WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Thailand Wo Trump noch übertrump(f)t wird

In Südostasien werden Journalisten von Regierungschefs mit Bananen beworfen und als Hurensöhne beschimpft. Die Politiker können sich dabei auf den US-Präsidenten als vermeintlichen Anführer der freien Welt berufen.

Thailand: Wo Trump noch übertrump(f)t wird Quelle: REUTERS/Jorge Silva

BangkokDer thailändische Machthaber Prayuth Chan-ocha ließ vergangene Woche bei einer Pressekonferenz eine Pappfigur aufstellen. Nach einem kurzen Statement verwies er auf das lebensgroße Abbild seiner selbst: „Sollte es Fragen über Politik und Konflikte geben, fragt einfach diesen Typen hier“, sagte er. Dann verschwand er wortlos.

Man könnte die trumpmäßige Aktion als lustigen Gag abtun. Doch sie zeigt nur ein weiteres Mal, wie wenig Thailands Regierungschef für Meinungs- und Pressefreiheit übrig hat: Einem Kameramann tätschelte er minutenlang den Kopf –

was in Thailand als zutiefst respektlos gilt. Einen anderen Medienvertreter bewarf er mit einer Bananenschale. Beiläufig scherzte er auch einmal, er könnte kritische Journalisten einfach umbringen lassen.

Der philippinische Staatschef Rodrigo Duterte lässt den Humor gleich ganz weg. Als zwei Journalisten während ihrer Recherche getötet wurden, kommentierte er das so: „Nur weil du ein Journalist bist, heißt das noch lange nicht, dass du vor einer Ermordung geschützt bist, falls du ein Hurensohn bist”, schimpfte er. „Meinungsfreiheit hilft euch nicht, wenn ihr etwas falsch gemacht habt.“

Pressefreiheit war noch nie hoch geschätzt von der politischen Elite der Region. Neu ist allerdings, dass sich die Mächtigen bei der Einschüchterung unabhängiger Medien auf den Anführer der freien Welt, Donald Trump, berufen können. Einträchtig klopfen sich der amerikanische Präsident Donald Trump und die südostasiatischen Machthaber gegenseitig auf die Schulter.

In ihrem Kampf gegen vermeintliche „Fake News“-Medien haben die teils bizarren autoritären Führer und der amerikanische Präsident einen gemeinsamen Feind gefunden. „Ich möchte dem US-Präsidenten ausrichten, dass sein Angriff auf CNN berechtigt ist”, sagte jüngst der kambodschanische Machthaber Hun Sen. Journalisten seien eine „anarchistische Gruppe”. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz von Trump und Duterte lästerten die beiden Staatschefs über die „Spione“ der Medien.

Eine kritische Berichterstattung wäre in der Region gerade jetzt wichtig: Gegen den malaysischen Regierungschef Najib Razak wird international ermittelt, weil er sich hunderte Millionen Euro aus einem Staatsfonds abgezweigt haben soll. Thailands Generäle festigen ihre Macht und Kambodschas Präsident Hun Sen hat die Opposition de facto aufgelöst. In allen drei Staaten wird dieses Jahr voraussichtlich gewählt werden. Doch jeder kritische Bericht wird als „Fake News“ abgetan – und im schlimmsten Fall Journalisten sogar verfolgt oder Verlage dicht gemacht.

Als ich vergangenes Jahr auf einer Konferenz des Weltwirtschaftsforums in Phnom Penh war, stauchte Kambodschas Präsident Hun Sen rund zehn Minuten eine junge Reporterin der Tageszeitung „Cambodia Daily” zusammen, bei was für einem Drecksblatt sie doch arbeite. Ein paar Monate nach dem Zwischenfall präsentierte die Regierung dem Verlag eine gepfefferte Steuernachforderung in Millionenhöhe. Die Zeitung existiert derzeit praktisch nicht mehr.

Hun Sen hat zumindest eine klare Vorstellung darüber, wie die Berichterstattung über ihn aussehen sollte. Der Präsident befahl schon einmal allen Medien, ihn künftig in jedem Artikel mit dem Titel „Lord Prime Minister and Supreme Military Commander“ einzuführen. Sollte die doch etwas sperrige Formulierung ausgelassen werden, drohte er den Medien mit Strafen.  Die „Cambodia Daily“ hatte sich übrigens nicht an die Forderung gehalten. 

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%