Trotz Wahlniederlage Martin Schulz will SPD in die Opposition führen

Die SPD erlebt unter Martin Schulz ein historisches Debakel – und einen Absturz auf 20 Prozent. Doch der Kanzlerkandidat will Parteichef bleiben und die Sozialdemokraten als Oppositionspartei neu aufstellen.

Der Slogan „Zeit für mehr Gerechtigkeit“ kam bein den Wählern nicht an. Quelle: Reuters

DüsseldorfTrotz zwischenzeitlicher Euphorie konnte auch ein Kanzlerkandidat Martin Schulz den Absturz nicht verhindern. Mit nur gut 20 Prozent der Wählerstimmen erlebt die SPD eine historische Niederlage – und das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte. Damit ist Schulz der vierte SPD-Mann, der seit 2005 gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) das Nachsehen hatte.

Dennoch will Schulz die Sozialdemokraten als Parteivorsitzender in die Opposition führen. Das sagte er am Sonntag in der Berliner Parteizentrale. Zudem schloss Schulz eine erneute Große Koalition aus: „Es ist völlig klar, dass der Wählerauftrag an uns der der Opposition ist.“ Den Posten des Fraktionsvorsitzenden will Schulz nicht übernehmen. Auch Noch-Fraktionschef Thomas Oppermann und die die stellvertretende Parteivorsitzende Manuela Schwesig sprachen sich dafür aus, dass Schulz Parteichef bleibt.

Der Gang in die Opposition wird auch von Parteimitgliedern gefordert. So hat das geschäftsführende Präsidiumsmitglied des SPD-Wirtschaftsforums, Harald Christ, die SPD zu einem Neuanfang aufgerufen. „Der Wähler hat gesprochen und die SPD mit ihrem linken Gerechtigkeitswahlkampf hart abgestraft.“, sagte Christ dem Handelsblatt. Es gelte, Verantwortung zu übernehmen und aus den Fehlern zu lernen. „Es ist nun dringend notwendig, den Kurs zur modernen Fortschrittspartei zu gestalten. Eine linke Volkspartei braucht auch ein Angebot an die Mitte“, sagte Christ. „Dafür braucht es überzeugende Köpfe. Es ist Zeit: Für Neues!“, sagte der Vorstand in einem großen Versicherungskonzern, in Anlehnung an den Wahlkampfslogan von SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz „Es ist Zeit für mehr Gerechtigkeit.“ 

Die Lage der ältesten deutschen Partei ist schwierig – im Bund und in den Ländern. Der fulminante Start der Kandidatur des 100-Prozent-Vorsitzenden Schulz im März hatte die Sozialdemokraten in Siegesstimmung versetzt. Drei verlorene Landtagswahlen im Saarland, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein brachten jedoch Ernüchterung.

Bei der Bundestagswahl 2013 erholten sich die Sozialdemokraten mit 25,7 Prozent nur leicht von ihrem Allzeittief (23 Prozent) im Jahr 2009. Weil Merkels bisheriger Partner FDP spektakulär scheiterte und erstmals aus dem Bundestag ausschied, kam es wie schon 2005 zu einer großen Koalition unter Merkel.

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