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ACS-Übernahme Hochtief vor der Zerreißprobe

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Klaus Wiesehuegel verhandelte Quelle: AP

Die Gewerkschaft wiederum versuchte Müller an die Leine zu nehmen und lud Hochtief-Betriebsräte zu einem angeblichen Seminar in die IG-Bau-Zentrale nach Frankfurt ein. Müller wurde dort gerüffelt für seine Kritik – und wiederholte sie später doch. Bald darauf trat er zurück.

Das geschah aber nicht aus freien Stücken, sondern weil andere Betriebsräte letztlich der Gewerkschaftsdisziplin gehorchten und Müller ihre Unterstützung entzogen. Sie dominierten im Konzernbetriebsrat, wo jeder so viele Stimmen auf die Waage bringt, wie Arbeitnehmer in seinem Unternehmensbereich arbeiten. Bei Müller, der zum Essener Hochtief-Hauptquartier gehört, sind das einige Hundert, bei den Vertretern der Bau- und der Dienstleistungssparte mehrere Tausend.

Die verfeindeten Arbeitnehmervertreter begegnen sich weiter auf Augenhöhe: im Hochtief-Aufsichtsrat. Wiesehügel und Müller wurden von den Hochtieflern auf die Arbeitnehmerbank des Gremiums gewählt. „Es ist bis heute so, dass es in der Belegschaft zwei unterschiedliche Positionen gibt“, sagt Wiesehügel. Für ihn sei Müller „vorstandsgelenkt gewesen“. Der IG-Bau-Boss ist davon überzeugt, ACS zum richtigen Zeitpunkt Zugeständnisse abgerungen zu haben, die die Spanier nach Erreichen der 30-Prozent-Schwelle nicht mehr hätten machen müssen.

Doppeltes Spiel im Management

Argwohn erweckt allerdings, dass der Gewerkschaftschef einen Mann ganz gut kennt, der auf ACS-Seite kämpft: Hans-Martin Bury. Als Wiesehügel noch für die SPD im Bundestag saß, war Bury Kanzleramtsminister von Bundeskanzler Gerhard Schröder und organisierte Ende 1999 die temporäre Rettung des Bauriesen Philipp Holzmann. Heute ist der Strippenzieher Partner der Kommunikationsberatung Hering Schuppener. Wiesehügel behauptet, er habe von dieser Funktion des Ex-Genossen nichts gewusst und ihn erst am 20. Dezember zufällig im Abflugbereich des Frankfurter Flughafens wieder getroffen – beide auf dem Weg nach Madrid, um das Neun-Punkte-Papier zu verhandeln.

Ein seltsamer Zufall. Der Verdacht liegt nahe, dass Bury Wiesehügel zum Seitenwechsel bewog. Der bestreitet, „dass ich das vorher mit Bury besprochen hatte“.

Auch der Seitenwechsel des künftigen Hochtief-Lenkers Stieler gibt Rätsel auf. Hochtiefler argwöhnen, dass der 52-Jährige, den Lütkestratkötter persönlich zwei Jahre zuvor von Siemens geholt hatte, eine Zeit lang zur Abwehrstrategie seines widerspenstigen Chefs genickt und parallel hinter dessen Rücken mit ACS Modalitäten des Machtwechsels ausgehandelt haben könnte.

Stieler fehlt das Vertrauen in Teilen der Belegschaft und des Managements. Lütkestratkötter war im Konzern respektiert und hatte im Abwehrkampf die überwiegende Mehrheit der Hochtiefler hinter sich. Zudem hat Stieler keine Hausmacht, ein Jurist ohne Hochtief-Stallgeruch, der sich zudem bei der schwierigen Fusion der Bausparte Constructions mit dem Servicegeschäft zur neuen Einheit Hochtief Solutions Feinde gemacht hat. Rückhalt geben Stieler nur die ACS-Manager, und die gelten vielen in Essen als Verräter.

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