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ACS-Übernahme Hochtief vor der Zerreißprobe

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Auf den Verratsvorwurf entgegnen die Spanier, ACS habe eine Hochtief-Übernahme „nie definitiv ausgeschlossen“. Doch Aufsichtsratsprotokolle aus den Jahren 2008 bis 2010 beweisen, so Mitglieder des Gremiums, das Gegenteil. Die ACS-Vertreter Angel Garcia Altozano und Marcelino Fernandez Verdes wurden immer wieder um verlässliche Bekenntnisse gebeten, dass ACS bei Hochtief keine Mehrheit anstrebt. Das versicherten sie. ACS verfolgt mit dem Erwerb zusätzlicher Anteile „keine weiteren Absichten“, heißt es in einem Protokoll. Ein andermal thematisieren die deutschen Aufsichtsräte sogar den Fall des spanischen Bauunternehmens Dragados. Das hatte ACS trotz früherer gegenteiliger Beteuerungen 2002 geschluckt. ACS-Mann Altozano bestätigte, so Aufsichtsräte, „ACS habe zwar in der Vergangenheit Dragados übernommen, plane dies im Fall Hochtief aber nicht“.

Zweifelhafte Absichten

Den Schwenk hat Perez eingestanden: Die Wirtschaftslage sei eine andere als noch 2009, verteidigte er sich, nachdem er das Hochtief-Übernahmeangebot verkündet hatte: „Partnerschaften mit privaten Baukonzernen sind zwingend.“

Grund: Die Schuldenkrise Spaniens macht Kredite teurer, und die geplatzte Immobilienblase treibt in Spanien tätige Konzerne ins Ausland. 2009 erwirtschaftete ACS, das eine viel höhere Umsatzrendite erzielte als Hochtief, noch drei Viertel seines Umsatzes im Heimatmarkt. Seit dem Einstieg 2007 gab es allerdings keine neuen gemeinsamen Projekte von ACS und Hochtief. Warum das nun anders werden soll, hat ACS bisher nicht verständlich gemacht. Der designierte Chef Stieler sagt trotzdem, die Übernahme sei „für Hochtief und ACS eine Win-win-Entscheidung“.

Für Bauverbandschef Knipper ist sie ein Verlust. Bis ins Kanzleramt hatte Lütkestratkötter am 6. Oktober vergangenen Jahres seinen Protest getragen – und verließ es enttäuscht nach einstündigem Gespräch mit dem heutigen Bundesbankpräsidenten Jens Weidmann, der damals die Wirtschaftsabteilung leitete. Bisher ändert sich nichts am Wertpapierübernahmegesetz, nach dem ein Unternehmen nach Überschreitung der 30-Prozent-Grenze kein weiteres Pflichtangebot an die Aktionäre machen muss – einer Regelung, die die ACS-Übernahme erleichtert hat. Auch das riss einen Graben – zwischen Bundesregierung und Bauverband. Cheflobbyist Knipper: „Wir sind enttäuscht, dass die Politik nicht begriffen hat, dass Deutschland eine hoch innovative und wettbewerbsfähige Bauindustrie braucht.“  

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