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rolf trauernicht Leuchtturm im Moor

Der 22. Dezember 2004 ist ein wichtiger Termin für Rolf Trauernicht. An diesem Tag wird er mit seinen 1,93 Metern und Schuhgröße 50 zum letzten Mal auf die A31 treten und Worte über die geladenen Gäste hinwegschicken. Das hat der 80-Jährige fast jedes Mal so gemacht, wenn die 42 Kilometer lange Autobahnlücke zwischen dem Ruhrgebiet und Ostfriesland ein Stück kleiner wurde in den vergangenen vier Jahren. Mit der Einweihung der restlichen 4,3 Kilometer zwischen Nordhorn und Schüttorf am Mittwoch vor Weihnachten ist damit Schluss. 

Die Rolle des Dauerredners an der A31 verdankt der weißhaarige Hüne aus dem niedersächsischen Torf- und Windmühlenort Großefehn (knapp 13 000 Einwohner) einem einzigartigen Projekt. Trauernicht begnügte sich nicht mit seinem Unternehmen Traucon Holding, das mit Baustoffhandel (Nowebau) und Industriearmaturen (Nocado) vergangenes Jahr 230 Millionen Euro umsetzte und rund 1150 Mitarbeiter beschäftigt, davon rund 350 in Großefehn. Vielmehr sammelte er auch als erster Firmeninhaber hier zu Lande Geld bei Unternehmen, damit ein Stück Autobahn zehn Jahre früher fertig wird als geplant: insgesamt rund 10,5 Millionen Euro, 125 000 Euro davon aus eigener Tasche. 

Der einstige Frachtschiffer, der nach dem Zweiten Weltkrieg Waren über die Kanäle der ostfriesischen Moorlandschaft schipperte und kräftig vom Wiederaufbauboom profitierte, gilt als Leuchtturm zwischen Emden und Wilhelmshaven. Trauernicht habe sich stets „als eine Person des öffentlichen Lebens verstanden, nicht um wohlfeile Prominenz zu genießen, sondern um Verantwortung für die Menschen der Region zu übernehmen“, lobt ihn Carl Ewen, Präsident der Ostfriesischen Landschaft. Selbst Ex-Bundesverkehrsminister Reinhard Klimmt im fernen Berlin zeigte sich „sehr beeindruckt“ von Trauernichts „vorbildlicher Einsatzbereitschaft für die Belange der Bürgerinnen und Bürger“. 

Der bekennende Teetrinker und Christ Trauernicht („Der Herrgott gibt mir die Kraft, Unternehmer zu sein“) hat sich die Lebensregel aufgestellt: „Man darf nicht nur fordern, man muss auch selbst etwas dazutun.“ In Großefehn rufen ihn alle nur „Tullum“. Den Spitznamen erfand einst der Lehrer, um ihn von drei Namensvettern zu unterscheiden. Wenn er zum Spargelessen ins Nobelrestaurant Blauer Fasan in der Nachbargemeinde Wiesmoor lädt, folgt ihm die gesamte Prominenz der platten Provinz. 

Das mühsame Tagesgeschäft überlässt Trauernicht inzwischen seinen zwei Söhnen Focko und Rolf, die unter anderem mit Entlassungen gegen Umsatzeinbrüche kämpfen. Er selbst wirft sich auf ein neues Großprojekt: eine Magnetschwebebahn quer durch Europa von Amsterdam nach Warschau. „Dafür werde ich kämpfen“, sagt der agile Alte mit Blick auf seinen Vater: „Der fuhr noch als 92-Jähriger Fahrrad.“ RB a 

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