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ACS-Übernahme Hochtief vor der Zerreißprobe

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Der ehemalige Quelle: dpa

Zuvor hatte der Australier noch Kontakte zu ACS gepflegt. Im Juni 2010 war King nach Madrid geflogen, um Perez ein Joint-Venture-Angebot zu unterbreiten. King und Perez gelten als gute Freunde. Ihre Konzerne traten öfter als Bieter-Tandem auf. Im November 2010 sicherte ACS denn auch Leighton schriftlich zu, nach einer Übernahme von Hochtief werde sich für die Australier nichts ändern.

Kein Wunder, dass Hochtief in Australien vergebens Schützenhilfe gegen den ACS-Angriff suchte. Die Wertpapieraufsicht ASIC und die Übernahmeaufsicht Takeover Panel weigerten sich, in die Übernahme einzugreifen. Und am Ende ließ ausgerechnet Leighton Lütkestratkötter in eine böse Falle tappen. Nur drei Wochen nachdem er für 2011 einen Milliardengewinn angekündigt hatte, musste er am 11. April wegen Leighton-Verlusten eine Gewinnwarnung herausgeben. Umstritten ist, ob der hohe Umfang, in dem Leighton plötzlich Abschreibungen auf seine Risiken anberaumte, unvermeidlich und angemessen war.

Kluft im Arbeitnehmerlager

Die Gewinnwarnung kam fast zeitgleich mit der Rückzugsankündigung von Dr. Lü am 10. April. Der Hochtief-Chef hätte wohl auch unter der Regie der Spanier weitergemacht, sagt ein Vertrauter – vorausgesetzt, ACS hätte ihn seine Strategien für das Unternehmen weiter umsetzen lassen.

Doch Lütkestratkötter sei den Spaniern zu widerspenstig gewesen, heißt es aus Aufsichtsratskreisen von Hochtief. Daher hätten sie ihn mit juristischen Drohszenarien unter Druck gesetzt, eine Aufhebungsvereinbarung zu unterzeichnen. „In solchen Fällen“, sagt Aktienrechtler Oliver Maaß von der Anwaltskanzlei Heisse Kursawe Eversheds in München, „kann es etwa darum gehen, dass die Hauptversammlung dem Vorstand das Vertrauen entzieht und damit Schadensersatzforderungen den Weg ebnet.“ Eine Spekulation. Aber mit einer Zusicherung des Großaktionärs, auf Maßnahmen zu verzichten, wäre der Hochtief-Chef, der vier Millionen Euro Abfindung erhält und den ACS als Hochtief-Berater einbindet, auf der sicheren Seite.

Auch die Methoden, mit denen ACS die anfangs geschlossene Abwehrfront von Belegschaft und Management aufbrach, haben verbrannte Erde hinterlassen.

Am 22. Dezember 2010 präsentierte plötzlich Klaus Wiesehügel, Chef der Gewerkschaft IG Bau und Hochtief-Aufsichtsrat, ein Neun-Punkte-Papier, das er tags zuvor in der ACS-Zentrale in Madrid unterschrieben hatte. „Damit sind die Bedenken der IG Bau gegen eine Übernahme von Hochtief durch ACS ausgeräumt“, schockte er die Hochtief-Kämpfer. Dass und wie es dazu kam, trieb den damaligen Konzernbetriebsratschef Siegfried Müller zum Austritt aus der Gewerkschaft.

Wiesehügel hatte bereits Anfang November Verhandlungen mit ACS empfohlen. Um diese zu verhindern, ließ Müller darüber zweimal im Konzernbetriebsrat diskutieren und war nach dem Diskussionsverlauf der Überzeugung, die IG Bau habe kein Mandat für Verhandlungen mit ACS. „Wir fühlen uns brüskiert und auch ein wenig verraten“, hatte Müller Wiesehügel offen angegriffen. Er forderte den Gewerkschaftsboss gar auf, den Aufsichtsratsposten niederzulegen.

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