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Ackermann-Nachfolge Was Weber der Deutschen Bank brächte

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Anshu Jain Quelle: dpa

Der gebürtige Inder ist der reine Kontrast zu Weber. Die Geste des Machos, die breite Brust, all das ist ihm fremd. Jain lebt nicht für Wörter, Überzeugungen und den öffentlichen Auftritt, sondern für Spreads, Margen und Provisionen. Bei seinen wenigen Gastspielen in Deutschland wirkte er scheu, in kleinerer Runde beeindruckt er mit intellektueller Brillanz. Seine Mitarbeiter schätzen ihn, sein Umgang ist fordernd und motivierend.

„Jain ist ein rationaler Mensch und sieht die Grenzen des Machbaren“, heißt es in Finanzkreisen. So weiß er, wie wichtig es ist, die deutsche Sprache zu beherrschen. „Weber wäre Jain lieber als jeder andere Kandidat“, heißt es. Andere Externe würden sich kaum in eine Doppelspitze einordnen, interne Kandidaten dürfte Jain nicht akzeptieren. Personalberater halten die Konstruktion zwar für „suboptimal“. Die Deutsche Bank sei jedoch „gleichzeitig stark und ratlos genug dafür“, sagt einer, der das Institut gut kennt.

Auch in dieser Konstellation wäre der Wechsel auf einen Top-Job bei der Bank für Weber jedoch nicht unproblematisch – schon aus formalen Gründen. Weber, vor seinem Job bei der Bundesbank Volkswirtschaftsprofessor in Bonn, fehlt die Bankerfahrung. In hochrangigen Kreisen der Finanzaufsicht BaFin hieß es zuletzt, dass er die formalen Anforderungen für einen Vorstandsposten beim Primus der deutschen Kreditwirtschaft derzeit nicht erfülle. Die Qualifikation ließe sich allerdings nachholen.

Die Deutsche Bank im Vergleich zu ausgewählten Wettbewerbern

Auch in der Deutschen Bank ist die Skepsis groß. So mancher Manager zweifelt an Webers Kompetenz und seinen Führungsqualitäten, die seit dem Ausscheiden Thilo Sarrazins umstritten sind. Zudem könnte er durch die Umstände seines Abgangs ein wichtiges Argument verloren haben. „Für ein schlechtes Verhältnis zur Kanzlerin brauchen wir ihn nicht – das hatte Ackermann selbst“, sagt ein Deutschbanker. „Sein Freundeskreis hat um einige zentrale Personen abgenommen“, sagt ein Merkel-Beamter.

Unklar ist auch, wie die anderen Vorstände reagieren, wenn ihnen ein Professor vor die Nase gesetzt wird.

Außer Jain sind die anderen internen Kandidaten Außenseiter im Wettlauf an die Spitze. Am ehesten trauen Insider den Job Finanzchef Stefan Krause zu, der 2008 von BMW zur Deutschen Bank gekommen war. Er hat sich nach einer Eingewöhnungszeit akklimatisiert, seine Zahlen im Griff, macht vor Analysten eine gute Figur – und ist außerhalb der Bank nahezu unbekannt. Risikovorstand Hugo Bänziger gilt als fachlich brillant und kennt jeden Winkel des Instituts. Jedoch machen intern Geschichten über ein selbstherrliches Führungsverständnis die Runde.

Die Übernahme der Postbank und verbesserte Ergebnisse haben die Position von Privatkundenchef Rainer Neske gestärkt. Er ist jedoch stark im operativen Geschäft verwurzelt, ihm fehlen das internationale Profil und die politischen Kontakte. Neske, so heißt es, habe in der Nachfolgedebatte bislang keine Rolle gespielt.

Die Zeit drängt auch deshalb, weil sich die Deutsche Bank mitten im Umbruch befindet. Sie hat durch den Wegfall von Konkurrenten Marktanteile im Investmentbanking gewonnen. Doch das Geschäft mit Aktien und Anleihen dürfte schon wegen der verschärften Regulierung kaum je wieder so viel abwerfen wie vor der Krise.

Gleichzeitig steht die Bank vor großen Integrationsaufgaben. Die Übernahme der Postbank bedeutet den größten Einschnitt der jüngeren Geschichte. Auch die Privatbank Sal. Oppenheim ist ein Brocken, der erst einmal verdaut werden muss. Mit beiden Zukäufen hat Ackermann seine Ankündigung wahr gemacht, sich stärker dem Heimatmarkt zuzuwenden. Beide Institute sind jedoch im Kerngeschäft ertragsschwach und hatten bei der Übernahme Risiken in Milliardenhöhe auf der Bilanz. Wegen der Integration werden vermutlich Tausende Stellen wegfallen.

Nicht zuletzt Ackermann selbst hat die Messlatte zuletzt noch einmal hoch gehängt. Zwar hat er sich zuletzt von seinem umstrittenen Ziel einer Eigenkapitalrendite von 25 Prozent distanziert. Der von ihm avisierte Vorsteuergewinn von zehn Milliarden Euro in diesem Jahr solle jedoch kein einmaliger Ausreißer nach oben bleiben, kündigte er jüngst an. Wer auch immer ihm folgt – der Schatten Ackermanns wird nach seinem Abschied allein schon deshalb lang sein. 

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