TV-Duell – ein Stimmungsbericht Ein Albtraum für Unentschlossene

TV-Duell mit bayrischen Fahnen: Am Schauplatz von „Oktoberfest – The Musical“ in Los Angeles zeigt die Uni der kalifornischen Metropole die Debatte zwischen Clinton und Trump. Ein Abend voller Streit und Enttäuschung.

"Donald, du lebst in deiner eigenen Realität"
Der Hitzkopf und die Atomwaffen„Das ist nicht das richtige Naturell, um Commander-in-Chief (Oberkommandierender) zu sein. Ein Mann, der von einem Tweet provoziert wird, sollte nicht in der Nähe der nuklearen Codes sein.“ Quelle: AP
Vorteil Temperament?„Ich habe eine viel bessere Urteilsfähigkeit als sie. Ich habe auch ein viel besseres Naturell als sie. Mein größter Vorteil ist mein Temperament. Ich habe ein gewinnendes Naturell. Ich weiß zu gewinnen.“ Quelle: REUTERS
Richtungswechsel oder Ablenkungsmanöver?„Ich werde meine Steuererklärung veröffentlichen. Meine Anwälte raten mir ab, aber ich werde sie freigeben.“ Quelle: REUTERS
Clinton glaubt nicht an Trumps Offenheit„Das ist nicht das richtige Naturell, um Commander-in-Chief (Oberkommandierender) zu sein. Ein Mann, der von einem Tweet provoziert wird, sollte nicht in der Nähe der nuklearen Codes sein.“ Quelle: AP
Eingeständnis„Ich habe einen Fehler gemacht, private Konten genutzt zu haben.“ (Clinton über ihre E-Mail-Affäre) Quelle: REUTERS
Wende des Zweiflers?„Stimmt nicht.“ (Trumps Reaktion auf den Vorwurf Clintons, den Klimawandel abgestritten zu haben) Quelle: AP
Die bösen Ausländer„Wir müssen Recht und Ordnung zurückbringen. (...) Illegale Migranten haben Waffen, und sie erschießen Leute.“ Quelle: REUTERS

Ein Theater in Los Angeles: An normalen Abenden wird hier derzeit das Stück „Oktoberfest – The Musical“ aufgeführt. Nicht so an diesem Montagabend, 18 Uhr Ortszeit. Da sitzen auf den Bierbänken, umgeben von blau-weiß-karierten Hofbräuhaus-Fahnen, rund 100 Zuschauer, darunter viele Studenten. Auf Einladung der University of California (UCLA) verfolgen sie die erste Fernsehdebatte der US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump und Hillary Clinton.

Am Ende wird jedoch alles beim Alten bleiben: Diejenigen, die Clinton wählen wollten, wollen sie immer noch wählen, diejenigen, die für ihren republikanischen Herausforderer Trump wählen wollten, halten weiterhin an ihm fest. Und die Unentschiedenen? Wissen immer noch nicht, für wen sie stimmen sollen.

Die meisten Zuschauer in Los Angeles sind während der Debatte sehr engagiert, fiebern mit. Sie bestehen etwa zur Hälfte aus Trump- und Clinton-Unterstützern, aber es gibt auch einige Unentschlossene. Clinton erntet viel Applaus und Lacher, etwa als sie Trump mehrfach attackiert: „Donald, I know you live in your own reality“ – „Donald ich weiß, du lebst in deiner eigenen Realität“. Oder als sie ihm vorwirft, dass er den Klimawandel als „Schwindel der Chinesen“ darstelle. Dafür haben die Wähler in einem US-Bundesstaat, der im fünften Jahr einer verheerenden Dürreperiode steckt, kein Verständnis.

Auch Trump kann in Los Angeles ein paar Mal punkten, etwa als er sagt, dass es endlich an der Zeit sei, „dass dieses Land von jemanden geführt wird, der etwas von Geld versteht“. Oder als er verspricht, Zehntausende Jobs nach Amerika zurückzuholen. Anders als Clinton erntet er aber auch Buh-Rufe. Es kommt im Publikum nicht gut an, als er sagt: Die Gangs und Verbrecher, die durch die Straßen streifen, seien „in vielen Fällen illegale Immigranten“.

Jimmy Kelly, ein Drehbuchschreiber aus Los Angeles, zeigt sich am Ende zufrieden mit Clintons Performance auf der Bühne. Er will am 8. November für sie stimmen. „Ich denke, dass Hillary die bestqualifizierteste Kandidatin für das Präsidentenamt in der Geschichte Amerikas ist“, sagt der 30-Jährige. Jacob Ellenhorn, ein 21-jähriger Jura-Student an der University of Southern California, fühlt sich hingegen darin bestätigt, für Trump zu stimmen. „Er spricht für den normalen Amerikaner“, findet er.

Protokoll einer Achterbahnfahrt - Der Wahlkampf in den USA


Enttäuschung bei den Ratlosen

Im Vorfeld der Debatte betonten Experten oft, wie wichtig dieses Duell für diese Präsidentschaftswahl sei. Denn gerade die unentschlossenen Wähler sind könnten in diesem Kopf-an-Kopf-Rennen die entscheidenden Stimmen abgeben. Bei einer Befragung des Senders CNN von 20 Unentschlossenen im Swing-State Florida gaben 18 von ihnen nach dem TV-Duell an, Clinton als Gewinnerin der Debatte zu sehen.

Bei einer Umfrage eines Beraters der Demokraten unter unentschlossenen Wählern im US-Bundesstaat Cleveland sagten die meisten hingegen, dass sie keinen der Kandidaten als Gewinner ansehen. Ein großer Teil sah Clinton als Siegerin, keiner sah Trump als Sieger. Eine Umfrage des „Wall Street Journal“ unter Unentschiedenen und Experten zeigte, dass Unentschlossene jedoch auch nach der Debatte nicht wesentlich zu dem einen oder den anderen Kandidaten hingezogen sein dürften.

Auch in Los Angeles waren einige Unentschlossene gekommen, um sich endlich eine Meinung zu bilden. Am Ende konnte sie aber keiner der Kandidaten überzeugen. Beim Duell sei es „beruhigend gewesen, dass Hillary besser vorbereitet war“, sagt Mark Biedlingmaier, Student der Umweltwissenschaften an der UCLA. Er wisse aber auch nach der Debatte nicht, für wen er stimmen soll. „Ich habe zu wenig Informationen“, sagt der 22-Jährige. Bei der letzten Wahl hatte er für die Demokraten gestimmt. Er sieht Vorteile bei beiden Kandidaten.

TV-Duelle in US-Präsidentschaftswahlkämpfen

Scott, blaues Shirt, blaue Shorts, ebenfalls ein junger Wähler, ist enttäuscht von dem Duell. „Nachdem ich diese Debatte angesehen habe, mag ich beide nicht besonders“, sagt er. „Ich denke, ich werde entweder für Gary Johnson oder gar nicht abstimmen.“ Johnson ist Kandidat der Libertären Partei. Beim Rennen um das Weiße Haus ist er zwar chancenlos, aber er könnte Clinton oder Trump wichtige Stimmen kosten.

Am Ende der Veranstaltung in Los Angeles debattieren einige Zuschauer noch heftig weiter. Alle Themen, die die USA derzeit bewegen, kommen auf den Tisch: Rassendiskriminierung, die Arbeitslosenquote, Immigration, China – Menschen schreien sich an oder schauen beleidigt in eine andere Richtung. Auch wenn sie den vielen Unentschlossenen vielleicht nicht geholfen hat, eines wird bei dieser Debatte deutlich: Die US-Amerikaner sind gespalten, nicht nur wenn es um den geeigneten Präsidentschaftskandidaten geht.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%