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Abwehrkampf gegen ACS Hochtief hat viele Ideen - aber keine, die zündet

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Zwei Ansätze bleiben, aber auch ihr Wert für Hochtief ist schwer einzuschätzen: zum einen die finanzielle Schwäche von ACS, zum anderen die politische Unterstützung, auf die Lütkestratkötter setzt. Ende der Woche wurde bekannt, dass Gläubigerbanken ACS bereits im Mai gedrängt hatten, eine Pflichtwandelanleihe mit einem Volumen zwischen 750 Mio. Euro und 1,5 Mrd. Euro für das vierte Quartal anzukündigen. Die Nachfrage blieb jedoch so flau, dass das Internetportal "El Confidencial" im September berichtete, die Emission werde verschoben. Bleibt abzuwarten, ob sie nachträglich gelingt. Richtig ist, dass ACS mit rund zehn Milliarden Euro verschuldet ist und mit Hochtief vermutlich die rote Bilanz verbessern möchte. Doch das ist keine Überraschung für die amerikanisch-französische Investmentbank Lazard, die ACS bei der Übernahme unterstützt. Und die Politik? Es scheint so, als hätte sich Lütkestratkötter mehr versprochen von seinem Vorstoß im WirtschaftsWoche-Interview. "Wir gehen davon aus, dass Berlin ein Interesse daran hat, dass die deutsche Bauindustrie international wettbewerbsfähig bleibt. Hochtief ist der internationale Player in Deutschland", sagte der Hochtief-Chef und wurde noch deutlicher: "Es wäre schon grotesk, wenn Hochtief von einem spanischen Konzern übernommen würde, der seine Größe unter anderem EU-Steuermitteln – auch aus Deutschland – verdankt."

ACS schließt politische Schwierigkeiten nicht aus

Die öffentlichen Reaktionen aus Berlin waren negativ. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle erteilte eine klare Absage an jede Intervention. Und dafür, dass vom Kanzleramt aus jetzt im Hintergrund die Drähte nach Madrid glühen, dafür gibt es keine Anzeichen. Zumal sich die Frage stellt, welche Hebel Berlin und dann die Regierung in Madrid überhaupt bewegen könnten, damit am Ende Perez klein beigibt. Der konservative Perez und der sozialistische Regierungschef Zapatero sind schließlich nicht die besten Freunde. Trotzdem ist aus Kreisen von ACS zu hören, dass man politische Schwierigkeiten nicht ausschließt. Denn Spanien befindet sich in einer brisanten finanziellen Lage. Die laufenden Haushaltsschulden betragen bereits knapp 12 Prozent des BIP. Bereits im Frühjahr war es deswegen zu Spannung zwischen Deutschland und Spanien gekommen. Deutsche Banken sind die Hauptgläubiger der spanischen Immobilien- und Finanzwirtschaft. Sie forderten vom spanischen Premier José Luis Rodríguez Zapatero damals ein überzeugendes Sparpaket. Das könnte sich wiederholen, zumal der Internationale Währungsfonds in dieser Woche  kritisierte, dass die Wachstumsdaten für Spanien weit unter der Regierungsprognose liegen. Der IWF fordert jetzt noch stärkere Sparmaßnahmen. Sollte die deutsche Regierung sich bei dem Übernahmekampf eimischen, dann dürfte die brisante finanzielle Situation, auch ausgelöst durch Unternehmen wie ACS, ein Druckmittel sein.Der größte spanische Baukonzern ACS hatte von den Ursachen der heutigen Finanzmisere schließlich profitiert, CEO und Anteilseigner Pérez hat die Immobilienblase mit aufgebläht und das Spekulationsfieber angetrieben.

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