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Trump auf dem WEF Davos im Bann von „America First“

Trump will der Wirtschaftselite in Davos seinen Gegenentwurf zur Globalisierung präsentieren. Doch obwohl die meisten Manager und Politiker Protektionismus ablehnen: Davos kann sich dem Trump-Hype nicht entziehen.

Donald Trump auf dem WEF: Davos im Bann von „America First“ Quelle: dpa

DavosDie Teilnehmer des World Economic Forums (WEF) leiden sicher nicht an mangelndem Selbstbewusstsein. Top-Manager und Spitzenpolitiker sind es gewohnt, mit einer Entourage durch das Davoser Kongresszentrum zu hetzen – immer bemüht, wichtig zu erscheinen. Donald Trump ist in Davos jedoch wie eine Lawine niedergegangen und hat die „Mover and Shaker“ der Welt von Hauptdarstellern zu Komparsen degradiert. Seit Trumps Ankunft scheint es auf dem WEF nur noch ein Thema zu geben: Trump.

Das hatte sich bereits in den vergangenen Tagen angekündigt. Alle wichtigen politischen Reden – ob von Modi, Merkel, Macron oder May – wurden immer durch die Trump-Brille gelesen. Wer setzt sich am deutlichsten vom „Darth Vader“ der Weltpolitik ab, ohne alle Brücken zum Weißen Haus abzubrechen.

Trumps Besuch in Davos ist eigentlich ein Unding. Der Anti-Globalist reist zum Gipfel der Globalisten. „Es ist, als ob der Teufel in den Himmel kommt“, kommentiert ein Davos-Veteran den Auftritt des Amerikaners. Wenn Trump „fairen Handel“ fordert und „America First“ meint, ruft die Davos-Gemeinde „Freihandel“. Wenn der Amerikaner die Welt als eine Arena beschreibt, sprechen Modi und Merkel von „Familie“ und „Multilateralismus“. Auch Frauenrechte und „#me too“ waren in Davos ein großes Thema. Und dennoch zücken viele „Davos women“ ihre Smartphones, um ein Foto des Mannes zu erhaschen, der im Umgang mit Frauen nicht ganz unbelastet ist. Gegen die Versuchungen der Macht sind auch die Mächtigen nicht immun.

Was will Trump mit seinem heutigen Auftritt erreichen? Das fragen sich die viele, seit der US-Präsident die Einladung von WEF-Gründer Klaus Schwab überraschend angenommen hat. Zunächst könnte er etlichen Davos-Veteranen vorhalten, dass ihre Kassandra-Rufe nach seiner Wahl zum US-Präsidenten bislang nicht Wirklichkeit geworden sind. Die Finanzmärkte boomen, die Weltkonjunktur brummt, viele Unternehmen melden Rekordgewinne. Aus der befürchteten „Trump-Krise“ ist ein „Trump-Boom“ geworden. Gerade auch in den USA, wo das Wirtschaftswachstum sich wieder der Drei-Prozent-Marke nähert und die Arbeitslosenquote bei nur noch vier Prozent liegt.

Wie lange die guten Zeiten anhalten und ob der wirtschaftliche Aufschwung wegen oder trotz Trump zustande gekommen ist, mit solchen Details wird sich der Egomane aus dem Weißen Haus nicht aufhalten. Zumal Trump auf seine Steuerreform verweisen kann, die den ohnehin schon gut verdienenden US-Unternehmen einen warmen Geldregen beschert, den sie in kleinen Portionen an ihre Mitarbeiter weitergeben.

Den größten Berg, den Trump in Davos bezwingen muss, ist sein Image als Protektionist, der sich mit Mauern abschotten will. Gut möglich, dass der Amerikaner den Showdown mit den Globalisten in Davos vermeidet und seine „America First“-Politik als eine Spielart der Globalisierung verkauft. „In Wahrheit ist Trump ein Globalist“, sagt sein Berater Anthony Scaramucci. Das habe der Rest der Welt nur noch nicht verstanden.

Vielleicht gelingt es Trump im Zeitalter von alternativen Fakten, „fake news“ und „post-truth“-Wahrheiten, auch den Begriff der Globalisierung umzudeuten.

Für alle, die diese Wortakrobatik nicht mitmachen wollen und Trump mit Skepsis begegnen, hatte seine Transportministerin Elaine Chao schon im Vorwege einen Rat parat: „Die können ja gehen.“

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