Ukrainekrise EZB-Chefökonom sieht Ukraine-Krise als sehr bedeutsamen Risikofaktor für Europa

Europas Notenbanker sehen in der Zuspitzung des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine eine Gefahr für Europas Wirtschaft. Das könnte auch Auswirkungen auf die Inflation haben.

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Quelle: dpa

Die Ukraine-Krise treibt auch die Europäische Zentralbank (EZB) vor ihrer bald anstehenden Zinssitzung um. Man werde beim Treffen des EZB-Rats am 10. März eine umfassende Beurteilung der wirtschaftlichen Aussichten vornehmen und dazu gehörten auch die jüngsten geopolitischen Entwicklungen, sagte EZB-Chefvolkswirt Philip Lane der „FAZ“ laut Vorab-Bericht.

Diese hätten nicht nur Auswirkungen auf die Öl- und Gaspreise, sondern auch auf das Vertrauen der Anleger und der Verbraucher sowie den Handel. „Was die Inflation betrifft, gibt es daher nicht nur den mechanischen Effekt durch die Rohstoffpreise“, sagte Lane. Für die mittelfristigen Aussichten für die Inflation müssten auch die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen berücksichtigt werden. Die geopolitischen Spannungen seien aktuell „ein sehr bedeutsamer Risikofaktor, vor allem für Europa“.

In einer Zeit mit viel Unsicherheit sollte man zwar keine absoluten Aussagen treffen, sagte Lane. „Die Daten sprechen aber durchaus dafür, dass wir näher an unser mittelfristiges Inflationsziel rücken könnten.“ Dann müsse die EZB handeln: „Wenn die Raten sich mittelfristig auf unser Ziel zubewegen, wofür gerade mehr spricht, werden wir die Geldpolitik anpassen.“

Die EZB benötige dann zum Beispiel keine Anleihekäufe mehr, um die Inflation auf mittlere Sicht bei ihrem Zielwert zu stabilisieren. Bevor die Notenbank über eine mögliche Zinsentscheidung spreche, müsse sie jedenfalls die Zukäufe beenden.

Die Lage sei insgesamt so, dass eine starke Erholung der europäischen Wirtschaft erwartet werde, sagte Lane. Die Inflationsraten seien jedoch höher als erwartet und würden auch länger anhalten als ursprünglich gedacht. Das liege vor allem an den gestiegenen Energiepreisen und den Lieferengpässen. Doch je länger der Ursprung des Schocks bestehen bleibe, desto stärker werde das Preisniveau insgesamt beeinflusst. „Also revidieren wir unsere Einschätzung der Dauerhaftigkeit der Inflation in dieser Hinsicht.“ Weiterhin erwarte die Notenbank aber, dass die Inflationsraten im Laufe des Jahres sinken würden. Es sei aber unsicher, wie schnell und wie weit das gehe.

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