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Trump und Clinton US-Wahlkämpfer schalten in Terror-Modus

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Scharfer Schlagabtausch


Wenn die Kandidaten gerade im Flugzeug oder im Bus unterwegs waren und das Feuer nicht schüren konnten, legten die Sprecher nach. Trumps Sprecher Jason Miller sprach von einem „Weckruf“ und dass Terroristen Hillary Clinton weder „fürchten noch respektieren“. Das sei brandgefährlich für Amerika. Clintons Sprecher Brian Fallon konterte, Trump habe während des Wahlkampfs praktisch nur „gefährliche und unverantwortliche“ Äußerungen getätigt, die dem IS und seiner „perversen Ideologie“ nur in die Hand gespielt hätten.

Die unerwartete Schärfe des Schlagabtauschs angesichts der zum Glück eher glimpflich abgelaufenen Vorfälle ist zwei Faktoren zuzuschreiben: Zeit und Umfragen. Es sind nur noch knapp sieben Wochen bis zum Wahltag und die Umfrageergebnisse zeigen mittlerweile immer deutlicher ein ganz knappes Kopf-an-Kopf-Rennen. Der sichere Vorsprung Clintons bei Umfragen aus früheren Zeiten ist dahin. Trump, dessen Kampagne bereits totgesagt war, hat nicht nur überlebt, sondern ist klarer Mitfavorit.

Die Marke Donald Trump

Eine jüngste Umfrage der Los Angeles Times mit der University of California zeigte zudem am Sonntag einen überraschend starken Zugewinn des Trump-Lagers bei afro-amerikanischen Wählern von 3,1 Prozent auf 19,6 Prozent. Die Unterstützung von Clinton ging gleichzeitig von 90,4 auf 71,4 Prozent. Begonnen habe der Umschwung in Hillary Clintons treuster Wählerbasis an dem Sonntag, als Clinton in New York einen Schwächeanfall erlitten hatte.

Angesichts der knappen Zeit bis zur Wahl kann also jeder Ausrutscher oder als Schwäche ausgelegte Entscheidung eines Kandidaten die Waage unwiederbringlich zu seinen Ungunsten ausschlagen lassen. Für Clinton bedeutet das: Keine Schwäche mehr zeigen, für Trump auf alte Tugenden zurückgreifen und polemisieren, so gut es geht.

In Fort Myers im republikanischen Bundesstaat Florida schürte er die Emotionen mit den Bemerkungen, dass der angeschossene Terrorverdächtige jetzt auch noch „von den besten Ärzten der Welt“ versorgt werde, Zimmerservice genieße und einen „ganz tollen Anwalt“ an die Seite gestellt bekomme. Am Ende, so Trump, werde sich der Prozess „über Jahre“ durch die Instanzen schleppen und er würde dann auch nicht mehr so bestraft, „wie es früher einmal möglich gewesen wäre“. Eine Erwähnung der Todesstrafe vermied er allerdings.

Dafür sprang ihm schon mal der republikanische Senator Lindsey Graham aus South Carolina zur Seite: Man solle den jungen Mann zum Kriegsgefangenen erklären. Dann könne man ihm Teile seiner Bürgerrechte wegnehmen und müsste ihm auch keinen Anwalt mehr stellen. Das ist Balsam für die Volksseele.

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