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60 Jahre Bundesrepublik Deutschland, wie wir es lieben

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Loriot

L wie Loriot Quelle: dpa

Die Deutschen sind für ihren Ordnungssinn berüchtigt. Loriot hat ihm ein unvergessliches Denkmal gesetzt, das die Dialektik von Ordnung und Chaos demonstriert: In einem seiner Sketche zeigt er einen Mann, dessen Versuch, ein Bild gerade zu rücken, in einer Zimmerschlacht endet. Als das Zimmermädchen eintritt, kriecht er unter dem umgestürzten Schrank hervor und sagt: „Das Bild hängt schief.“ Nur eine der Wendungen Loriots, die inzwischen volkseigen geworden sind. Wer kennt nicht „Sie haben da was“ oder „Ach, was?“ Seit gut 50 Jahren hält Loriot uns mit preußischer Präzision den kritisch-humoristischen Spiegel vor. Durch ihn wissen wir, wie komisch der deutsche Ernst sein kann und dass Missverständnisse der Normalfall sind. So hat Loriot, nicht weniger als das Grundgesetz, das Menschenbild der Republik geprägt. Es trägt eine Knollennase, altmodische Anzüge, erzählt von der Haltlosigkeit unserer Existenz. Und hat uns, ganz nebenbei, gelehrt, über uns selbst lachen zu können.

Mey, Reinhard

M wie Mey, Reinhard Quelle: AP

In den Hitparaden kommt er schon lang nicht mehr vor – dennoch sind seine Tourneen regelmäßig ausverkauft. Fängt doch seine Stimme wie keine andere den anheimelnden, liberal-pazifistischen Sound der alten Bundesrepublik ein. Reinhard Mey ist der deutsche Liedermacher. Ein Achtundsechziger, der „wie Orpheus singen“ wollte, als andere „Ho Chi Minh“ riefen. Der mit der „heißen Schlacht am kalten Büfett“ den Wohlstandsbürgern die Leviten las, ohne ihnen wirklich weh zu tun. Seine Stärke sind die leisen, biedermeierlich-sentimentalen Töne. Am liebsten besingt er die sogenannten kleinen Dinge des Alltags: den „Topfkuchen auf dem Küchentisch“, „das alte Haus, das knarrt und leise wispert“ oder „Deine Zettel – ich lieb’ dich dafür“. Und seine Fans lieben zurück – ihn, den Troubadour der bundesdeutschen Idyllen.

Das kleine Lexikon des Konsenses

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