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Trump in Davos Ein Sales Pitch für Amerika

US-Präsident Trump zeigt sich in Davos von seiner friedlichen Seite. Gerade in Handelsfragen sollte man die neue US-Regierung allerdings mehr an ihren Taten als an der immer wieder wechselnden Rhetorik messen. Ein Kommentar.

Beim Weltwirtschaftsforum in Davos prahlte US-Präsident Donald Trump mit dem soliden Aufschwung in den USA. Quelle: dpa

DavosUm es vorweg zu nehmen: Es war eine gute Rede, die Donald Trump vor dem World Economic Forum (WEF) in Davos gehalten hat. Das als Poltergeist verrufene Schreckgespenst der Weltpolitik redete ruhig, selbstbewusst und blieb „on message“ wie die Amerikaner sagen, wenn sich jemand an das zuvor verabredete Drehbuch hält. Das hat Trump getan.

Seine Botschaft war klar erkennbar: „Buy America“. Es war ein „Sales Pitch“ vor einem kaufwilligen Publikum. Trump redete als Handlungsreisender in Sachen Amerika zu Geschäftsfreunden. Der gemeinsame Draht war schnell gefunden.

Zunächst prahlte der Amerikaner mit dem soliden Aufschwung in den USA, auch wenn er das Verdienst dafür eigentlich mit seinem Vorgänger Barack Obama teilen müsste. Ganz so rund wie Trump seinen rund 1.500 Zuhörern in der vollbesetzten Kongresshalle Glauben machen wollte, läuft die US-Konjunktur allerdings noch nicht: Im vierten Quartal 2017 blieb das Wirtschaftswachstum mit einem Plus von nur 2,6 Prozent hinter den Erwartungen der Finanzmärkte zurück.

Aber Trump konnte mit seiner Steuerreform ein weiteres Ass aus dem Ärmel ziehen, das die Augen der in Davos vertretenen Top-Manager zum Leuchten brachte. Die Milliardenentlastungen werden zumindest kurzfristig Amerika einen Schub versetzen. Auf lange Sicht muss sich aber erst noch zeigen, ob ihre Finanzierung auf Pump dem US-Präsidenten noch auf die Füße fallen wird.

Mit so viel Rückenwind hatte der Amerikaner leichtes Spiel, eine polierte Version seiner „America-First“-Politik unter die globale Elite zu bringen. Er sei für freien und fairen Handel und gegen Tricks und Manipulationen, sagte Trump und meinte damit vor allem China. Wer wollte da widersprechen? Gerade in Handelsfragen sollte man die neue US-Regierung allerdings mehr an ihren Taten als an der immer wieder wechselnden Rhetorik messen. Nahezu alle Ökonomen sind sich einig, dass Trump seinem Land mehr geschadet als genutzt hat, als er bereits zu Beginn seiner Amtszeit das Freihandelsabkommen Trans Pacific Partnership (TPP) aufkündigte. TPP war „America First“ ohne es beim Namen zu nennen.

Zwar betonte der US-Präsident in Davos, dass „America First“ nicht mit einem Alleingang der USA gleichzusetzen sei. Der Rest der Welt hat daran allerdings so seine Zweifel. Die verbliebenen TPP-Mitglieder haben gerade beschlossen, ohne die Amerikaner weiter zu machen. Trump hat sein Land also isoliert. In Davos hat er die Tür zur TPP jetzt wieder einen Spalt geöffnet.

Trump hat ja Recht, wenn er auf fairen Handel, insbesondere mit China, pocht. Die Frage ist nur, ob er mit der Drohung eines Handelskrieges Peking zum Einlenken bewegen kann. Und dass seine Regierung selbst auch gerne mal in die Trickkiste greift, zeigen die Äußerungen von US-Finanzminister Steve Mnuchin, der in Davos den Dollar schwach redete, um den US-Exporteuren das Leben zu erleichtern.

Die vielen deutschen Manager, die von Trump in Davos umgarnt und für publikumswirksame Fernsehbilder benutzt wurden, sollten sich von der Rhetorik des US-Präsidenten nicht blenden lassen. Wenn Trump in ein paar Monaten auch das Nafta-Freihandelsabkommen mit Mexiko und Kanada platzen lassen sollte, würde das auch deutsche Unternehmen hart treffen.

Unterm Strich hat sich für Trump der Abstecher nach Davos gelohnt. Zumal seine Rede nicht nur dazu diente, die internationale Wirtschaftselite zu beruhigen, sondern den US-Präsidenten auch zu Hause im Glanz seiner vermeintlichen Erfolge zeigen sollte. Selbst seine Basis kann zufrieden sein, erinnerte Trump doch pflichtgemäß an die Wutbürger in seiner Heimat, die sagen, sie seien von der Globalisierung vergessen worden.

Ob die Teilnehmer des WEF nach der Trump-Rede ruhiger schlafen können, muss man bezweifeln. Zum einen hat der Amerikaner viele heikle Fragen wie seine Klimapolitik gar nicht erwähnt, zum anderen weiß niemand, ob die polierten Worte von Davos nicht in ein paar Tagen von einer Schimpftirade auf Twitter wieder abgelöst werden. Wie schnell Trump seine Tonart ändern kann, wurde am Ende seines Auftritts sichtbar, als er über die „bösartigen“ Medien herzog.

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