Tunnel am Meeresgrund Chinas heißer Unterwasser-Ritt

China will den längsten Unterseetunnel der Welt bauen, noch in dieser Woche könnte das Mega-Bauwerk beschlossen werden. Nach dem Willen der Planer soll das Großprojekt nur der Auftakt für ein globales Transportnetz sein.

China will den Tunnel zwischen England und Frankreich toppen – und sich den Unterwasser-Weltrekord sichern. Quelle: dpa

Am Donnerstag beginnt das gelenkte Parlament Chinas mit vielen roten Fahnen und Marschmusik seine diesjährige Sitzungszeit. Auf der Tagesordnung steht unter anderem die Entscheidung über ein Megaprojekt, das selbst im fortschrittsbegeisterten China die Gemüter erhitzt.

Wenn der Nationale Volkskongress grünes Licht gibt und das Vorhaben in seine offiziellen Wirtschaftspläne aufnimmt, entsteht im Nordosten des Landes eine Eisenbahnstrecke am Meeresgrund, die zweimal länger wird als die bisherigen beiden Rekordhalter für Unterwassertunnel zusammen. Eine positive Entscheidung der Wirtschaftsplaner gilt dabei als sicher – es könnte allenfalls Verzögerungen geben.

Das rekordsüchtige China könnte Europa und Japan somit ein weiteres Mal übertrumpfen. Bisher streiten sich zwei mit jeweils gut 50 Kilometern fast gleich lange Tunnel um den Unterwasser-Weltrekord: Der Eurotunnel zwischen England und Frankreich und der Seikan-Tunnel, der zwei der japanischen Hauptinseln miteinander verbindet. Demnächst geht es hier jedoch jedoch allenfalls um Platz zwei: Der chinesische Tunnel soll 125 Kilometer lang werden und lässt damit die Bauwerke der alten Industrieländer weit hinter sich.

Eisenbahntunnel unter dem Meer

Die große Zeit der chinesischen Megaprojekte scheint jetzt erst anzubrechen. Das Land gibt sich nicht mit den längsten Brücken und meisten Wolkenkratzern zufrieden. Die neuen Vorhaben müssen gleich um mehrere Größenordnungen gewaltiger sein als alles, was andere Länder bisher zustande gebracht haben.

Der neue Tunnel hat dabei verkehrspolitisch durchaus Sinn – es fragt sich nur, ob die hohen Kosten auch gerechtfertigt sind. Der „Bohai-Tunnel“ soll die Hafenstadt Dalian in der Provinz Liaoning mit Yantai im reichen Shandong verbinden.

Die Logik offenbart sich beim Blick auf die Landkarte: Östlich von Peking schneidet das Bo-Meer tief in den Kontinent.

Wer aus den reichen Küstenregionen in die großen Flächenprovinzen südlich von Russland und nördlich von Korea reisen will, muss entweder einen Tag lang um diese Bucht herumfahren oder die Fähre nehmen.

Das Projekt soll mindestens 30 Milliarden, realistischer jedoch 40 Milliarden Euro kosten. Aus Pekinger Sicht gilt das als vergleichsweise gut angelegtes Geld. Denn das Wachstum des Landes schwächelt – Versuche, die Konjunktur mit billigen Krediten anzukurbeln, verpuffen zusehends. Bauprojekte nützen dagegen ganz unmittelbar dem Arbeitsmarkt und der eigenen Industrie.

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