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Zukunftsmacher Innovationen, die unser Leben verändern

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Ihre grundsätzliche Eignung für den Flugbetrieb hat die Brennstoffzelle bereits bewiesen. Bei Testflügen mit einem Airbus A320 im vergangenen Jahr versorgte sie die Notfallsysteme des Fliegers mit Strom. „Jetzt geht es um die Integration in die gesamte Flugzeugtechnik“, erläutert Airbus-Entwickler Heinrich.

Dabei schwebt den Forschern Großes vor. Im Idealfall wird künftig die gesamte Lenkung elektrisch gesteuert, gespeist durch Strom aus der Brennstoffzelle. Die heute üblichen hydraulischen, pneumatischen und mechanischen Lenksysteme fallen weg, ebenso das Hilfsaggregat. Die bei der Stromerzeugung in der Zelle entstehende Wärme wird zur Klimatisierung genutzt, das Wasser für die Bordtoiletten. „Das würde Kosten und Gewicht sparen und die ganze Technik des Flugzeugs vereinfachen“, schwärmt TU-Professor Thielecke.

Neue Erkenntnisse bei Brennstoffzellen

Flugzeuge könnten demnächst sogar völlig emissionsfrei manövrieren – zumindest am Boden. Mit Liebherr-Aerospace und Diehl Aerospace entwickelt das Duo Heinrich und Thielecke ein elektrisches Fahrwerk. Die Triebwerke würden dann erst auf der Startbahn angelassen und sofort nach der Landung ausgeschaltet. Laut Thielecke könnte schon die nächste Generation des A320 mit solchen sauberen Fahrwerken ausgestattet werden.

Weil die Entwicklungskosten hoch sind und Brennstoffzellen erst bei großen Stückzahlen wirtschaftlich werden, wollen die Hamburger Forscher ihre Erkenntnisse nun auch anderweitig einbringen: Sie arbeiten an Projekten, bei denen Brennstoffzellen massenhaft in Autos, Bussen und Schiffen eingesetzt werden. „Dafür haben wir hier das ideale Experimentierfeld“, meint Thielecke. Der Autobauer Daimler, die Ölkonzerne Shell  und Total sowie der Energiekonzern Vattenfall etwa wollen in den nächsten Jahren in einem Großversuch Erfahrungen mit der Technik sammeln.

Ambitionierte Zukunftspläne

Die Brennstoffzelle ist nicht das einzige Projekt, mit dem das hanseatische Luftfahrtbündnis Furore machen will. DLR-Entwickler erkunden zum Beispiel die Möglichkeit eines Flugzeugs ohne Fahrwerk. Statt auf Rädern würden die Maschinen auf einer Art Magnetschlitten starten und landen. Dadurch würden Flugzeuge um mehrere Tonnen leichter und könnten ihren Treibstoffverbrauch deutlich senken.

Cluster-Leiter Richter hat sich ein hohes Ziel gesetzt. Die Initiativen sollen der Hamburger Luftfahrtindustrie bis 2020 einen Umsatzsprung von 7 auf 80 Milliarden Euro bescheren und die Metropole eines Tages auf Platz zwei der weltweiten Luftfahrtstandorte vor Toulouse katapultieren. Der internationale Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt bremst die Euphorie ein wenig: „Das Ziel ist ausgesprochen ambitioniert. Die Franzosen werden ihre Position nicht kampflos räumen.“ Ob nun Platz zwei oder drei: Richter hofft, dass zu den heute 36.000 Arbeitsplätzen im Hamburger Luftfahrtsektor weitere 4.000 hinzukommen werden.

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