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Adidas-Chef Herbert Hainer "Die Finger schlecken"

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Warum hat es geschlagene drei Jahre gedauert, die Altware aus dem Handel zu bekommen?

Ich gebe zu, es hat länger gedauert, als ich selber gedacht habe. Abgesehen davon, das es in unserer Branche nun einmal einen gewissen Vorlauf braucht, um neue Modelle auf den Markt zu bringen, sind wir auch immer wieder von neuen Baustellen überrascht worden.

Was für Baustellen?

Wir haben nach dem Kauf von Reebok höhere Bestände im Handel gefunden als ursprünglich gedacht.

Sind Sie über den Tisch gezogen worden?

Das möchte ich nicht kommentieren – jedenfalls konnten wir nicht alles von heute auf morgen auf den Markt bringen, damit hätten wir die Marke so stark beschädigt, dass wir danach erst einmal zwei Jahre Brachland gehabt hätten. Stattdessen haben wir die Bestände Region für Region und Kunde für Kunde sauber abgebaut. Nur ein Beispiel – wir hatten bei einem großen Kunden Mitte 2006 einen 72-Wochen-Bestand an Ware! Der hätte eineinhalb Jahre nichts mehr kaufen brauchen und hätte immer noch genügend Ware im Laden gehabt. Heute ist dieser Kunde auf 16 Wochen Lagerbestand herunter, damit ist er eher an der unteren Grenze. Und so sieht es mittlerweile fast überall aus – bei der Kette Foot Locker sehen Sie jetzt nur noch neue Ware.

Na, hoffentlich taugt die was...

Schauen Sie sich die Schuhe und Konzepte in unserem Showroom doch mal an – wenn Sie der Meinung sind, ich habe Ihnen Käse erzählt, kommen Sie direkt wieder. Ich setze mich dann gern noch mal konstruktiv mit Ihnen auseinander. (grinst)

Seit Sie Vorstandschef sind, hatten Sie stets positive Zahlen zu melden. Ausgerechnet zum 60. Geburtstag von Adidas gaben Sie jedoch negative Erwartungen für 2009 aus – was setzt dem Konzern am meisten zu?

Wir können uns der weltweiten Wirtschaftskrise nicht entziehen. Zum einen sind die Verbraucher vorsichtiger geworden – die Menschen werden 2009 weniger Geld ausgeben. Sie sind verunsichert. In Märkten wie den USA oder Großbritannien herrscht deshalb ein größerer Preisdruck, der drückt natürlich auch auf unsere Margen. Das schwerwiegendste sind allerdings die Währungsschwankungen. Die machen uns ein Stück weit hilflos – denn unser Geschäft haben wir ganz gut im Griff. Natürlich machen wir auch Fehler, aber die kann man beheben. Bei den Währungen ist das anders. Nehmen Sie den Rubel oder das englische Pfund. Der Rubel hat in den vergangenen sechs Monaten 50 Prozent verloren gegenüber dem Euro und das Pfund gut 25 Prozent. Russland und England sind starke Märkte für uns, beim Umsatz wie beim Ertrag, das schlägt also in unserer Gewinn- und Verlustrechnung durch.

Am Markt etwa in Russland liegt es nicht?

Nein, das ist ja das frappierende: Normalerweise, wenn man Umsatzrückgänge in einem Land hat, kann man darauf reagieren, mit Kostensenkung, der Reduktion der Belegschaft. Das geht in Russland aber nicht: Nach Stückzahlen gerechnet verkaufen wir etwa genauso viele Schuhe und Shirts wie im vergangenen Jahr. Aber wir bekommen bei Umsatz und Ertrag deutlich weniger rein.

Gibt es Märkte, wo es wider Erwarten nicht so schwarz aussieht?

Deutschland läuft nach wie vor überraschend gut. Auch der Sportfachhandel hat im Januar und Februar gute Umsätze gemacht. Der Handel war in der Lage, etwa Altbestände im Skibereich abzuverkaufen. Deshalb waren die Händler im Januar und Februar absolut happy.

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