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Tim Friebertshäuser „Ergo bleibt für Munich Re das wichtigste Thema“

Der DWS-Fondsmanager über das erste Jahr von Joachim Wenning an der Spitze der Munich Re und das Pflichtenheft des Vorstandschefs.

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Der Fondsmanager der Investmentgesellschaft DWS beobachtet seit vielen Jahren die Entwicklungen in der Versicherungsbranche.

Sein Wort hat Gewicht. Als Fondsmanager der Investmentgesellschaft DWS beobachtet Tim Friebertshäuser seit vielen Jahren die Entwicklungen in der Versicherungsbranche. Die Fonds der DWS zählen zu den wichtigsten Investoren des Münchener Rückversicherers Munich Re. Friebertshäuser verwaltet den DWS Financials Typ O, der stark auf Banken, Vermögensverwalter und Versicherer setzt.

Herr Friebertshäuser, wie würden Sie das erste Jahr von Joachim Wenning an der Spitze der Munich Re bewerten?
Ich finde, es ist noch zu früh, um da eine Einschätzung abzugeben. Ich habe ihn im November letzten Jahres einmal getroffen, aber für eine Beurteilung seiner Leistung halte ich den Zeitpunkt noch nicht für angemessen. Wenning hat jetzt erstmals ein Mittelfristziel für 2020 herausgegeben – und daran werden wir ihn vor allem messen!

Auf einige Beobachter wirkt Wenning etwas hemdsärmeliger als sein Vorgänger. Ein Analyst sagte jüngst, der Konzern sei unter ihm aggressiver geworden. Ist das auch Ihr Eindruck?
Das Wort aggressiv würde ich nicht verwenden. Aber es stimmt, dass Wenning nun einige Themen entschlossener anpackt – und das ist auch überfällig. Der Zyklus im Rückversicherungsgeschäft ist nicht mehr so gut wie in den vergangenen Jahren und der Wettbewerb wird schärfer. So ist die Verwaltungskostenquote der Munich Re in der Sach- und Unfallversicherung in der Sparte Rückversicherung bisher deutlich höher als beim Rivalen Hannover Rück, die deshalb in den letzten Jahren massiv Marktanteile gewonnen haben. Wenning geht dieses Thema jetzt mit einem Kostensparprogramm an. Das könnte ein erstes Anzeichen dafür sein, dass bei dem Konzern nun operativ etwas mehr Druck reinkommt.

Was muss Wenning in diesem Jahr am dringendsten anpacken?
Ich denke, das wichtigste Thema bleibt der Erstversicherer Ergo. Ich verstehe, ehrlich gesagt, nicht ganz, warum die Munich Re an dieser Tochter festhält. Ich kenne eine ganze Reihe von Käufern, die wahrscheinlich der bessere Eigentümer wären und höhere Synergien hätten. Aus meiner Sicht wäre es nach wie vor sinnvoller, wenn die Munich Re die Ergo in eine größere Einheit einbringen würde. Wenning muss dieses Jahr beweisen, dass Ergo tatsächlich auf Kurs ist. Es ist wichtig, dass die Investoren einen klaren Verbesserungspfad erkennen können – auch in der Schaden-Unfall-Versicherung der Rückversicherung. Es geht nicht um unvernünftiges Wachstum, sondern um den Beweis, dass der Konzern zu gut gepreisten Tarifen wieder wachsen sein. Munich Re darf nicht permanent zuschauen, wie eine Hannover Rück ihnen die Marktanteile jedes Jahr abgräbt. Das ist auf Dauer nicht gut.

Steht das Kostenthema also im Fokus?
Ja, ich glaube, das ist inzwischen auch in München angekommen. Wenning hat bereits durchblicken lassen, dass der Konzern zu viele Services anbietet, die der Dax-30-Konzern nicht entlohnt bekommt – und dass der CEO gerade im Kerngeschäft dabei genauer hinschauen will. Das ist durchaus richtig. Künftig sollte es heißen: Die Kunden zahlen dafür oder die Munich Re baut manche Services stärker ab. Allerdings muss ich betonen, dass die Munich Re ein gut geführtes Unternehmen ist. Wenning muss nur strategisch aufpassen. Aber ich glaube, er ist da schon auf dem richtigen Weg.

Apropos Strategie: Bringt der Flirt von Softbank und Swiss Re die Munich Re unter Druck?
Das sehe ich nicht. Ich habe mich mit Softbank nicht im Detail auseinandergesetzt. Aber ich verstehe das eher als Finanzbeteiligung. Ich glaube nicht, dass eine Beteiligung der Swiss Re größere strategische Vorteile bringt.

Die Munich-Re-Aktie hat sich 2017 nur seitwärts entwickelt. Hatten Sie mehr erwartet?
Nun, man darf die Dividende nicht vergessen. Was die Munich Re wirklich super macht, ist, dass sie ein sehr verlässlicher Dividendenzahler ist. Man tut ihr etwas unrecht, wenn man nur auf die Kurs-Performance schaut. Für einen risikoscheuen Anleger ist das noch immer ein gutes Investment. Die Kurs-Performance über drei Jahre ist zwar flach, aber der Total Return der Aktie ist 15 Prozent – und das liegt an der Dividende. Der Aktionär bekommt schon über Dividenden und Aktienrückkäufe schon eine anständige Rendite.

Operativ hat die Munich Re allerdings zu kämpfen. Die Margen im Kerngeschäft Rückversicherung stehen seit Jahren unter Druck, neue Geschäftsfelder sollen nun Impulse bringen. Glauben Sie, dass wir bald mehr Wachstum sehen?
Ehrlich gesagt: Nein. Vor einigen Jahren sollte Munich Health das große Wachstumsversprechen sein – das hat nicht funktioniert. Im Erstversicherungsgeschäft mit Ergo steht die Munich Re ebenfalls eher schwach da. Nein, größeres Wachstum sehe bei der Munich Re nicht. Bei den Preisrunden zur Erneuerung im laufenden Jahr hat der Konzern allerdings viel mehr Geschäft gezeichnet. Vielleicht ist das der Wink dafür, dass Wenning auf diesem Gebiet den Hebel umlegen will. Es kommt nur darauf an, dass der Konzern dabei auch gutes Geschäft zeichnet. Das merkt man bei einem Rückversicherer jedoch erst nach vier,fünf Jahren, welche Qualität das neu gezeichnete Geschäft hat. Darum tue ich mich so schwer damit, jemand in der Rückversicherung schon einem Jahr einzuschätzen. Aber ich glaube schon, dass das Thema Wachstum bei Wenning einen höheren Stellenwert hat als in der Vergangenheit.

Herr Friebertshäuser, vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Carsten Herz. 

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