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Total Return Fonds Großer Aufwand für kleinen Ertrag

Anlagen jenseits der klassischen Aktien und Anleihemärkte sind gefragt. Entsprechende Fonds sind komplex - und bieten nur kleines Renditeplus.

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Die Strategien, mit denen die Total oder auch Absolute Return genannten Fonds ihre Ziele erreichen wollen, sind komplex, schwer nachzuvollziehen und höchst unterschiedlich. Quelle: Hartmut Schwarzbach / argus

Frankfurt Wohin mit dem Geld? Diese Frage treibt Investoren zwar immer um, angesichts der hohen Kurse an den Aktien- und Anleihemärkten ist sie jedoch noch schwerer zu beantworten als normalerweise: „Die Aussicht auf eine breite Erholung der Weltwirtschaft ist nicht stark genug, um die aktuellen Bewertungen zu rechtfertigen“, meint etwa Mohamed El-Erian, ökonomischer Chefberater der Allianz.

Das gilt für Aktien genauso wie für Anleihen. Bei Bonds sind die Kurse so stark gestiegen, dass die Renditen für Anleger, die sie jetzt kaufen und bis zur Fälligkeit halten, zum Teil negativ sind. In diesem Umfeld greifen Investoren zunehmend zu Total Return Fonds, die in unterschiedliche Wertpapiere anlegen. Sie orientieren sich nicht an Benchmarks wie Aktien- oder Anleiheindizes. Stattdessen setzen sie sich das absolute Ziel, stets einen positiven Ertrag (Return) zu erreichen - ganz gleich ob die Kurse an den Märkten steigen oder fallen. Dabei versuchen die Fonds Verluste zu vermeiden und streben eher niedrige Kursschwankungen an.

Das klingt im ersten Moment verlockend, aber die Erträge sind nicht sonderlich hoch. Nach Berechnungen des Ratinghauses Scope Analysis brachten die für Privatanleger ausgegebenen Anteile von Total Return Fonds in den vergangenen fünf Jahren im Schnitt einen Ertrag von 1,6 Prozent pro Jahr. Durchschnittsberechnungen für die Tranchen für institutionelle Investoren gibt es nicht, weil die Gebühren für Profianleger stark variieren. Klar ist aber, dass die Fondskosten für institutionelle Investoren geringer sind als die für Privatanleger, was den Ertrag entsprechend erhöht.

Für Andreas Köchling, Fondsanalyst bei Scope, sind Total Return Fonds für Anleger geeignet, „die nicht allzu risikoaffin sind, aber auch keine sonderlich hohen Renditen erwarten“. Dabei seien Total-Return-Ansätze im aktuellen Umfeld für viele institutionelle Investoren „existenziell“. Die wachsende Bedeutung der Fonds zeigt sich auch am Absatz. Das allein in Publikumsfonds angelegte Vermögen in Total Return Fonds hat sich in den vergangenen fünf Jahren auf knapp 42 Milliarden Euro fast verdoppelt.

Die Strategien, mit denen die Total oder auch Absolute Return genannten Fonds ihre Ziele erreichen wollen, sind allerdings komplex, schwer nachzuvollziehen und höchst unterschiedlich. Viele Fonds fahren einen Mix aus Anleihen und Aktien, wobei der Aktienanteil schwankt. Daneben gibt es Total Return Fonds, die komplett auf Aktien oder Anleihen setzen. Dazu nutzen viele Fonds Derivate, mit denen sich auf fallende Kurse setzen lässt.


Risiko selbst für niedrige Renditen

Das gilt auch für Jon Jonsson. Er managt für Neuberger Berman unter anderem den „Global Bond Absolute Return“ Fonds, der nur am Anleihemarkt unterwegs ist. Der Anlageprofi ist für Anleihen insgesamt eher skeptisch eingestellt und rechnet mit schrittweise fallenden Kursen bei Staats- und Unternehmensanleihen der Industrienationen.

Dabei ist sein Fonds „so positioniert, dass er von einer Verkaufswelle bei Anleihen profitiert“. Dafür setzt Jonsson Derivate wie zum Beispiel Terminkontrakte auf deutsche und amerikanische Staatsanleihen ein. Als Verkäufer dieser Kontrakte profitiert er von fallenden Anleihekursen. In den vergangenen zwölf Monaten hat der Fonds in der Euro-Tranche für Privatanleger 2,7 Prozent zugelegt.

Bei Unternehmensanleihen nutzt Jonsson ebenfalls zum Teil Derivate, investiert aber auch direkt in Firmenbonds. Allerdings ist er im „Gewinnmitnahme-Modus“ und hat den Anteil an Unternehmensanleihen auf 20 Prozent und damit den niedrigsten Stand seit fast vier Jahren reduziert. Vor gut anderthalb Jahren lag der Anteil an Unternehmensanleihen noch bei 60 Prozent. Dazu investiert der Fonds unter anderem in inflationsindexierte US-Staatsanleihen, in Schwellenländeranleihen und in verbriefte strukturierte Anleihen.

Vergleichsweise einfach ist dagegen die Strategie von Henning Möller, der mit seinem Team die gezielt für Privatanleger aufgelegten Fonds der Reihe „Deka-Basis-Anlage“ managt. Diese investieren in ihren verschiedenen Varianten maximal 20, 40, 60 oder sogar 100 Prozent in Aktien. Beim Fonds „Deka-Basis-Anlage A60“ liegt der Aktienanteil aktuell bei einem Drittel. 57 Prozent sind in Bundesanleihen und am Geldmarkt investiert, zehn Prozent in Unternehmensanleihen und in Anleihen aus Schwellenländern.

Bei den Bundesanleihen haben Möller und seine Kollegen Ende vergangenen Jahres strategisch von länger in kürzer laufende Papiere umgeschichtet. Die Kurse kurzlaufender Bonds fallen bei steigenden Renditen weniger deutlich als die von Langläufern. „In unseren Portfolios eignen sich Bundesanleihen zur Diversifizierung und Absicherung, wenn es zu einer Korrektur an den Aktienmärkten kommt“, erklärt Möller.

Peter Rieth, Anlageberater des Fonds „BHF Total Return FT“, hält sich dagegen von Bundesanleihen komplett fern. Er investiert zwar rund 70 Prozent des Fondsvermögens in Anleihen, aber nur in Zinspapiere, die noch positive Renditen bringen. Dazu gehören italienische und spanische Staatsanleihen und vor allem Unternehmensanleihen. Auch Rieth hat die durchschnittliche Laufzeit der Anleihen, auch Duration genannt, in seinem Portfolio reduziert, zum Teil über den Einsatz von Terminkontrakten.


„Kleingeld mit Anleihen“

Mitunter greift Rieth bei neuen, länger laufenden Unternehmensanleihen gezielt zu, wenn absehbar ist, dass die Nachfrage nach den Papieren groß ist und die Kurse deshalb kurz nach der Platzierung steigen werden. Der Fonds verkauft diese Anleihen dann rasch wieder, um die Kursgewinne mitzunehmen. Auf Sicht von einem Jahr hat „BHF Total Return FT“ 1,9 Prozent Ertrag erwirtschaftet, im Fünfjahresschnitt sind es jährlich 3,5 Prozent.

„Der Anleiheanteil machte dabei zuletzt nur 0,7 Prozent des Gesamtertrags aus, der Rest entfiel auf Aktien“, erklärt Rieth. Der Aktienanteil von aktuell 20 Prozent ist somit für den Großteil des Ertrags verantwortlich. „Mit Anleihen erwirtschaften wir eher Kleingeld, aber im aktuellen Umfeld muss man jeden Zehntelprozentpunkt Rendite mitnehmen“, sagt Rieth.

Bei Aktien sucht der „BHF Total Return FT“ gezielt nach Unternehmen, die jedes Jahr ihren Umsatz und die Gewinne steigern und von der Konjunktur relativ unabhängig sind. Dabei setzt der Fonds aktuell vor allem auf Unternehmen aus den Branchen IT, Pharma und Konsum. Insgesamt befinden sich 25 Aktien im Portfolio. Die „Deka-Basis-Anlage“-Fonds kaufen dagegen weder Aktien, noch Unternehmens- oder Schwellenländer-Anleihen direkt, sondern investieren in andere Fonds mit entsprechender Aufstellung.

Vor einem Crash an den Märkten schützen indes auch Total Return Fonds kaum. „Wenn die Märkte zwischendurch einbrechen, machen auch die meisten Total Return Fonds Verluste“, warnt Köchling von Scope Analysis: „Einen Anlagehorizont von drei Jahren sollten Investoren mindestens haben, damit zwischenzeitliche Verluste wieder ausgeglichen werden.“ Das zeigt: Selbst für eine niedrige Rendite müssen Anleger derzeit Risiken eingehen.

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