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ACS-Übernahme Hochtief vor der Zerreißprobe

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Global Player

Noch undurchschaubarer ist, was Perez, der ACS zusammen mit Hochtief und deren australischer Tochter Leighton zum drittgrößten Bauimperium der Welt macht (siehe Grafik), mit den Essenern nun anfangen will. Klar ist nur: Sobald er die 50-Prozent-Schwelle erreicht, saniert die hoch verschuldete ACS mit dem finanziell gesunden, aber ertragsschwachen Unternehmen aus dem Ruhrpott die eigene Bilanz.

Aber ob Perez Hochtief mittelfristig zerschlägt, um Kasse zu machen, oder ob er den deutschen Konzern mit seinen amerikanischen und australischen Töchtern und wachsendem Geschäft in der Golfregion wie versprochen langfristig erhält, um ACS internationaler aufzustellen, das steht in den Sternen. Klaus Wiesehügel, Hochtief-Aufsichtsrat und Chef der Gewerkschaft IG Bau: „Nach meinem Eindruck ist es nicht im Interesse von ACS, Hochtief zu zerschlagen. Aber morgen kann die Situation eine völlig andere sein.“

Belastete Zukunft

In hochrangigen Kreisen der deutschen Bauwirtschaft heißt es, Perez habe bereits in der österreichischen Zentrale des Baukonzerns Strabag bei Inhaber Hans-Peter Haselsteiner vorgefühlt, ob dieser an Teilen von Hochtief interessiert sei. Von Strabag war keine Stellungnahme zu erhalten.

Das würde Perez’ Ruf bestätigen, ohne Rücksicht auf das eigene Image zu agieren. Die feindliche Hochtief-Übernahme war generalstabsmäßig geplant – und streng geheim. „Projekt Moon“ lautete das Codewort dafür bei der Investmentbank Lazard, der Elitetruppe des Übernahmekommandos. Moon war die Chiffre für Hochtief, Sun stand für Lazards Auftraggeber ACS. Die Frankfurter Banker beteuern heute, ihnen seien keine Überlegungen seitens ACS bekannt, Hochtief komplett zu übernehmen oder Teile zu verkaufen.

Selbst wenn Perez Hochtief als Ganzes erhält: Friedliche Zusammenarbeit mit den Spaniern ist schwer vorstellbar. Obwohl ACS seit vier Jahren an den Essenern beteiligt ist, stehen sich die Unternehmen fremd gegenüber wie seinerzeit Cortes und Aztekenkönig Montezuma.

Hochtief ist innerlich zerrissen. Konzerninterne Fraktionen und Interessengruppen stricken an ihren Versionen über Schlüsselszenen nicht nur aus den acht Monaten Übernahmekampf, sondern auch aus den vier Jahren davor.

Denn ACS stieg bereits im März 2007 bei Hochtief ein. Die Spanier kauften ein 25- Prozent-Paket von der Custodia Holding des Milliardärs August von Finck. Fast zeitgleich übernahm Lütkestratkötter von Hans-Peter Keitel, dem heutigen BDI-Präsidenten, den Chefsessel. Journalisten stellte er sich damals als Münsterländer von Geburt und aus Überzeugung vor: „Mir ist keine große Diplomatenkarriere bekannt, die im Münsterland begonnen hätte. Mir sind aber dort viele Leute begegnet, die geradlinig und verlässlich sind, nicht nach dem Motto ,Was geht mich mein Geschwätz von gestern an‘.“

Mangelnde Geradlinigkeit hat Lütkestratkötter ACS vorgeworfen – vor allem, weil Perez ihn nicht von seinem Vorstoß informiert hat, die Mehrheit an Hochtief übernehmen zu wollen. Das soll Perez Lütkestratkötter mehrfach zugesagt haben, erzählen Vertraute des Hochtief-Chefs. Die beiden nennen sich sogar beim Vornamen.

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