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UBS-Investmentchef Mark Haefele „Die Bitcoin-Manie färbt nicht auf Aktien ab“

Zu nachhaltigem Investment hat Mark Haefele in Davos gerade referiert. Mit dem Handelsblatt spricht der Chief Investment Officer der Schweizer Großbank UBS darüber, wie beständig der Aufschwung an den Märkten sein kann.

Der Global Chief Investment Officer der Schweizer Großbank UBS legt Wert auf nachhaltiges Investment. Quelle: Bloomberg/Getty Images

DavosHerr Haefele, die Welt scheint vor Optimismus zu strotzen: Der Internationale Währungsfonds hat seine Konjunkturprognose angehoben, die Topmanager sind so zuversichtlich wie schon lange nicht mehr. Ist das alles zu schön um wahr zu sein?
Wir denken, es gibt Gründe, um optimistisch zu sein. Die Zentralbanken unterstützen in diesem Jahr immer noch die Konjunktur, die meisten OECD-Staaten wachsen und die Unternehmensgewinne legen weiter zu. Vor diesem Hintergrund ist es schwer, eine negative Haltung zu Aktien zu haben.

Nach neun Jahren Bullenmarkt wird hier in Davos aber auch viel über die sich häufenden Warnzeichen diskutiert: Die Bewertungen sind sehr hoch, es gibt Übertreibungen wie die Bitcoin-Blase und die Investoren werden zunehmend sorglos. Wird Ihnen nicht langsam unwohl?
Es gibt natürlich eine Menge Risiken. Falls etwa die Inflation anziehen sollte, dann müssten die Notenbanken die Zinsen schneller anheben als erwartet. Zweitens sind da die geopolitischen Probleme. Die Spannungen zwischen Iran und Saudi-Arabien haben zwar etwas abgenommen, aber gleichzeitig hat das Risiko eines von den USA ausgehenden Protektionismus wieder etwas zugenommen.

Wie lange kann der Aufschwung an den Märkten noch weiter gehen?
Im zweiten Halbjahr dürfte es schon etwas schwieriger werden, weil dann insgesamt die Unterstützung der Notenbanken zurückgehen wird. Das bedeutet aber nicht unbedingt, dass es gleich einen Ausverkauf an den Märkten geben muss.

Aber eine Korrektur wäre denkbar?
Es wird sicherlich höhere Schwankungen der Kurse geben. Als Folge dessen werden die Investoren etwas vorsichtiger agieren.

Schnell steigende Zinsen wären auch sehr schlecht für die vielen hochverschuldeten Staaten und Unternehmen.
Die Notenbanken müssen daher eine delikate Balance finden: Sie müssen die Wachstumsrate höher halten als die Zinsen.

Als besonders hoch bewertet gelten derzeit die US-Aktien. Was empfehlen Sie Ihren Kunden?
Wir empfehlen  globale Aktien einschließlich US-Aktien. Zwar sind die Bewertungen dort über dem Durchschnitt, aber wir sehen noch keine Blase. Schließlich sind die Unternehmensgewinne dort sehr stark gestiegen und die Aussichten sind dank der Steuerreform gut.

Werden die Steuerpläne den US-Märkten einen letzten großen Adrenalin-Schub geben?
Wir haben jetzt schon ein bisschen davon gesehen. Aber da ist noch nicht alles eingepreist. Unter anderem, dass sich die Steuerreform positiv auf die Stimmung der Vorstandschefs auswirken wird. Außerdem hat die US-Reform andere Länder dazu animiert, ebenfalls über ihre Steuersätze zu debattieren. Wenn die Unternehmenssteuern auf globaler Ebene fallen sollten, würde das die Margen weiter verbessern.

Wo raten Sie Ihren Kunden noch zu kaufen?
Insbesondere in den Schwellenländern, die profitieren vom globalen Wachstum.

Es gibt eine weitere Gefahrenquelle: Die hohe chinesische Schuldenlast. 
Das ist eines der Themen, über die wir besorgt sind. China ist sich des Problems sehr bewusst und ist bisher auch sehr gut damit umgegangen. Aber es ist eines der größten Risiken. Wir haben extra ein Team aufgebaut, das sich das anschaut.

China ist auch einer der Hauptmärkte für Kryptowährungen. Würden Sie dazu raten, hier zu kaufen?
Nein. Zum einen sind die Regierungen dabei, dem einen Riegel vorzuschieben, weil man mithilfe von Cyberwährungen grenzenlos und an Kontrollen vorbei Geld transferieren kann. Außerdem ist es schwer zu ergründen, wo der eigentliche Wert dieser Kryptowährungen liegen soll.

Ist das ein systemisches Risiko?
Nein, dafür ist es noch zu klein. Das Gute ist auch, dass die Bitcoin-Manie nicht auf die Aktien abgefärbt hat. Die Menschen denken nicht so euphorisch über Aktien wie im Jahr 2000. Viel von diesem Hype steckt heute in den Bitcoins.

Herr Haefele, vielen Dank für das Interview.

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