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Zukunftsmacher Innovationen, die unser Leben verändern

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Schicht für Schicht

Organische Elektronik Quelle: Bert Bostelmann für WirtschaftsWoche

Von Leuchtdioden bis zu faltbaren Displays: Deutschland ist bei organischer Elektronik Weltspitze.

Leuchtende Tapeten, faltbare elektronische Zeitungen, Jacken mit integrierten Displays: Als Prototypen existieren diese Produkte bereits. Sie bestehen aus elektrisch aktiven Kunststoffen, einer neuen Spezies der Elektronik. Diese Kunststoffe sind nicht nur biegsam, sie lassen sich in beinahe jede Form bringen. Wichtiger noch, sie kosten in der Herstellung nur einen Bruchteil der herkömmlichen Bauteile aus Silizium. Dadurch werden sie für den massenhaften Einsatz in allerhand Produkten interessant: in Funketiketten, Solarzellen, Leuchtdioden und Computerchips.

Es winkt ein Riesengeschäft. Das britische Marktforschungsunternehmen IDTechex erwartet, dass der weltweite Umsatz mit organischer Elektronik von heute rund 1 Milliarde auf mehr als 300 Milliarden Dollar im Jahr 2027 zulegen wird. Ein großer Teil des Geldes soll an Unternehmen aus Deutschland fließen. Das jedenfalls ist das Ziel von Bernhard Schweizer.

Heidelberger Druckmaschienen sollen Vorsprung gewährleisten

Der 41-Jährige ist Geschäftsführer des Heidelberger Innovation Lab (IL). Das Forschungszentrum, das vor allem von den Universitäten Heidelberg und Mannheim getragen wird, arbeitet mit führenden Unternehmen daran, den Vorsprung Deutschlands in vielen Grundlagentechniken der organischen Elektronik für eine breite und schnelle Marktdurchdringung zu nutzen. Mit von der Partie sind unter anderem die Chemieunternehmen BASF und Merck, der Softwarekonzern SAP und der weltgrößte Automobilzulieferer Bosch.

Die enge Kooperation soll eine Schwäche des deutschen Forschungssystems beheben. „Es darf nicht mehr passieren, dass Welterfolge wie der MP3-Spieler in Deutschland erfunden und im Ausland produziert werden“, sagt Schweizer. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Heidelberger Druckmaschinen. Sie soll die Anlagen entwickeln, mit denen sich Elektronik einfach drucken lässt.

Barcode-Ersatz aus deutschen Laboren

Die neue Technik wird in den nächsten Jahren vor allem im Einzelhandel als elektronischer Ersatz für den Barcode eingesetzt. „Die sind so billig, dass sie auf jeden Joghurtbecher geklebt werden können. Sie zeigen beispielsweise an, ob die Kühlkette unterbrechungsfrei funktioniert hat“, sagt Schweizer. Der Sensor wird dazu mit einem – ebenfalls gedruckten – elektronischen RFID-Strichcode (Radio Frequency Identification) gekoppelt, über den die Joghurt-daten per Funksignal ausgelesen werden können.

Ein anderer Schwerpunkt in den Laboren der Region ist die Entwicklung von Solarzellen aus Kunststofffolien. Sie können auf Aluminiumfassaden, Fensterscheiben oder Autokarosserien geklebt werden, um Strom zu erzeugen. Für das Auge sind sie unsichtbar, weil sie hauchdünn und transparent sind.

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