Zaubererwelt von J.K. Rowling nach Angaben der Filmdatenbank IMDb auf Platz vier hinter dem Marvel-Universum, Star Wars und Disney mit den Neuauflagen seiner Filme als animierte Realverfilmungen.

Kurz bevor der letzte Harry-Potter-Film in die Kinos kam, deutete sich das allerdings schon an. Daher verkündete Warner Bros. 2010, dass es die Studios in Leavesden kaufen und zu seiner europäischen Basis für die Filmproduktion aufbauen würde. Zusätzlich sollten in zwei neuen Hallen die Bühnenbilder und Requisiten ausgestellt und so zu einer Pilgerstätte für Harry-Potter-Fans weltweit werden.

Detailaufnahme Außengelände Warner-Bros.-Studios Leavesden

Ein Jahr später sind nördlich der alten Hangars zwei neue Filmstudios entstanden. Östlich liegen die Ausstellungshallen, in denen die Fans bald den Gemeinschaftsraum von Gryffindor oder das Büro des Schulleiters Albus Dumbledore, die große Halle von Hogwarts sowie die Kostüme der Schauspieler bestaunen können. 2012 ist es dann so weit: Die Ausstellung wird eröffnet und die Besucher können Butterbier in der Cafeteria trinken oder Selfies vor 4 Private Drive, oder, auf Deutsch, dem Ligusterweg Nr. 4, schießen. Die Häuser der Straße wurden tatsächlich zwischenzeitlich auf dem Gelände des ehemaligen Flugplatzes aufgebaut, für die Ausstellung wurden aber nur zwei von ihnen versetzt und den Fans zugänglich gemacht. 2013 folgt dann auch noch die royale Eröffnung, zu der auch William und Kate, Herzog und Herzogin von Cambridge, sowie Williams Bruder Harry sowie J.K. Rowling kamen.

Der gut gefüllte Parkplatz auf dem Satellitenbild lässt jedenfalls vermuten, dass schon in jenem Jahr der Andrang groß ist. Laut den Finanzberichten von Warner Bros. Studios Leavesden Limited lagen die Umsätze damals bereits bei rund 57 Millionen Pfund. Und die Faszination riss nicht ab – obwohl mit der auch in Leavesden gedrehten „Phantastische Tierwesen“-Reihe nur noch Filme herauskamen, die zwar im Harry-Potter-Universum spielen, aber keine neuen Abenteuer von Harry, Ron und Hermine zeigen. 2018 beliefen sich die Umsätze auf rund 107 Millionen Pfund.

Dreistöckiger Bus

Zu dieser Zeit hat sich aber auch das ehemalige Flugfeld noch einmal deutlich gewandelt. Weitere Filmstudios sind dazugekommen und auch die Ausstellung ist größer geworden. Unter anderem können die Fans nun die Plattform 9 ¾ und Teile des Verbotenen Waldes erkunden.

Harry Potter ist für Warner Bros. eine kaum versiegende Geldquelle. In diesem Jahr leidet zwar die Warner Bros. Studio Tour London unter den Einschränkungen zur Eindämmung der Coronapandemie. Immer wieder muss die Ausstellung schließen, so wie auch im Frühjahr dieses Jahres, wodurch auf den Parkplätzen anders als sonst gähnende Leere herrscht.

Klassenzimmer

Um im asiatischen Markt noch mehr Geld einzunehmen, will Warner Bros. in Japan eine ähnliche Ausstellung auf 30.000 Quadratmetern eröffnen, verkündete das Unternehmen in diesem Jahr. Und dass in Asien viele von der Magie der Geschichte angezogen werden, zeigte sich erst vor ein paar Monaten. Aufgrund der Coronakrise wurden viele Filmstarts verschoben. Die Kinos spielten daher vermehrt auch alte Klassiker. Warner Bros. etwa brachte eine überarbeitete Fassung von „Harry Potter und der Stein der Weisen“ nun in 3D und 4K-Qualität in chinesische Kinos. Mit Erfolg: Der erste Film der Reihe ist nun neben „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil II“ der zweite Harry-Potter-Film, der ein Einspielergebnis von mehr als einer Milliarde Dollar erzielt hat.

Die Rubrik „Wirtschaft von oben“ entsteht in Kooperation mit LiveEO – einer Beteiligung der DvH Ventures. Die Handelsblatt Media Group ist Teil der DvH Medien, zu der auch DvH Ventures gehört.


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