WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Teldafax-Insolvenz Die Schande der Strom-Branche

Vier Jahre sind vergangen, seit Teldafax zusammenbrach. Die Wunden bleiben offen. In der größten Insolvenz der deutschen Wirtschaftsgeschichte hat noch keiner der 750.000 Gläubiger auch nur einen einzigen Cent gesehen.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Quelle: dpa

Es war ein Artikel, der eine ganze Branche veränderte. „Erhebliche kriminelle Energie“ lautete die Überschrift, unter der das Handelsblatt am 20. Oktober 2010 schilderte, was sich hinter der Fassade von Teldafax verbarg: Ein riesiges Schneeballsystem, das einen gewaltigen Schaden hinterlassen würde. Acht Monate lang stritt dann das Unternehmen ein Fehlverhalten ab. In dieser Zeit gewann es 300.000 Kunden hinzu und wechselte zwei Mal den Vorstand aus. Dann brach Teldafax zusammen.

Als der Insolvenzverwalter im Juni 2011 zu Teldafax stieß, entdeckte er ein blankes Chaos. Wollte er das Unternehmen ursprünglich fortführen, stellte er den Betrieb schon nach drei Tagen komplett ein. Es blieben zahllose geprellte Kunden und ein Schaden von 500 Millionen Euro. Zwei Wochen später rückte die Staatsanwaltschaft an. Der Fall Teldafax wurde zum Fanal für die gesamte Strombranche.

Das Handelsblatt hat den Niedergang von Teldafax und seine Folgen in vielen Dutzend Artikeln beschrieben. Dabei wurde auch eine Chronik des Unternehmens erstellt – von den Anfängen 1998 bis hin zum Prozess wegen Insolvenzverschleppung, der im Januar 2015 begann. Die Zeitleiste enthüllt erstaunliche Details.

Kapitel 1 – Die Wurzeln von Teldafax

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    1. Juli 1998
    Die ursprüngliche Teldafax AG geht mit Hilfe von Goldman Sachs an die Börse. Der Name Teldafax steht für „Telefon, Daten, Fax“. Unter der Vorwahlnummer 01030 bietet das Unternehmen sensationell günstige Tarife an. Der Neue Markt liebt den Debüttanten: Am ersten Handelstag schnellt die Aktie von 26 auf 32 Euro.

    Anfang 1999
    Die Teldafax-Aktie erreicht die Marke von 60 Euro.

    Ende 1999
    Die Teldafax-Aktie fällt auf zehn Euro.

    April 2001
    Die Deutsche Telekom schaltet Teldafax wegen unbezahlter Rechnungen ab. Teldafax stellt beim Amtsgericht Marburg/Lahn einen Insolvenzantrag.

    2002
    Deutsche und Schweizer Investoren bedienen sich aus der Insolvenzmasse von Teldafax und kaufen verschiedene Unternehmen auf. Dies geschieht unter der Führung des Wirtschaftsprüfers und Steuerberaters Michael Josten. Der hält über verschiedene Gesellschaften auch wesentliche Anteile an Teldafax.

    2004
    Die aufgekauften Unternehmen werden unter der Teldafax Holding AG mit Sitz in Troisdorf zusammengeführt. Michael Josten übernimmt als Vorstand der Holding die Führung der Unternehmensgruppe. Der Jahresumsatz der Gruppe liegt bei zwölf Millionen Euro.

    17. März 2005
    Michael Josten tritt offiziell sein Amt als Vorstandsvorsitzender der Teldafax Holding AG an.

    2005
    Klaus Bath übernimmt die Verkaufsleitung für die gesamte Teldafax-Gruppe. Zuvor arbeitete Bath für den Konkurrenten Innoflex, einem Vorläufer der späteren Flexstrom AG.

    14. August 2006
    Die Teldafax Energy GmbH wird gegründet. Teldafax steigt in den Strommarkt ein. Für 2007 wird ein Kundenstamm von 70.000 angestrebt.

    20. Dezember 2006
    Teldafax verkündet sein erstes großes Sportsponsoring. . „Biathlon ist die Wintersportart Nummer 1. Sie hat die meisten Zuschauer und die höchsten Quoten im Fernsehen. Folglich ist es die Wintersportart, die für unser Sponsoring am interessantesten ist“, sagt der Teldafax-Vorstandsvorsitzende Michael Josten am 20. Dezember 2006. „Und dafür haben wir uns natürlich den besten Biathleten ausgesucht: Ole Einar Björndalen.“ Die Partnerschaft mit Björndalen wird vier Jahre dauern.


    Kapitel 2 – Der neue Star am Energiemarkt

    Februar 2007
    Teldafax beginnt mit dem Vertrieb von Strom.

    16. März 2007
    Das Landgericht Mannheim verurteilt den Teldafax-Vorstandsvorsitzenden Michael Josten für seine Aktivitäten rund um die Secur Finanz AG aus Lörrach wegen 176-fachen Betrugs zu zweieinhalb Jahren Gefängnis. Die Richter vermerken eine „erhebliche kriminelle Energie“ und eine „besonders habgierige Gesinnung des Angeklagten Josten“.

    August 2007
    Josten meldet einen Zweitwohnsitz in Berlin an, bringt jedoch kein Namensschild an seinem Briefkasten an. In der Folge scheitert die Zustellung eines Vollstreckungshaftbefehls.

    13. August 2007
    Die Partnerschaft zwischen Teldafax und Bayer 04 Leverkusen beginnt. Teldafax zahlt dem Fußball-Bundesligisten durchschnittlich rund sechs Millionen Euro pro Saison. Geschäftsführer Holzhäuser sagt: „Wir haben eine junge und ausbaufähige Mannschaft und Teldafax ist ein aufstrebendes Unternehmen mit einem pfiffigen Geschäftsmodell in einem modernen Marktsegment. Dies verbindet uns.“

    5. September 2007
    Teldafax steigt in den Gasmarkt ein. Die Teldafax Gasversorgungs GmbH wird gegründet.

    11. September 2007
    Josten meldet sich beim Einwohnermeldeamt Landshut ab. Die Zustellung eines Vollstreckungshaftbefehls gegen ihn scheitert erneut.

    12. September 2007
    Michael Josten gibt sein Amt als Vorstandsvorsitzender von Teldafax an Klaus Bath ab. Josten wird Aufsichtsrat. Zusätzlich übernimmt er die Geschäftsführung der RDF Ecotech AG in Zug (Schweiz) und genehmigt sich dort ein Jahresgehalt von 396.000 Schweizer Franken. Außerdem übernimmt Josten diverse Mandate bei der Teldafax International AG, der TDF Technology Holding AG, der Currax AG (alle in Zug) sowie bei der Innovation und Technik AG (Seebenstein, Österreich).

    Oktober 2007
    Teldafax übertrifft die eigenen Ziele bei weitem. Die Kundenzahl beträgt bereits 150.000. Teldafax erhöht das Ziel auf 200.000 Kunden.

    31. Dezember 2007
    Teldafax wird von Kunden fast überrannt. Zu Silvester zählt das Unternehmen 400.000 Verträge.


    Kapitel 3 – Wachstum auf Pump

    28. Januar 2008
    Das Hauptzollamt Aachen leitet erste Vollstreckungsmaßnahmen gegen Teldafax ein – wegen ständiger Zahlungsverzögerungen bei der Stromsteuer.

    29. Januar 2008
    Die Bundesnetzagentur schreibt einen Mahnbrief an Teldafax. Darin heißt es: „Wir erhielten von einem Netzbetreiber die Mitteilung, dass die Teldafax Energy GmbH regelmäßig mit fälligen Forderungen, die aus den Netznutzungsentgelten resultieren, in Verzug ist. Diese Hinweise bieten dringenden Anlass zur Überprüfung der personellen, technischen und wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit Ihres Unternehmens.“

    20. März 2008
    Der deutsche Bundesgerichtshof verwirft die Revision von Michael Josten gegen dessen Verurteilung vom 16. März 2007.

    1. April 2008
    Teldafax vereinbart ein Freundschaftsspiel zwischen Bayer 04 Leverkusen und der Nationalmannschaft von Weißrussland. Doch das Vorhaben wird nicht umgesetzt. Stattdessen wird das Spiel gegen den weißrussischen Hauptstadtklub Dinamo Minsk stattfinden.

    20. Juni 2008
    Der CDU-Bundestagsabgeordnete Norbert Barthle setzt sich für Teldafax ein. Er schreibt an den Leiter der Wirtschaftsabteilung der Deutschen Botschaft in Moskau und informiert ihn, dass Barthle im Juli zusammen mit einer Wirtschaftsdelegation der Firma Teldafax nach Russland kommen wird. Der Abgeordnete schreibt: „Ich möchte Sie höflich bitten, das Ihnen Mögliche zu unternehmen, um diese Reise zu unterstützen.“ Teldafax schreibt Barthle einen „Merkzettel“ für dessen Gespräche mit den Russen.

    Juli 2008
    Teldafax nimmt die Belieferung von Kunden mit Gas auf.

    1. Juli 2008
    Im Rahmen einer Sitzung beim Gouverneur der Region Krasnodar hält Teldafax-Aufsichtsrat Michael Josten eine Rede, in der er Teldafax als Spezialisten für umweltfreundliche Hochtechnologie anpreist, der gut mit der russischen Wirtschaft zusammenarbeiten könne. Josten hebt auch das Engagement von Teldafax als Sponsor von Bayer Leverkusen hervor.

    17. Juli 2008
    Teldafax-Manager Dmitri Vassiliev bestellt bei der Bayer 04 Marketing GmbH Sonderanfertigungen von Trikots für das Freundschaftsspiel in Minsk. Eines davon ist für Alexander Lukaschenko, den weißrussischen Diktator. Vassiliev schreibt, Teldafax wolle Lukaschenko das Bayer-Trikot als Geschenk überreichen.

    18. Juli 2008
    Der Bundesgerichtshof lehnt das Gnadengesuch von Teldafax-Aufsichtsrat Michael Josten ab.

    19. Juli 2008
    Bayer Leverkusen fliegt direkt aus dem Trainingslager zum Freundschaftsspiel nach Minsk. Teldafax übernimmt die Flugkosten in Höhe von 43.900 Euro. Das Spiel endet 2:2.

    14. November 2008
    Teldafax erhält einen Finanzvorstand. Alireza Assadi kommt nach Troisdorf, um den Verkauf des Unternehmens an einen internationalen Investor vorzubereiten.

    31. Dezember 2008
    Teldafax beziffert seinen Umsatz auf 254 Millionen Euro. Das Unternehmen beschäftigt 290 Mitarbeiter.

    Januar 2009
    Michael Josten bietet Teldafax dem russischen Energieriesen Gazprom zum Kauf an.

    24. Januar 2009
    Das Bundesverfassungsgericht nimmt Jostens Verfassungsbeschwerde bezüglich seiner Verurteilung nicht an.

    4. März 2009
    Die deutschen Behörden stellen einen internationalen Haftbefehl gegen Josten aus.

    9. März 2009
    Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO beginnt mit der Due Diligence, einer Risikoprüfung mit „gebotener Sorgfalt“, zu Teldafax. Sie wird nie fertiggestellt werden.

    18. März 2009
    Teldafax ist noch immer auf Investorensuche, diesmal in Russland. Teldafax startet eine Anfrage beim russischen Erstligisten FK Kuban Krasnodar. Es soll ein Freundschaftsspiel von Bayer Leverkusen in Sotschi stattfinden, an dessen Rand man ungezwungen Kontakte mit potenziellen Investoren knüpfen kann.

    23. März 2009
    Das Justizministerium von Baden-Württemberg ersucht die Schweiz um die Auslieferung von Josten.

    30. März 2009
    Gernot Koch wird neuer Chief Operation Officer (COO) von Teldafax. Er war zuvor Geschäftsführer der Teldafax Service GmbH.

    31. März 2009
    Jostens Gefolgsmann Dmitri Vassiliev trifft sich in St. Petersburg mit dem Gazprom-Vizepräsidenten Alexander Medwedjew. Drei Tage später schickt Josten einen Vorvertrag an Medwedjew. Gazprom soll Teldafax zum 1. Juni 2009 übernehmen. Kaufpreis: 315 Millionen Euro. Wenig später sagt Medwedjew ab.

    April 2009
    Teldafax verlängert den Sponsoringvertrag mit Bayer Leverkusen, der noch bis zum 30. Juni 2010 läuft, vorzeitig um drei weitere Jahre.

    4. Mai 2009
    Das Schweizer Bundesamt für Justiz erlässt einen Auslieferungshaftbefehl gegen Josten.

    12. Mai 2009
    Teldafax lädt Christoph Gottschalk, den Geschäftsführer der TV-Werbevermarktungsfirma Dolce Media, zum Spiel von Bayer Leverkusen gegen den FC Bayern München in die Allianz Arena in München ein. Leverkusen verliert 0:3. Teldafax-Aufsichtsrat Michael Josten und Vorstandschef Klaus Bath wollen mit Gottschalk Möglichkeiten eines Werbeauftritts von Teldafax bei „Wetten, dass..?“ bereden.

    14. Mai 2009
    Josten wird in der Schweiz festgenommen. Er ersucht um sofortige Haftentlassung.

    15. Mai 2009
    Josten legt bei der zweiten Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts Beschwerde gegen seine Inhaftierung ein. Er argumentiert, die Haft sei nicht das mildeste geeignete Mittel, eine allfällige Fluchtgefahr zu bannen.

    18. Mai 2009
    Das Schweizer Bundesamt für Justiz lehnt Jostens Ersuchen um Haftentlassung ab.

    28. Mai 2009
    Die zweite Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts akzeptiert die Beschwerde Jostens teilweise und weist das Bundesamt an, Josten gegen Kaution von 800.000 Schweizer Franken und Abgabe seiner Ausweispapiere sowie Erfüllung einer wöchentlichen polizeilichen Meldepflicht auf freien Fuß zu setzen.

    2. Juni 2009
    Josten lässt sich seine Kaution mit Anlegergeldern der Debi Select Fonds fremdfinanzieren, zahlt die 800.000 Franken und kommt frei.


    Kapitel 4 – Die Insolvenzverschleppung beginnt

    4. Juni 2009
    Das Hauptzollamt Köln stellt eine Stromsteuernachforderung von 18,8 Millionen Euro. Teldafax kann nicht zahlen und stellt einen Antrag auf Stundung und Aussetzung der Vollziehung.

    10. Juni 2009
    In der Teldafax-Zentrale in Troisdorf findet eine außerordentliche Vorstandssitzung statt. Es nehmen auch zwei Wirtschaftsprüfer der Beratungsgesellschaft BDO teil. Sie berichten unter anderem von einer Deckungslücke bei Teldafax in Höhe von 24 Millionen Euro, resultierend insbesondere aus Stromsteuern. Binnen drei Wochen habe eine Geschäftsleitung eine Insolvenzantragspflicht. Stand heute sei Teldafax illiquide.

    11. Juni 2009
    Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO, die seit Monaten die Bilanzen von Teldafax prüft, teilt Aufsichtsrat Michael Josten und den Vorständen telefonisch mit, dass der Bestand von Teldafax „hochgradig gefährdet“ sei. BDO unterbricht die Prüfung, um auf Finanzierungsmaßnahmen von Teldafax zu warten.

    12. Juni 2009
    Josten beantragt beim Schweizer Bundesamt für Justiz, dem Auslieferungsersuchen aus Deutschland nicht zu entsprechen sowie die gegen ihn verhängten Auflagen aufzuheben. Zumindest solle seine Auslieferung aufgeschoben werden, bis sich der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte den Fall angeschaut habe.

    26. Juni 2009
    Das Schweizer Justizamt fordert die deutschen Behörden auf, sich zu Jostens Vorwurf der Verletzung der Europäischen Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten zu äußern.

    1. Juli 2009
    Das Hauptzollamt Köln kündigt an, vor der Entscheidung über einen Stundungsantrag von Teldafax die wirtschaftliche Lage des Unternehmens umfassend zu prüfen. Vorher würden keine Zahlungsvollstreckungsmaßnahmen gegen Teldafax ergriffen.

    7. Juli 2009
    Auf der Führungskreissitzung debattiert der Teldafax-Vorstand, wie er mit der Liquiditätskrise umgehen soll. Im Protokoll heißt es: „Da viele Verbindlichkeiten überfällig sind, ist ein planvolles Bedienen der Außenstände nötig, um einen Dominoeffekt zu vermeiden.“

    9. Juli 2009
    Der Teldafax-Vorstand schreibt einen Brief an den Aufsichtsrat, in dem die bevorstehende Insolvenz thematisiert wird. Der Brief ist in drei Punkte aufgeteilt:

    1.) Bilanzielle Überschuldung einzelner Gesellschaften.
    Fünf Firmen der Teldafax-Gruppe seien bilanziell überschuldet.

    2.) Liquiditätssituation der Teldafax-Gruppe
    Die Deckungslücke für die ganze Gruppe betrage inzwischen 54 Millionen Euro. „Die Lieferantenverbindlichkeiten werden zunehmend existenzbedrohlicher.“

    3.) Konsequenzen
    Hier heißt es wörtlich: „Ab Datum der Feststellung der Zahlungsunfähigkeit besteht für den Vorstand und die Geschäftsführung laut der Insolvenzordnung eine dreiwöchige Frist zur Umsetzung von Maßnahmen zur Behebung der Zahlungsunfähigkeit. Beim Scheitern der Maßnahmen besteht die Pflicht einen Insolvenzantrag zu stellen. In der Kalenderwoche 25 wurde der Tatbestand der Zahlungsunfähigkeit festgestellt.“

    15. Juli 2009
    Die Dresdner Bank weigert sich, Lastschrifteinzüge für Teldafax durchzuführen. Als Grund führt die Bank die vom Teldafax-Vorstand am selben Tag genannte Liquiditätslücke von 40 Millionen Euro an, über deren Deckung das Unternehmen keine konkreten Angaben gemacht habe.

    18. August 2009
    Die Kassen sind fast leer. Bei einer Führungskreissitzung stellt der Vorstand fest: „Bis zum Monatsende stehen noch eine Million Euro zur Bezahlung von Netzbetreibern und Provisionen zur Verfügung. Aufgrund der derzeit gegebenen Brisanz werden die ausstehenden Rechnungen priorisiert und darauf basierend beglichen.“

    19. August 2009
    Teldafax-Aufsichtsrat Josten reicht beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg eine Beschwerde gegen seine Verurteilung als Anlagebetrüger ein.

    Ende August 2009
    Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO nimmt die im Juni unterbrochene Prüfung der Bilanzen von Teldafax wieder auf, weil die Unternehmensführung verspricht, dass die Liquiditätslage sich entspannen werde.

    3. September 2009
    Das Schweizer Bundesamt für Justiz teilt Josten mit, es werde die Kosten für sein Auslieferungsverfahren durch sein persönliches Eigentum, konkret durch einen Teil der hinterlegten Kaution, begleichen. Josten antwortet, die Kostenauferlegung sei ungerecht und nicht nachvollziehbar.

    14. September 2009
    Teldafax erhält ein neues Schreiben der Bundesnetzagentur. Der Großkonzern Vattenfall hat die Aufsichtsbehörde über einen Zahlungsrückstand von Teldafax in Höhe von mehr als drei Millionen Euro informiert. Die Netzagentur schreibt an Teldafax: „Sollten die Beschwerden über Zahlungsrückstände anhalten, sieht sich die Beschlusskammer gehalten, die Einleitung eines Verfahrens zur Prüfung der personellen, technischen und wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit zu erwägen.“

    16. September 2009
    Teldafax beauftragt die Rechtanwaltskanzlei Görg mit der Erstellung eines „Unternehmensstatus unter insolvenzrechtlichen Aspekten“.

    17. September 2009
    Die Kanzlei Görg empfiehlt dem Teldafax-Vorstand, „im Moment – da die Insolvenzreife des Konzerns mit hoher Wahrscheinlichkeit (ggf. schon länger) gegeben ist – alle Zahlungen zu stoppen, es sei denn, die Nichtzahlung würde zu einem sofortigen Zusammenbruch des Geschäftsbetriebs führen. Leisten Sie dennoch Zahlungen an einzelne Gläubiger in Kenntnis der Insolvenzreife, machen Sie sich als Vorstand/Geschäftsführer schadenersatzpflichtig.“

    17. September 2009
    Eine Teldafax-Delegation um Marketing-Chefin Claudia Nowak besucht Bayer Leverkusen und erklärt Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser, dass Teldafax seine Sponsoringraten nicht zahlen könne. Das Unternehmen bittet um eine Stundung.

    22. September 2009
    Auf einer außerordentlichen Führungskreissitzung wird die dramatische Lage besprochen. Der Vorstand referiert: „20 Millionen Euro sind Stand heute fällig, während weniger als zehn Prozent auf dem Konto zur Verfügung stehen. Am 1. Oktober werden 33 Millionen Euro Einzüge fällig.“ Zum Sponsoringvertrag mit Bayer Leverkusen ist im Protokoll festgehalten: „3,7 Millionen Euro fällig, Forderung wird bis zum 1.12.2009 ausgesetzt.“

    24. September 2009
    Das Schweizer Bundesamt für Justiz erlässt einen Auslieferungsbescheid gegen Josten.

    30. September 2009
    Die Schweizer Firma Swiss Fact weist die Zahlung von 434.350 Euro an die Firma Dolce Media von Christoph Gottschalk an. Swiss Fact steht unter dem Einfluss von Michael Josten.

    1. Oktober 2009
    Das Hauptzollamt Köln kommt nach einer dreiwöchigen Prüfung zu der Feststellung, dass Teldafax insolvenzreif ist. Das Unternehmen ist zu diesem Zeitpunkt mit Stromsteuern in Höhe von 18,8 Millionen Euro für 2008 und 28,3 Millionen Euro für 2009 in Rückstand. In einem Prüfungsbericht schreiben die Zollbeamten, Teldafax müsse sofort Insolvenz anmelden, wenn das Zollamt ihre Steuerschuld einfordert.

    2. Oktober 2009
    Die Teldafax-Marketingleiterin Claudia Nowak verkündet den Vertriebspartnern des Unternehmens eine vermeintlich gute Nachricht: „Am 3. Oktober startet die aktuelle ‚Wetten, dass..?‘-Staffel. Damit beginnt zugleich eine neue Partnerschaft zwischen Europas meistgesehener TV-Show und Teldafax! Während der Sendung ruft Thomas Gottschalk zur Teilnahme an einem Gewinnspiel auf. Dabei können die Zuschauer ein Haushaltspaket von Teldafax gewinnen. Im Laufe der aktuellen Staffel werden wir unsere Präsenz sowohl in der Sendung als auch in deren Umfeld erhöhen. Mit der Sendung ‚Wetten, dass..?‘, die als eine der wenigen verbliebenen deutschen Fernseh-Shows die ganze Familie begeistert, erreichen wir eine für uns besonders wichtige Zielgruppe. Ich freue mich, dass wir die Marke Teldafax noch bekannter machen können. Davon werden auch unsere Vertriebspartner erheblich profitieren.“

    3. Oktober 2009
    Teldafax findet den Weg in Europas größte Fernsehshow „Wetten, dass..?“. Die Kooperation läuft über sechs Sendungen. Beim Auftakt in Freiburg sagt Moderator Thomas Gottschalk in die Kamera: „Unser neuer Partner Teldafax wird zu Ihrem Hausversorger und stellt einem von Ihnen für drei Jahre kostenlos Strom, Gas und Festnetztelefonie für ihren Privathaushalt zur Verfügung.“

    6. Oktober 2009
    Die Rechtsanwaltskanzlei Görg legt ihr Mandat bei Teldafax nieder.

    12. Oktober 2009
    Die Rechtsanwaltskanzlei Görg schreibt einen letzten Brief an den Teldafax-Vorstand: „Sofern Sie noch bei einer eventuellen Antragsstellung gegenüber dem Insolvenzgericht Hilfestellung benötigen, stehen wir hierfür gern zu Verfügung.“

    13. Oktober 2009
    Teldafax-Finanzvorstand Alireza Assadi beauftragt die auf Insolvenzrecht spezialisierte Kanzlei Hermann mit „der Prüfung insolvenzrechtlicher Tatbestände für die Teldafax Holding AG und deren Tochtergesellschaften“.

    14. Oktober 2009
    Bayer-04-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser schreibt an Teldafax und beschwert sich, dass die Bedingungen aus der ersten Stundungsvereinbarung nicht eingehalten wurden. Er fordert die Zahlung der vereinbarten Sponsoringraten. Teldafax zahlt. Außerdem wird vereinbart, dass Bayer kündigen kann, wenn Teldafax künftig in Verzug gerät. In dem Fall muss Teldafax laut Ergänzungsvertrag 6,4 Millionen Euro Vertragsstrafe zahlen.

    22. Oktober 2009
    Finanzvorstand Alireza Assadi teilt Aufsichtsrat Michael Josten mit, dass er am 27. Oktober einen Insolvenzantrag stellen werde.

    23. Oktober 2009
    Josten legt eine Beschwerde gegen den Auslieferungsbescheid durch die Schweiz ein. Er fordert eine Entschädigung der ihm entstandenen Kosten durch die Staatskasse.

    26. Oktober 2009
    Der Aufsichtsrat beruft Assadi als Finanzvorstand von Teldafax ab.

    27. Oktober 2009
    Die Kanzlei Hermann teilt der Führung von Teldafax mit, dass der Konzern, insbesondere die Teldafax Energy GmbH als wichtigste Tochtergesellschaft, insolvenzreif sei.

    28. Oktober 2009
    Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO, die seit Monaten die Bilanzen von Teldafax prüft, stellt die Arbeit ein. In einem Schreiben von BDO an den Teldafax-Vorstandsvorsitzenden Klaus Bath heißt es: „Die uns vorgelegten Unterlagen legen den Schluss nahe, dass die Gesellschaft zum 31. Dezember 2008 bilanziell überschuldet war und vermutlich auch weiterhin ist. Eventuelle stille Reserven sind hierbei bereits berücksichtigt.“

    9. November 2009
    Teldafax hat kein Geld mehr, um Kundenguthaben auszuzahlen. Der Kaufmännische Leiter, Frank Müller-Breithaupt, schreibt in einer Mail an seine Kollegen: „Die Auszahlungen an die Kunden aus Schlussrechnungen beziehungsweise Jahresverbrauchsabrechnungen sollten so weit es geht verschoben werden!“

    10. November 2009
    Das Schweizer Bundesamt für Justiz lehnt die Beschwerde Jostens gegen den Auslieferungsbefehl der Behörde ab.

    25. November 2009
    Teldafax verhandelt fieberhaft mit dem Hauptzollamt Köln über einer weitere Stundung der Stromsteuern. Die Zollbeamten lassen sich jetzt regelmäßig über den wirtschaftlichen Zustand von Teldafax informieren.

    8. April 2010
    Die zweite Beschwerdekammer des Schweizer Bundesstrafgerichts weist Jostens Beschwerde gegen seine Auslieferung nach Deutschland endgültig ab.

    28. April 2010
    Die von Teldafax mandatierte Kanzlei Flick Gocke Schaumburg sagt dem Hauptzollamt zu, innerhalb von zwei Wochen ein Sanierungsgutachten für Teldafax vorzulegen.

    7. Juni 2010
    Teldafax-Aufsichtsrat Josten wird in der Justizvollzugsanstalt Bruchsal inhaftiert. Seit seiner Verurteilung sind mehr als drei Jahre vergangen.

    14. Juni 2010
    Michael Josten scheidet aus dem Aufsichtsrat von Teldafax aus.

    21. Juni 2010
    Das Sanierungsgutachten für Teldafax ist immer noch nicht fertig. Die Kanzlei Flick Gocke Schaumburg teilt den Teldafax-Vorständen und -Gesellschaften mit, dass ohne eine Brückenfinanzierung ein Insolvenzantrag zu stellen sei.

    1. Juli 2010
    Teldafax kann die Halbjahresrate in Höhe von 3,9 Millionen Euro für das Sponsoring von Bayer Leverkusen für die Hinrunde der Bundesligasaison 2010/2011 nicht zahlen.

    1. Juli 2010
    Teldafax beginnt mit den Aktionen „Sommerpakt“ und „Treuepaket“. Ab sofort bietet das Unternehmen seinen Strom noch günstiger an. Bestandskunden werden dazu animiert, ihren Vertrag sofort zu verlängern – zu niedrigeren Preisen, aber gegen Vorkasse. Dabei wird kurzfristig Liquidität geschaffen, aber langfristig entstehen immense Verluste. Nach einem Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft GKK Partners verliert Teldafax bei den Neukunden 5,6 Millionen Euro, bei den Bestandskunden sind es 14,7 Millionen Euro.

    7. Juli 2010
    Jostens Rechtsanwalts Norbert Stegemann schreibt an die Justizvollzugsanstalt Bruchsal und bittet um Freigang für seinen Mandanten. Josten könne zum 15. Juli 2010 eine Stelle als kaufmännischer Angestellter beim Bundesverband für fachgerechte Natur und Artenschutz (BNA) in Hambrücken antreten. Ehrenpräsident des BNA ist der ehemalige Geheimdienstkoordinator Bernd Schmidbauer, der sich bereits in der Vergangenheit für Josten eingesetzt hat.

    17. Juli 2010
    Teldafax und Bayer 04 Leverkusen schließen eine erneute Stundungsvereinbarung. Teldafax darf die Forderungen des Bundesligisten monatlich abstottern.

    20. Juli 2010
    Josten schreibt aus dem Gefängnis an seine Frau und beschwert sich bitterlich: „Ich weiß nicht, wie lange ich das noch aushalte, ich bin psychisch ziemlich am Ende. Ich kann nicht zur Ruhe kommen. Aber vielleicht ist es tatsächlich so, dass, wenn man hier sitzt, das Leben draußen weitergeht, man selbst ist halt für tot erklärt. Wie lange muss ich diesen Zustand noch aushalten? Gibt es noch eine Steigerung all dieser Qualen?“

    30. Juli 2010
    Josten kommt in den offenen Vollzug.

    23. September 2010
    Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO beschwert sich in einem Schreiben an Teldafax über „eine Vielzahl von bislang unklaren Sachverhalten und unbeantworteten materiellen Fragestellungen für das Geschäftsjahr 2008“. Ohne deren Klärung sei ein Abschluss der Prüfungen nicht möglich. Für das Geschäftsjahr 2009 hätten die Prüfer noch keinerlei Unterlagen erhalten, heißt es.

    24. September 2010
    Teldafax-Vorstandschef Klaus Bath beziffert die „aktuelle Liquiditätslücke“ auf 20 Millionen Euro, traut allerdings seinen eigenen Zahlen nicht mehr. In einer Mail an Aufsichtsrat Josten und seine Vorstandskollegen schreibt Bath: „Ich befürchte, dass unsere Zahlen nicht die derzeit wirklich vorliegende Unternehmenssituation widerspiegeln.“


    Kapitel 5 – Der Skandal wird öffentlich

    20. Oktober 2010
    Das Handelsblatt berichtet, dass Teldafax einem Schneeballsystem gleiche und von einem verurteilten Anlagebetrüger aus dem Gefängnis heraus gesteuert wird.

    20. Oktober 2010
    Die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet, Teldafax wehre sich gegen Erpressungsversuche. Ein Unternehmenssprecher sagt, das Unternehmen befinde sich nicht in Schieflage. Die Zollverwaltung wird mit den Worten zitiert, es gebe keine Hinweise auf Unregelmäßigkeiten.

    20. Oktober 2010
    Das Bankhaus Lampe kündigt die Lastschriftinkassovereinbarung mit Teldafax.

    21. Oktober 2010
    Die Justizvollzugsanstalt Bruchsal streicht Aufsichtsrat Josten den Freigang.

    21. Oktober 2010
    Die Bundesnetzagentur weist Forderungen nach einer strengeren Überwachung der Energiebranche zurück. „Wenn ein Anbieter technisch, personell oder wirtschaftlich nicht in der Lage ist, seine Kunden zu beliefern, können wir ihm den Betrieb ganz oder teilweise untersagen“, sagt Behördenchef Matthias Kurth. „Es kann aber nicht die Aufgabe einer Behörde sein, Insolvenzen mit absoluter Sicherheit zu verhindern. Das muss der Markt regeln.“

    21. Oktober 2010
    Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser lobt Teldafax für die gute Zusammenarbeit und betont, der Verein wolle bis 2013 Partner von Teldafax bleiben. Rudi Völler sagt: „Teldafax bleibt auf unserer Brust!“

    21. Oktober 2010
    Teldafax stellt eine Strafanzeige gegen den ehemaligen Finanzvorstand Alireza Assadi – wegen angeblicher Verleumdung. Das Unternehmen teilt mit: „Vorwürfe einer angeblichen Überschuldung sind unhaltbar, falsch und geschäftsschädigend.“ Meldungen über Zahlungsschwierigkeiten seien das Ergebnis „gezielt gestreuter missverständlicher und falscher Informationen“.

    28. Oktober 2010
    Die Teldafax-Führung schreibt einen offenen Brief an das Handelsblatt. „Sie setzen eine Kampagne fort, deren Ziel sich uns nicht erschließt.“ Zum Vorwurf, dass Teldafax wie ein Schneeballsystem funktioniert, schreiben die Vorstände: „In Deutschland ist ein Schneeballsystem illegal.“

    29. Oktober 2010
    Die Rechtsanwaltskanzlei Flick Glocke Schaumburg weist den Teldafax-Vorstand schriftlich auf die bestehende Zahlungsunfähigkeit hin und mahnt an, dass eine Verpflichtung zur Stellung eines Insolvenzantrags bestehe.

    30. Oktober 2010
    Die Postbank fordert von Teldafax eine Sicherheitsleistung von zehn Millionen Euro zur Absicherung des Lastschriftrisikos. Außerdem fordert die Bank ein Sanierungsgutachten. Bis zu dessen Fertigstellung verweigert die Postbank die Abwicklung des Zahlungsverkehrs für Teldafax.

    Anfang November 2010
    Der russische Energiekonzern Energo Stream gewährt Teldafax über Zwischengesellschaften Darlehen in Höhe von 30 Millionen Euro.

    3. November 2010
    Teldafax verklagt das Handelsblatt auf Unterlassung. Der Billigstromanbieter will der Zeitung gerichtlich verbieten lassen, das Geschäftsmodell von Teldafax als Schneeballsystem darzustellen.

    4. November 2010
    Das Landgericht Köln erlässt eine einstweilige Verfügung gegen das Handelsblatt. Die Zeitung darf nicht mehr schreiben, dass Teldafax wie ein Schneeballsystem funktioniere. Das Handelsblatt wurde vor der Entscheidung nicht angehört.

    10. November 2010
    Der selbstständige Handelsvertreter Stefan Löhr aus Segnitz zeigt Michael Josten wegen des Verdachts auf Betrug an. Löhr hatte Anleger davon überzeugt, ihr Geld in den Debi Select Fonds zu investieren, mit denen angeblich hochsichere Geschäfte gemacht wurden. Tatsächlich floss das Geld aber über Umwege in die Teldafax-Gruppe. Auch die Kaution von Michael Josten wurde hiervon bezahlt. Löhr zeigt auch Jostens Frau an, die jene Kautionsüberweisung tätigte. Außerdem richtet sich seine Anzeige gegen Josef Geltinger, den Vertriebschef von Debi Select.

    20. November 2010
    Bei der Staatsanwaltschaft Bonn gehen Strafanzeigen gegen den Teldafax-Vorstandschef Bath und Aufsichtsratschef Josten ein.

    29. November 2010
    Die Kanzlei Flick Glocke Schaumburg weist den Teldafax-Vorstand erneut schriftlich auf die bestehende Zahlungsunfähigkeit hin und betont die Pflicht des Vorstandes, einen Insolvenzantrag zu stellen.

    29. November 2010
    Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf leitet unter dem Aktenzeichen 410 Js 511/10 ein Ermittlungsverfahren gegen Führungskräfte von Teldafax ein. Es wird jedoch sieben Monate dauern, bis die Behörde die ersten Durchsuchungen vornimmt.

    2. Dezember 2010
    Die Kanzlei Flick Glocke Schaumburg weist den Teldafax-Vorstand zum dritten Mal darauf hin, dass eine Zahlungsunfähigkeit bestehe und erinnert an die Pflicht des Vorstands, einen Insolvenzantrag zu stellen.

    7. Dezember 2010
    Das Geld aus Russland reicht nicht. Der Wirtschaftsprüfer und Steuerberater von Teldafax, Peters Schmitt-Blass Krüger, schreibt dem Unternehmen, dass die sofort und kurzfristig fälligen Verbindlichkeiten von Teldafax bei 58,8 Millionen Euro liegen. In dem Schreiben heißt es: „Wir raten dringend dazu, mit den Investoren aus Russland eine entsprechende Vereinbarung zu treffen, so dass die aktuelle Liquiditätsunterdeckung beseitigt wird und somit eine Insolvenzantragspflicht nicht mehr besteht.“

    28. Dezember 2010
    Energo Stream gibt Teldafax ein erneutes Darlehen, diesmal über vier Millionen Euro.

    30. Dezember 2010
    Energo Stream gibt Teldafax ein weiteres Darlehen. Es fließen 10,3 Millionen Euro nach Troisdorf.

    3. Januar 2011
    Die Postbank kündigt die Lastschriftinkassovereinbarung mit Teldafax.

    4. Januar 2011
    Auf einer Führungskreissitzung beraten sich die Teldafax-Vorstände über die dramatische Lage. Einen Ausweg sieht keiner. Aus dem Protokoll: „Die bisher dem Unternehmen zugeführten Finanzmittel der Neugesellschafter haben leider nur Löcher gestopft.“

    10. Januar 2011
    Die Kanzlei Flick Glocke Schaumburg beziffert die Liquiditätslücke bei Teldafax auf 60 Millionen Euro. Dies sei deutlich mehr, als der neue Eigentümer zu geben bereit sei. Zum vierten Mal weist die Kanzlei den Vorstand auf die Pflicht hin, einen Insolvenzantrag zu stellen.

    17. Januar 2011
    Bei Teldafax findet ein Treffen der Vorstände mit Flick Glocke Schaumburg statt. Auch Aufsichtsratsmitglied Dmitri Vassiliev und Professor Wolfram Scharff als Vertreter des russischen Gesellschafters Energo Stream sind anwesend. Die Rechtsanwälte weisen alle Teilnehmer auf die bestehende Insolvenzantragspflicht hin.

    21. Januar 2011
    Die Kanzlei Flick Glocke Schaumburg legt ihr Mandat nieder. Das Sanierungsgutachten, das die Kanzlei erstellen sollte und auf das die Gläubiger, zum Beispiel das Hauptzollamt Köln, seit Monaten wartet, wird nicht erstellt.

    26. Januar 2011
    Das Landgericht Köln entscheidet im Streit zwischen dem Handelsblatt und Teldafax zu Gunsten des Handelsblattes. Das Gericht hält die Berichterstattung der Zeitung für zutreffend. Die Darstellung, dass Teldafax wie ein Schneeballsystem funktioniert, sei zulässig. Teldafax muss die Kosten des Verfahrens tragen.

    3. Februar 2011
    Teldafax-Vorstandschef Klaus Bath sagt bei einem Auftritt vor der Wirtschaftspublizistischen Vereinigung in Düsseldorf, die negativen Medienberichte der vergangenen Monate hätten das Vertrauen der Kunden nicht geschmälert. Bath: „Von Oktober bis Dezember haben wir jeden Monat 50.000 Kunden gewonnen.“ Teldafax habe nun annähernd 600.000 Stromkunden und mehr als 160.000 Gaskunden.

    8. Februar 2011
    Das Hauptzollamt Köln sieht „Anzeichen für eine Gefährdung der Steuer“ und verlangt von Teldafax eine Sicherheitsleistung von 8,25 Millionen Euro, zahlbar bis zum 10. März 2011. Teldafax kann nicht zahlen.

    8. Februar 2011
    Die Bundesnetzagentur leitet gegen Teldafax ein Verfahren zur Untersagung der Energielieferung ein. Es bestehe der Verdacht auf eine fehlende wirtschaftliche Leistungsfähigkeit.

    9. März 2011
    Michael Josten wird heimatnah verlegt – von der Justizvollzugsanstalt Bruchsal in die Justizvollzugsanstalt Waldshut-Tiengen. Kein Gefängnis in Deutschland liegt näher an der Schweiz. Hier erhält Josten vom ersten Tag an Freigang.


    Kapitel 6 – Hektische Rettungsversuche

    10. März 2011
    Der Teldafax-Vorstandsvorsitzende Klaus Bath wird „mit sofortiger Wirkung aus wichtigem Grund“ abberufen. Neuer Chef wird der 69-jährige Sanierungsexperte Hans-Gerd Höptner. Dieser sagt beim Amtsantritt: „In 100 Tagen lassen wir uns gern an ersten Ergebnissen messen.“ 96 Tage später ist Teldafax insolvent.

    10. März 2011
    Wolfgang Holzhäuser schreibt einen Brief an die neuen Teldafax-Gesellschafter Sigma Citation Strategies und CPA Invest, in dem er auf eine Klausel im Vertrag mit Teldafax hinweist. Bei einem Eigentümerwechsel habe Bayer Leverkusen nämlich die Option, aus dem Vertrag auszusteigen. Außerdem werde die noch ausstehende Sponsoringsumme von 1,6 Millionen Euro für die Saison 2010/11 sofort fällig.

    März – Mai 2011
    Der russische Eigentümer Energo Stream gibt über Zwischengesellschaften weitere Darlehen in Höhe von insgesamt 61 Millionen Euro an Teldafax weiter.

    12. April 2011
    Das Hauptzollamt Köln entzieht Teldafax die Erlaubnis zur Leistung als Stromversorger.

    23. April 2011
    Der Teldafax-Vorstandsvorsitzende Hans-Gerd Höptner gibt in der Welt am Sonntag ein Interview, in dem er behauptet, dass sein Unternehmen „im Grunde nicht schlecht dasteht“. Höptner erklärt, Teldafax „sei sicher kein Schneeballsystem“. Die Aussichten seien gut. Höptner weiter: „Wir haben auch viele Kunden, die sehr zufrieden sind und auch jetzt noch ihre Verträge verlängern. Ich habe im Vorstand eine wirklich gute Mannschaft, die mir hilft, die notwendigen Dinge abzuarbeiten.“ Vier Wochen später tritt Höptner zurück. Später wird bekannt, dass seine Beratungsgesellschaft Conzima für seine Tätigkeit bei Teldafax 65.000 Euro pro Monat abrechnete. Höptner weist auf Anfrage darauf hin, dass das Honorar Mehrwertsteuer enthalte.

    20. Mai 2011
    Bayer Leverkusen kündigt den Sponsoringvertrag mit Teldafax.

    25. Mai 2011
    Teldafax erhält schon wieder einen neuen Chef. Der Sanierer Hans-Gerd Höptner gibt sein Amt an seinen Vorstandskollegen Gernot Koch ab. Dieser sagt: „Die erste Hürde für den Neuanfang ist genommen. Jetzt müssen wir zeigen, dass wir in der Lage sind, die Wende zu schaffen. In den kommenden Wochen werden wir vor allem durch Taten überzeugen und so wieder zu einem normalen Geschäftsalltag zurückkehren.“

    6. Juni 2011
    Die Staatsanwaltschaft Landshut stellt die Ermittlungen gegen die Verantwortlichen der Debi Select Fonds ein, ohne auch nur eine Durchsuchung gemacht zu haben. Die Fonds wurden von Michael Josten konzipiert, sollten Anlegern eigentlich hohe Gewinne mit hochsicheren Geschäften bringen. Stattdessen floss das Geld in die Teldafax-Gruppe und wurde auch dazu missbraucht, die Kaution für Michael Josten zu bezahlen. Die Staatsanwaltschaft Landshut kann jedoch keine Schädigung der Anleger erkennen.


    Kapitel 7 – Besuch vom Insolvenzverwalter

    14. Juni 2011
    Teldafax stellt einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Bonn.

    17. Juni 2011
    Der vorläufige Insolvenzverwalter Biner Bähr stellt den Betrieb von Teldafax komplett ein. Bähr erklärt: „Das Moratorium ist notwendig geworden, weil die finanzielle Lage des Unternehmens zu den gegenwärtigen Vertragsbedingungen keine Belieferung aller Kunden erlaubt.“

    28. Juni 2011
    Zwei Wochen nach dem Insolvenzantrag und acht Monate nach dem ersten Pressebericht über das Schneeballsystem Teldafax läuft in Troisdorf die Staatsanwaltschaft Bonn auf. 50 Beamte suchen nach Beweisen für eine Insolvenzverschleppung und gewerbsmäßigen Betrug. Der Name Michael Josten fehlt auf der Liste der Verdächtigten.

    31. August 2011
    Das Oberlandesgericht Karlsruhe befindet, dass bei dem Häftling Josten eine günstige Sozialprognose vorliege. Josten kommt vorzeitig auf Bewährung frei.

    1. September 2011
    Energo Stream teilt dem Insolvenzverwalter Biner Bähr mit, dass der Konzern Teldafax nicht mehr übernehmen will. Das Amtsgericht eröffnet das Insolvenzverfahren.

    2. September 2011
    Der ehemalige Teldafax-Chef Klaus Bath zeigt späte Einsicht. Der Süddeutschen Zeitung sagt er: „Rückblickend würde ich eine Sache anders machen. Ich hätte schon, nachdem die ersten Zeitungen im Oktober 2010 über Teldafax berichtet haben, Insolvenz anmelden können.“

    Dezember 2011
    Die Staatsanwaltschaft Bonn dehnt ihre Ermittlungen in Sachen Teldafax aus. Sie ermittelt nun auch gegen Michael Josten.

    26. März 2012
    Die Anleger der Debi Select Fonds erhalten ein Schreiben der Fondsverwaltung. Der Wert ihrer Anteile sei um 90 Prozent gefallen.

    29. Mai 2012
    Die Staatsanwaltschaft Bonn setzt Michael Josten auf die Liste der Beschuldigten. Josten hat sich aber wieder in die Schweiz abgesetzt.

    1. November 2012
    Das Amtsgericht Lingen verurteilt den ehemaligen Teldafax-Vorstandsvorsitzenden Gernot Koch zur Zahlung von 549,17 Euro plus Zinsen an einen ehemaligen Kunden. Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass Koch ihn als Chef des Stromanbieters vorsätzlich täuschte. Koch habe noch im März 2011 die Vorauszahlung für zwölf Monate entgegengenommen, einem Zeitpunkt, an dem Teldafax längst schon am Abgrund stand und niemand garantieren konnte, dass es die Gegenleistung würde erbringen können. Koch zahlt.

    13. November 2012
    Das Handelsblatt berichtet unter dem Titel „Sorge um Billiganbieter Flexstrom“ erstmals über Unregelmäßigkeiten beim ehemaligen Teldafax-Konkurrenten und die neue Nummer eins unter den Billigstromanbietern. Mehrere Netzbetreiber klagen über Unregelmäßigkeiten bei der Bezahlung der Netzentgelte und verlangen für den Transport des von Flexstrom verkauften Stroms durch ihre Leitungen Vorkasse. Konkurrenten werfen Flexstrom Dumping und „unseriöse Geschäftspraktiken“ vor. Die Parallelen zu Teldafax sind unübersehbar. Fünf Monate später wird auch Flexstrom Insolvenz anmelden.

    20. November 2012
    Das Landgericht Landshut verurteilt die Debi Select Verwaltungs GmbH zur Zahlung von 12.000 Euro an einen Anleger. Das Gericht begründet seine Entscheidung damit, dass der verwendete Prospekt fehlerhaft gewesen sei. Gelder von Debi Select waren über Umwege an Teldafax geflossen. In den folgenden Monaten werden viele solcher Urteile folgen.

    15. Januar 2013
    Das ZDF gerät in die Kritik, weil bekannt wird, dass ein Vertrag mit Teldafax bestand, der von 2009 bis 2010 Teldafax gegen eine Zahlung von mehr als einer Million Euro einen positiven Auftritt in der Sendung „Wetten, das..?“ garantierte. Der Vertrag wurde zwischen Teldafax und der Vermarktungsfirma Dolce Media geschlossen, die Christoph Gottschalk gehört, dem Bruder des Moderators Thomas Gottschalk.

    16. Januar 2013
    Das ZDF verlangt Aufklärung von Christoph Gottschalk.


    Kapitel 8 – Vorstände werden zu Angeklagten

    15. Februar 2013
    Die Staatsanwaltschaft Bonn erhebt Anklage gegen Michael Josten, Klaus Bath und Gernot Koch. Die Anklage gegen alle drei lautet auf „gewerbsmäßigen Betrug und Bankrotthandlungen“.

    20. Februar 2013
    Der Fall Teldafax weitet sich nach Russland aus. Die Generalstaatsanwaltschaft Moskau bestätigt, dass sie gegen den ehemaligen Generaldirektor des russischen Teldafax-Gesellschafters Energo Stream, Jurij Scheljabowskij, ermittelt. „Der Vorwurf lautet auf Entwendung von Geldmitteln durch Abschluss von fingierten Verträgen mit von ihnen kontrollierten Offshore-Firmen“, sagt ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Scheljabowskij und zwei weitere Beschuldigte sollten im Januar 2013 verhaftet werden, waren aber nicht aufzufinden. Nun sind sie zur Fahndung ausgeschrieben.

    21. Februar 2013
    Das Landgericht Bonn gibt bekannt, dass die Kammer frühestens Anfang 2014 darüber entscheiden werde, ob die Teldafax-Klage angenommen wird oder nicht.

    17. April 2013
    Der Teldafax-Insolvenzverwalter Biner Bähr verlangt von Bayer 04 das Geld zurück, das der Verein seit Kenntnis der Insolvenzreife von Teldafax erhielt. Er reicht dazu beim Landgericht Köln eine Klage auf die Rückzahlung von 16 Millionen Euro plus Zinsen ein.

    19. April 2013
    Die Staatsanwaltschaft Landshut nimmt das Verfahren gegen die Verantwortlichen der Debi Select Fonds wieder auf. Sie hatten Anlegern versprochen mit hochsicheren Geschäften hohe Renditen zu erwirtschaften. Stattdessen soll das Geld in die Teldafax-Gruppe geflossen sein und wurde wohl auch dazu missbraucht, die Kaution für Michael Josten zu bezahlen. Josten hatte die Fonds selbst konzipiert, im Laufe der Jahre investierten 9200 Anleger mehr als 115 Millionen Euro. Die Staatsanwaltschaft Landshut hatte die Ermittlungen 2011 nach kurzer Zeit eingestellt, weil sie keine Anlegerschädigung erkennen konnte. Doch jetzt, da die Anleger seit rund 18 Monaten weder ihre Einlagen noch ihre Rendite erhalten, wird die Strafverfolgungsbehörde wieder aktiv. Sie führt unter dem Aktenzeichen 59 Js 30346/10 „umfangreiche Durchsuchungsmaßnahmen“ durch, wie es heißt. Deren Auswertung wird sich allerdings mehr als zwei Jahre lang hinziehen.

    15. August 2013
    Der Deutsche Rat für Public Relations (DRPR) rügt Dolce Media wegen der Schleichwerbung für Teldafax in der ZDF-Sendung „Wetten, dass..?“.

    30. September 2013
    Auch der Fall Flexstrom beschäftigt die Justiz. Die Staatsanwaltschaft Berlin bestätigt, dass sie gegen Verantwortliche des Billiganbieters ermittelt. Der Vorwurf lautet Insolvenzverschleppung und Betrug. Betroffen sind die Gründer Robert und Thomas Mundt.

    4. November 2013
    In der Aufarbeitung der Teldafax-Affäre erzielt die Staatsanwaltschaft Bonn einen ersten Erfolg. Die Marketing-Chefin von Telafax, Claudia Nowak, akzeptiert einen Strafbefehl. Sie ist damit wegen der Beihilfe zur Insolvenzverschleppung zu sechs Monaten auf Bewährung verurteilt.

    18. Februar 2014
    Der Prozess gegen die Verantwortlichen von Teldafax beginnt. Klaus Bath, Michael Josten und Gernot Koch müssen sich vor dem Landgericht Bonn verantworten. Die Anklage lautet auf Insolvenzverschleppung, gewerbsmäßigen Betrug und Bankrott.

    7. März 2014
    Der Teldafax-Prozess wird am zweiten Verhandlungstag ausgesetzt. Die Verteidiger von Klaus Bath und Michael Josten hatten Beschwerde eingelegt. Die verhandelnde Strafkammer 7a sei gar nicht zuständig, weil ihre Einrichtung als Hilfsstrafkammer im Sommer 2013 unzulässig gewesen sei. Das Gericht folgte dieser Ansicht. Einen neuen Zeitplan gibt es nicht

    13. März 2014
    Insolvenzverwalter Bähr verklagt die ehemaligen Teldafax-Vorstände Klaus Bath und Gernot Koch auf 1,5 Millionen Euro Schadenersatz. Seine Begründung: die beiden ließen die Summe noch am 9. November 2010 an eine Tochtergesellschaft überweisen. Zu diesem Zeitpunkt sei die Mutter aber schon seit mehr als einem Jahr überschuldet gewesen. Es wird bekannt, dass gegen Gernot Koch zusätzlich hunderte von Klagen von geschädigten Teldafax-Kunden vorliegen.

    23. Oktober 2014
    Das Landgericht Köln entscheidet, Bayer Leverkusen müsse dem Insolvenzverwalter von Teldafax die 16 Millionen Euro zurückzahlen, die der Verein seit Oktober 2009 von Teldafax erhielt. Leverkusen legt Berufung ein.

    Dezember 2014
    Der Fiskus zahlt nach unbestätigten Meldungen nochmals fast 100 Millionen Euro an den Insolvenzverwalter. Das Hauptzollamt Köln hatte noch bis 2011 Gelder von Teldafax kassiert, obwohl es genau wusste, dass der Billigstromanbieter seit Mitte 2009 insolvenzreif war.

    Dezember 2014
    Insolvenzverwalter Biner Bähr verklagte hunderte von Netzbetreibern und Übertragungsnetzbetreibern. Auch sie hätten gewusst, dass Teldafax insolvenzreif war, aber trotzdem weiter Geld kassiert. In Summe fordert Bähr mehr als 200 Millionen Euro zurück.

    26. Januar 2015
    Der Teldafax-Prozess beginnt zum zweiten Mal. Nach der Aussetzung des Verfahrens im März 2014 müssen sich die Verantwortlichen Klaus Bath, Michael Josten und Gernot Koch erneut vor dem Landgericht Bonn verantworten, dieses Mal vor einer anderen Kammer. Die Anklage lautet auf Insolvenzverschleppung, gewerbsmäßigen Betrug und Bankrott.

    2. Februar 2015
    Gernot Koch, der letzte Vorstandsvorsitzende von Teldafax, leistet Abbitte. „Es tut mir leid, dass Kunden zu Schaden gekommen sind“, sagt er am Ende seiner fast einstündigen Rede als Angeklagter vor dem Landgericht Bonn. „Ich übernehme dafür die Verantwortung.“ Kochs Einlassung ist offenbar Teil eines Deals mit der Staatsanwaltschaft. Seine Aussage könnte ihm eine Bewährungsstrafe einbringen. Der Gang ins Gefängnis bliebe ihm erspart.

    13. April 2015
    Alireza Assadi, der ehemalige Finanzvorstand von Teldafax, sagt als Kronzeuge im Prozess gegen seine ehemaligen Vorstandskollegen aus. Er nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. „Spätestens Anfang Oktober 2009 war im Vorstand und im Aufsichtsrat klar, dass Teldafax Insolvenz anmelden musste“, sagte Assadi im Zeugenstand. „Aber das wurde nicht gemacht. Als ich darauf drängte, die nötigen Schritte einzuleiten, teilte mir der Aufsichtsrat mit, man wolle sich von mir trennen. Einen Tag später war ich schon raus.“ In seiner Aussage beschreibt er Teldafax als Selbstbedienungsladen für das Management. So habe beispielsweise die Frau des Aufsichtsratschefs Josten mit der Firmenkreditkarte eine Cartier-Uhr gekauft. Vorstandschef Klaus Bath habe Assadi nach einer Notsitzung mit Insolvenzberatern gesagt: „Das ist mir alles egal. Ich gehe hier erst, wenn mich die Polizei abholt.“

    24. April 2015
    Die Partnerschaft mit Teldafax hat für Bayer 04 Leverkusen ein teures Nachspiel. Der Fußball-Bundesligist muss dem Insolvenzverwalter seines ehemaligen Sponsors 10,9 Millionen Euro zurückzahlen – plus zwei Millionen Euro Zinsen. Darauf einigte sich Bayer 04 nach einem zweijährigen Rechtsstreit mit dem Insolvenzverwalter von Teldafax. Dieser hatte Bayer 04 Leverkusen im April 2013 verklagt, weil das damalige Management des Fußballvereins schon frühzeitig von der Schieflage des Partners wusste – und trotzdem weiter Millionen kassierte. Dadurch seien andere Gläubiger geschädigt worden, zum Beispiel zehntausende von Kunden, denen Teldafax ihre Guthaben und Boni nicht auszahlte.

    31. August 2015
    Das Landgericht Frankfurt am Main verurteilt den Netzbetreiber Syna zur Zahlung von 5,7 Millionen Euro an den Teldafax-Insolvenzverwalter, Biner Bähr von der Kanzlei White & Case. Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass die Führung von Syna um den insolvenzreifen Zustand von Teldafax wusste aber trotzdem weiterhin Millionen kassierte. Dies widerspreche dem deutschen Insolvenzrecht und habe andere Gläubiger geschädigt. In seiner Entscheidung stützt sich das Gericht auf einen Artikel des Handelsblattes vom 20. Oktober 2010. Unter der Überschrift „Erhebliche kriminelle Energie“ schilderte das Handelsblatt, wie es bei Teldafax hinter den Kulissen aussah. „Allein dieser Artikel gab ausreichenden Anlass von einer drohenden Zahlungsunfähigkeit auszugehen“, steht im Urteil des Landgerichts Frankfurt. Nun muss Syna 5,7 Millionen Euro zahlen – plus 1,2 Millionen Euro Zinsen.

    2. September 2015
    Auch das Oberlandesgericht Naumburg in Sachsen-Anhalt gibt dem Insolvenzverwalter von Teldafax Recht. Diesmal muss die Mitteldeutsche Netzgesellschaft zahlen, weil sie noch Gelder von Teldafax annahm, obwohl bereits klar war, wie schlecht es um den Billiganbieter stand. Wieder spielt die Berichterstattung des Handelsblattes eine wichtige Rolle. Die Mitteldeutsche Netzgesellschaft muss 4,2 Millionen Euro an den Insolvenzverwalter zahlen – plus 800.000 Euro Zinsen. Das Geld kommt den Gläubigern von Teldafax zugute.

    22. September 2015
    Vor dem Landgericht Berlin kommt es zum Prozessauftakt zwischen dem Insolvenzverwalter von Teldafax und dem Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz. Von ihm verlangt der Insolvenzverwalter 36 Millionen Euro – plus 7,2 Millionen Euro Zinsen.

    5. Oktober 2015
    Das Landgericht Berlin verurteilt 50Hertz zur Zahlung der vollen 36 Millionen Euro an den Insolvenzverwalter – plus 7,2 Millionen Euro Zinsen.

    7. Oktober 2015
    Das Landgericht Hagen verurteilt den Netzbetreiber Enervie in Lüdenscheid zur Zahlung von rund 640.000 Euro an den Insolvenzverwalter von Teldafax – plus 128.000 Euro Zinsen.

    8. Oktober 2015
    Das Landgericht Bochum verurteilt die Stadtwerke Bochum zur Zahlung von rund 450.000 Euro an den Insolvenzverwalter von Teldafax – plus 90.000 Euro Zinsen.

    5. November 2015
    Auf dem Deutschen Insolvenzverwalter-Kongress 2015 in Berlin gibt Biner Bähr bekannt, dass er bereits 214,4 Millionen Euro für die Gläubiger von Teldafax eingesammelt hat. Plus rund 40 Millionen Euro Zinsen. Der Insolvenzverwalter holte sich das Geld vom deutschen Fiskus, von Netzbetreibern, von Bayer Leverkusen und vielen anderen. Bähr kündigt an, weitere 100 Millionen Euro einzusammeln.

    © Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%