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Unicredit Zahlen „Jahr der Wende“

Unicredit legt gute Zahlen für 2017 vor, die Analysten sind zufrieden. Auch die große Bank Intesa Sanpaolo steigert den Gewinn.

Rom„Wir haben alle Ziele erreicht und sind dem Plan voraus“, meldete Unicredit-CEO Jean Pierre Mustier zufrieden am Donnerstag bei der Vorlage des Ergebnisses für 2017. Die italienische Großbank erwirtschaftete erstmals wieder schwarze Zahlen und erzielte einen Nettogewinn von 5,5 Milliarden Euro. Im Jahr davor musste sie noch einen Verlust von 11,8 Milliarden Euro verbuchen. Das vierte Quartal 2017 sei dank Zuwächsen im Zins- und Provisionsgeschäft mit einem Nettogewinn von 801 Millionen Euro das beste Schlussquartal seit zehn Jahren gewesen, sagte Mustier. 2017 sei das „Jahr der Wende“ gewesen.

Der Franzose, der seit Sommer 2016 an der Spitze der HVB-Mutter in Mailand steht, hat vor einem Jahr eine Kapitalerhöhung von 13 Milliarden erfolgreich durchgezogen und setzt sein Umbauprogramm „Transform 2019“ nun konzise durch. „Wir sind mit der Umsetzung der gesteckten Ziele dem Plan voraus“, sagte Mustier in Mailand, „und auf dem richtigen Weg, um Unicredit zu einer gewinnenden paneuropäischen Bank zu machen“. Mustier will laut Strategieplan bis 2019 eine Eigenkapitalrendite von neun Prozent erreichen.

An der Börse zog die Aktie nach Vorlage der Zahlen am Donnertag in einem noch durch die Turbulenzen vom Wochenbeginn geprägten Umfeld an. Die Analysten bewerteten die Zahlen durchgehend positiv. „Das Ergebnis ist in allen Bereichen besser als erwartet“, heißt es beim Brokerhaus Equita. Die Risikoreduzierung und der Schuldenabbau seien OK. Für Banca Akros entsprechen die Zahlen der Erwartung. „Stark“ bezeichnete sie Goldmann Sachs. Die Händler blieben bei ihren Kaufempfehlungen.

Zum Strategieplan Mustiers gehört eine Verschlankung und eine Kostenreduzierung durch Filialschließungen und Personalabbau. 2017 schlugen der Verkauf der Fondstochter Pioneer an den französischen Finanzkonzern Amundi und der polnischen Bank Pekao als Sonderposten zu Buche. Um diese bereinigt liegt der Nettogewinn bei 3,7 Milliarden Euro. Bleibt das Problem der faulen Kredite. 2017 sei das Verhältnis der notleidenden Kredite im Vergleich zu allen Krediten um 10,2 Prozent gefallen, steht im Bericht der Bank. Unicredit hat 2017 fast 18 Milliarden Euro faule Kredite verkauft. Bis 2019 soll der Wert auf 17 Milliarden Euro sinken, hatte Mustier im Dezember im Handelsblatt-Interview gesagt.

Erstmals nach Jahren schüttet Unicredit wieder eine Dividende aus, 32 Cent pro Aktie. Mustier hatte im Dezember angekündigt, die Aktionäre mittelfristig wieder stärker am Gewinn beteiligen zu wollen. Sobald die Bank komplett neu aufgestellt und genügend Kapital im Haus habe, sollen 30 bis 50 Prozent des Gewinns als Dividende ausgeschüttet werden. Die harte Kernkapitalquote lag zum Jahresende bei 13,0 Prozent.

Doch nicht die deutsche Tochter HVB, der im Geschäftsbericht eine „solide Dynamik“ beschieden wird, sondern das Osteuropageschäft,  das Investmentbanking und das Privat- und Firmenkunden-Geschäft in Italien hätten den Nettogewinn getragen, heißt es bei UniCredit. Mit deutschen Privat- und Firmenkunden sei ein Nettogewinn von 639 Millionen Euro erzielt worden, im Vorjahr waren es 120 Millionen, weil negative Sondereffekte wegfielen. Die Erträge stiegen bereinigt um 6,7 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro, die operativen Kosten sanken um 3,6 Prozent, weil die Zahl der Mitarbeiter um gut 800 zurückging.

Bei der Hauptversammlung im April kommt ein weiteres Mosaikstück: die neue Führungsmannschaft. Präsident Giuseppe Vita scheidet aus, sein Nachfolger wird Fabrizio Saccomanni, der von der italienischen Notenbank kommt.

Auch die zweite große italienische Bank Intesa Sanpaolo hat zu Beginn der Woche gute Zahlen vorgelegt. 2017 konnte die Bank ihren Nettogewinn auf 7,32 von 3,11 Milliarden Euro sogar mehr als verdoppeln. Intesa hatte sich im vergangenen Jahr an der Rettung der beiden in die Krise geratenen  Regionalbanken im Veneto beteiligt. Um zu verhindern, dass die Übernahme von Veneto Banca und Banca Popolare di Vicenza die Kernkapitalquote verwässert, hatte der Staat 3,5 Milliarden Euro beigesteuert, was sich positiv in der Bilanz auswirkte. Intesa, die größte Geschäftsbank Italiens, will bis 2021 einen Nettogewinn von bis zu sechs Milliarden Euro und ein operatives Ergebnis von bis zu 20,8 Milliarden Euro erreichen.

Die Bilanzen der beiden größten Institute Italiens scheinen zu belegen, dass die Bankenkrise vorbei ist. Das italienische Bankensystem zeige positive Zeichen bei der Bereinigung der notleidenden Kredite, auch wenn diese noch hoch seien, heißt es in einer Studie zum Bankenmarkt 2018 der Ratingagentur Dagong.

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