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Die Haut spricht ungarisch mit mir

Erno Laszlos Splash-Ritual, das einst ganz Hollywood verzauberte, erlebt einen neuen Boom. 

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Er stammt wie Graf Dracula aus Transsylvanien und wurde fast so berühmt wie dieser. Er war der Kosmetik-Gott der Garbo, der Guru der gekrönten Häupter und des Hochadels unter den Celebrities. Man nannte ihn Svengali of Skin, Angel of Beauty. Kein Dermatologe kann es mit Dr. Erno Laszlo aufnehmen. Sein Splash-Ritual ist eine Art Grundgesetz der Kosmetik. 

Morgens und abends ist danach das Gesicht 30-mal mit warmem bis heißem Wasser zu bespritzen – 20-mal aus dem Becken, 10-mal mit fließendem Wasser. Die Splash-Zeremonie vervollkommnet ein Gesichtsöl sowie die inzwischen legendäre schwarze „Seamud“-Seife. Laszlo, der Dermatologie und Kosmetik vereinte, nutzte die Kraft des Wassers, um die Haut zu klären, sie zu durchfeuchten, zu festigen und zu vitalisieren. Zu seiner Zeit war es geradezu skandalös, Wasser zur Gesichtsreinigung zu nutzen; in Amerika, wohin es den Ungarn verschlagen hatte, benutzte man dafür Cremes und Lotionen. 

Das wahre Geheimnis schöner Haut, so Dr. Laszlo, ist „ein Teil Physiologie, ein Teil Psychologie und ein Teil Philosophie“. Auf das Geheimnis schworen bald alle. Zu Laszlos Kunden zählten Gary Cooper und Katherine Hepburn, Jacky Kennedy und ihre Schwester LeeRadziwill, Gianni Agnelli und Truman Capote, die Monroe genauso wie Woody Allen oder Hubert de Givenchy. 

Einzig Ava Gardner wagte zu behaupten, seine Methode funktioniere nicht, worauf Laszlo der Diva nachwies, dass sie das Ritual gar nicht befolgte („Die Haut lügt nicht. Sie spricht ungarisch mit mir!“). Die Duchess of Windsor hingegen, Wallis Simpson, folgte dem Meister mit geradezu religiösem Eifer. Sie taufte sein Institut „House of Silence“, nicht wegen der sakralen Stille, sondern weil dort Intimes intim blieb. Selbst ihr Gatte, der sie oft mit lauten Rufen „Wo ist die Duchess?“ vom Institut abholte, wurde schließlich ein Laszlo-Jünger. 

Bevor der Laie bei Laszlo zum Eingeweihten wird, kommt keiner um das Clocking herum, auch Sting, Nicole Kidman und Madonna nicht, die Jünger der Jetztzeit. Nach dem Zifferblatt einer Uhr – daher clocking – teilte Laszlo seine Klientel in Typen ein: 12 Uhr entspricht „normal“, allen davor fehlt Feuchtigkeit (8.30 Uhr ist „sehr trocken“), alle Hauttypen von 12 bis 15 Uhr produzieren zu viel Öl. 

Um den richtigen Typ und die passenden Laszlo-Produkte zu bestimmen, muss jeder Aspirant einen Fragebogen unter anderem auch über seine beruflichen und privaten Lebensumstände ausfüllen. Die beeinflussen nach Laszlo die Hautbeschaffenheit mit. 

Heute, 30 Jahre nach dem Tod des Beauty-Meisters, erlebt seine Methode einen neuen Boom. Denn sie ist effektiv. Und simpel. Ein „Guten Tag, eine Seife bitte. Ich bin ein 11-Uhr-Typ“ in der Pafümerie genügt. 

Uschka Pittroff 

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