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Zukunftsmacher Innovationen, die unser Leben verändern

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Wurzel ausreißen

Mannheim, Ludwigshafen, Heidelberg: In Sachen Krebsforschung ist diese Region weltweit führend.

Wer neue Medikamente gegen Krebs entwickelt, ist Frust gewöhnt. Kaum eine andere Krankheit täuscht Forscher so trickreich wie das gefürchtete Volksleiden. Wissenschaftler und Pharmamanager sind meist schon überglücklich, wenn eine neue Pille das Leben von Krebskranken um einige Wochen verlängert. Wirklich heilen können sie nur, wenn Chemotherapie, Operation und Bestrahlung im ersten Schlag den Tumor komplett vernichten und keine einzige Krebszelle überlebt. Doch das gelingt höchst selten: „Kommt der Tumor dann in Form von Metastasen zurück“, sagt der Heidelberger Krebsforscher Andreas Trumpp, „sind wir ziemlich machtlos.“

Fortschritt in der Krebs-Forschung

Das könnte sich bald ändern. Denn Trumpp, der die vor einem Jahr gegründete Gesellschaft Hi-Stem am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) leitet, hat herausgefunden, warum manche Krebszellen der chemischen Keule und dem Strahlentod so hartnäckig entgehen.

Er nennt sie Krebsstammzellen, denn wenn sie aktiv werden, beginnen sie sich wie normale Stammzellen zu teilen und ein neues Gewebe zu bilden, einen neuen tödlichen Tumor. Trumpp weiß inzwischen, wo sich diese besonders widerstandsfähigen Zellen im Körper verstecken. Und er weiß auch, wie man sie hervorlockt, um sie zu eliminieren. Damit machte er weltweit Furore. Die Ergebnisse seiner Arbeit erschienen in den renommiertesten Wissenschaftspublikationen wie „Nature“ und „Science“.

40 Millionen Euro für BioRN

Nun sollen aus seinen Erkenntnissen neuartige, besonders wirksame Krebsmedikamente entstehen: Trumpps Hi-Stem avancierte mit dem DKFZ, das mit 850 Wissenschaftlern eine der größten Ansammlungen an Krebsforschern weltweit ist, zum Dreh- und Angelpunkt des Biotech-Clusters Rhein-Neckar (BioRN): 43 Partner aus Wissenschaft und Industrie hatten sich mit 63 Projekten beim Spitzencluster-Wettbewerb des Bundesforschungsministeriums beworben – und gewonnen: Deshalb fließen in den nächsten fünf Jahren 40 Millionen Euro in die Region Heidelberg, Mannheim und Ludwigshafen, die Partner vor Ort investieren genau so viel.

Das Ziel der Zukunftsschmiede ist klar: Bis zum Jahr 2020 sollen dort 5.000 neue Arbeitsplätze im Bereich Lebenswissenschaften entstehen. Rund 10 000 Menschen arbeiten schon jetzt in dem Sektor, etwa beim DKFZ, dem weltweit renommierten Europäischen Laboratorium für Molekularbiologie (EMBL), den Universitäten und Uni-Kliniken, Merck Serono, Roche Diagnostics oder einem der knapp 100 Biotechunternehmen der Region.

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