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Ackermann-Nachfolge Was Weber der Deutschen Bank brächte

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Wie ein deutscher General

Axel Weber Quelle: REUTERS

Schon vor zwei Jahren, als es dem Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Börsig letztlich nicht gelang, einen passenderen Mann als sich selbst für den Top-Job zu präsentieren, soll Weber ein Kompromisskandidat gewesen sein. Dass dessen Name überhaupt ernsthaft im Rennen ist, schreiben Insider der Initiative des amtierenden Vorstandsvorsitzenden zu.

Dabei verweisen sie auf Ackermanns Interpretation der eigenen Rolle. Der Schweizer agiert wie ein Politiker, mit den Jahren hat die Distanz zu den Details des operativen Geschäfts zugenommen. Der Mann an der Spitze einer Großbank müsse heute Wirtschaftsführer und Staatsmann zugleich sein, hat er kürzlich seine Erfahrungen zusammengefasst. „Man muss mit den Staatspräsidenten der Welt kommunizieren.“ Wirklich bei sich selbst wirkt der Deutsche-Bank-Chef, wenn er als Präsident des internationalen Branchenverbandes IIF mit Politikern, Aufsehern und Top-Managern anderer Banken über weltweite Wirtschaftspolitik und die Zukunft der Finanzindustrie debattiert. Der Dialog mit Politik, Regulierern und Gesellschaft, das ist ihm klar, ist nach der Krise relevanter denn je — auch zum Wohle des eigenen Geschäfts.

In diese Fußstapfen könnte der international vernetzte und mit Aufsichtsthemen vertraute Weber treten. „Als Notenbanker hat Weber immerhin gelernt, das jedes unbedachte öffentliche Wort große Wirkungen nach sich ziehen kann“, spottet ein Banker über Amtsinhaber wie möglichen Nachfolger. Das Feingefühl für solche Nachbeben hat Ackermann des öfteren gefehlt — zuletzt, als er sich mehr Frauen an die Spitze seiner Bank wünschte, um die „farbiger und schöner“ zu machen.

Kontraste ziehen sich an

Dass Weber allein an die Spitze der Deutschen Bank rückt, halten Kenner des Instituts für unwahrscheinlich. „Weber kann keine Investmentbank führen“, heißt es. Er sei ein Theoretiker, kein Banker – und selbst die weltpolitische Rolle der Deutschen Bank basiere allein auf ihrer wirtschaftlichen Stärke. Die liefert vor allem Investmentbankchef Anshu Jain. Doch auch der gebürtige Inder könnte das Institut nicht allein führen. „Wir stehen für Deutschland, und Deutschland steht für uns“, hat Ackermann gelernt. Das müsse sich auch personell an der Spitze ausdrücken. Ein Ausländer-Solo scheidet damit aus.

Bei einer Doppelspitze würde Weber als Aushängeschild für Solidität den „deutschen Teil“ der Hauses übernehmen: Er kümmert sich um das Risikomanagement, behält Konjunktur- und Zinsentwicklung im Blick, repräsentiert vor Politikern und besänftigt Regulatoren. Jain würde im Hintergrund agieren und sich fernab der Debatten auf dem ihm fremden Heimatmarkt um Milliardentransaktionen kümmern.

Die beiden Männer sind vollkommen unterschiedlich und könnten doch ein Team bilden. Wenn sie nebeneinander stehen, überragt Weber Jain um einen guten Kopf. Der Noch-Bundesbank-Chef tritt auf, wie sich die Welt einen deutschen Panzer-General vorstellt – mit massiver Körperlichkeit und zurückgestrichenem Haar, das den Blick auf Gegenüber und Frontlage nicht verlegen darf. Weber redet mit sonorer, befehlsgewohnter Stimme. Er ist ein Mann der Überzeugung, eine Art Martin Luther der Geldpolitik, er steht da und kann nicht anders. Damit repräsentiert er jene Zuverlässigkeit, die die Welt mit Deutschland verbindet – und die Teile der Öffentlichkeit nicht zuletzt wegen millionenschwerer Schadensersatzprozesse bei der Deutschen Bank vermissen.

Vor allem aber kennt Weber wie nur wenige die Formel, mit der die Notenbanken der Welt Geld und Zinsen erzeugen. Für Jain wäre dies der Rohstoff, den er mit seinen Deals in Profite verwandelt.

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