WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Under Armour zieht an Puma vorbei Das Wettrennen der Turnschuh-Marken

Under Armour wächst so stark wie keine andere Sportmarke. Nun hat der US-Konzern das erste Mal seinen Rivalen aus Deutschland hinter sich gelassen: Puma. Doch Firmengründer Kevin Plank will nicht aufgeben.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Die Sportmarke ist Ausrüster des Fußballvereins Tottenham Hotspur's. Auch Mittelfeldspieler Nacer Chadli trägt ein Trikot von Under Armour. Quelle: AFP

München Schneller, höher, stärker: Niemand in der Sportindustrie hat sich das olympische Motto so sehr zu Herzen genommen wie Kevin Plank. Vor genau 20 Jahren hat der Amerikaner Under Armour gegründet. Nun zum runden Geburtstag hat es der börsennotierte Konzern auf Rang drei der größten Turnschuh-Hersteller der Welt geschafft. An der Spitze steht unangefochten Nike, dahinter folgt mit einigem Abstand Adidas.

Under Armour ist vergangenes Jahr um 28 Prozent gewachsen und kommt nun auf umgerechnet 3,7 Milliarden Euro Umsatz. Das ist deutlich mehr, als Puma vergangenes Jahr vermutlich erreicht hat. Die Franken waren bisher die Nummer drei der Sportindustrie. Puma hat die Jahreszahlen zwar noch nicht vorgelegt. Doch das Label mit dem Raubtier-Logo war in jüngster Zeit nicht so dynamisch unterwegs wie Unter Armour.

2014 hatte Puma Erlöse von rund drei Milliarden Euro verbucht. Zwischen September und Ende Dezember ist Under Armour sogar noch stärker gewachsen als im Rest des Jahres, das Umsatzplus betrug satte 31 Prozent. „Wir verzeichnen jetzt das 25. Quartal in Folge, in dem der Umsatz in unserem Kerngeschäft Bekleidung um mehr als 20 Prozent steigt“, betonte Plank an diesem Donnerstag.

An der New Yorker Börse sorgten die Ergebnisse für Begeisterung. Im vorbörslichen Handel gewannen die Aktien gut 14 Prozent. Damit ging eine monatelange Talfahrt zu Ende, seit September hatten die Papiere mehr als ein Drittel an Wert verloren. Anfang Januar hatte Morgan Stanley zudem sein Rating herabgestuft und geraten, sich von Under Armour zu trennen. Die Firma verliere Marktanteile, vor allem bei Frauen, hieß es zur Begründung.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Doch mit den jüngsten Quartalszahlen hat Plank die Erwartungen der Analysten übertroffen. Und so sehen die Investoren jetzt wieder eher die Stärken der Firma. In den USA hat Under Armour den deutschen Rivalen Adidas als Nummer zwei in den Sportgeschäften bereits abgelöst. Im Rest der Welt ist die Marke zwar noch wenig verbreitet. Der Auslandsanteil vom Umsatz liegt bei lediglich elf Prozent. Gleichwohl, die Einnahmen jenseits der amerikanischen Grenzen sind 2015 um 70 Prozent nach oben geschossen.

    Auch in Deutschland ging es rasant aufwärts. Das beweist die Rangliste der größten Lieferanten von Intersport: Bei Deutschlands größer Sporthandelskette lag Under Armour 2014 noch auf Platz 73. Vergangenes Jahr stieß das Label bereits auf Nummer 41 vor. Wenn es so weiter geht, gehört Under Armour dieses Jahr zu den zehn führenden Anbietern bei Intersport.

    „Wir wollen eine wahrhaft globale Marke werden“, betont Plank immer wieder. Deutschland spielt dabei eine wichtige Rolle. Daher wird er vom Sommer an den Fußball-Zweitligisten FC St. Pauli ausrüsten. Über andere Deals hierzulande wird schon seit Monaten immer wieder spekuliert. So sind die Amerikaner als Sponsor von Bayer Leverkusen im Gespräch, Plank soll sich auch für Bayern-Star Thomas Müller interessieren.


    Der Endspurt von Puma

    Sportexperten sind überzeugt, dass die Amerikaner ihren Platz in den Regalen finden. Entscheidend sei aber, ob die Marke in Deutschland sichtbar sei, meint Jochen Schnell, Vorstand von Intersport. Under Armour biete im Übrigen ein überzeugendes Gesamtpaket: „Die kommen aus der Funktion und haben gute Styles.“ Im Klartext: Die US-Firma verbindet hochtechnische Kleidung mit modischen Schnitten.

    Das ist kein Wunder, liegen die Wurzeln doch in sogenannter Kompressionswäsche, also extrem eng anliegenden Shirts und Shorts. In das Geschäft mit Sportschuhen ist Plank erst spät eingestiegen. Sie stehen für weniger als ein Fünftel vom Umsatz. Allerding legte diese Kategorie mit einem Plus von fast 60 Prozent vergangenes Jahr überproportional zu.

    Es hat seinen Grund, dass Under Armour in den vergangenen Monaten ein eigenes Deutschland-Hauptquartier mit gut 30 Mitarbeitern in München aufgebaut hat. Bislang ist die Marke zwischen Nordsee und Alpen wenig bekannt, trotz des Engagements beim Bundesligisten Hannover 96 vor ein paar Jahren. Zudem waren die Amerikaner bisher hier gar nicht selbst vertreten, sondern haben sich auf eine Agentur verlassen.

    Die Position im deutschen Fachhandel dürfte sich in den nächsten Monaten aber noch einmal dramatisch verbessern: Mit der Otto-Tochter Sport Scheck hat Plank einen Vertrag über sogenannte Shop-in-Shop-Flächen unterzeichnet. Das heißt: Der Konzern bekommt einen eigenen, festen Bereich in den Läden von Sport Scheck.

    Ein Ende des Siegeszugs ist nicht in Sicht, es geht allenfalls nicht mehr ganz so steil bergauf. Fürs laufende Jahr verspricht Plank ein Umsatzplus von einem Viertel auf umgerechnet gut 4,5 Milliarden Euro. Es wird wohl eine Weile dauern, bis Puma zu den Amerikanern wieder aufschließen kann.

    © Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%