WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Adidas-Chef Herbert Hainer "Die Finger schlecken"

Seite 3/3

Schön für die Händler, was hat Adidas davon?

Der Hauptvorteil für uns ist, dass die Händler Geld in der Kasse haben, um die Ware für Juli, August und September einzukaufen. Wäre der Winter schlecht gelaufen, hätten sie automatisch die Budgets zurückgefahren. Jetzt kommen sie mit einer ganz anderen Stimmung zu uns in die Verkaufsräume. Zudem haben die Einkaufsverbände ihren Händlern den Rat gegeben, die Zahl ihrer Lieferanten zu überprüfen. Davon profitieren starke Marken wie wir. Gleichzeitig wollen wir mit dem Handel aber auch noch intensiver zusammen arbeiten..

Was planen Sie?

Ich will mit unseren Zuliefern, die die Schuhe und Textilien für uns herstellen, besprechen, wie wir die Produktion noch flexibler machen können, um nicht mehr so lange im Voraus bestellen zu müssen, weil auch die Modezyklen immer noch schneller werden.

Auf welche Fristen wollen Sie kommen?

Im Moment haben wie Vorbestellfristen von zwölf Monaten bis sechs Wochen – das reicht von einem hochkomplizierten Produkt wie einem innovativen Laufschuh, der diesen Vorlauf braucht, bis zum einfachen T-Shirt. In Zukunft soll das alles kurzfristiger möglich sein.

Nike wird sich von Herstellern in Vietnam und China trennen – planen Sie das ebenfalls?

Ja, wir schauen uns auch unsere Beschaffungskette an. Konkrete Pläne, uns von Herstellern zu trennen, gibt es momentan aber nicht.

Sie hatten angekündigt, in China werde der Umsatz der Adidas-Gruppe bis Ende 2010 eine Milliarde Euro überschreiten – bleibt es dabei?

Auch in China ist es schwieriger geworden. Aber das liegt größtenteils an der Verunsicherung der Menschen. China wird auch 2009 ein Wirtschaftswachstum zwischen sechs und acht Prozent erreichen, da würden wir uns im Westen die Finger nach schlecken. Aus Sicht der Chinesen ist das aber schwach, weil sie ein anderes Wachstumstempo gewohnt waren. Trotzdem gehe ich davon aus, dass wir 2010 die Eine-Milliarde-Schwelle überschreiten – wir waren schon 2008 kurz davor. Und wäre nicht die Krise dazwischen gekommen, hätten wir es 2009 geschafft. Unabhängig davon ist China heute unser zweitgrößter Markt hinter den USA, gefolgt von Japan, danach sind Deutschland und Russland etwa gleichauf.

Russland ist also bereits Ihr größter Markt in Europa – ursprünglich hatten Sie damit gerechnet, dort erst Ende 2010 so weit zu sein?

Stimmt, und auf Sicht wird Russland in konstanter Währung sogar unser drittgrößter Markt weltweit sein. Ohne jetzt ins Detail gehen zu wollen, können Sie davon ausgehen, dass unser Umsatz dort heute schon zwischen einer halben und einer Milliarde Euro liegt.

Halten Sie in Russland Ihr Tempo weiter so hoch – 2007 hatten Sie dort 240 Läden, bis Ende 2009 sollten es 700 sein?

Nein, wir wären doch Hasardeure, wenn wir jetzt blindlings einfach weitermachen würden. Wir eröffnen zwar nach wie vor Geschäfte – allein für Adidas werden wir in diesem Jahr rund 65 weitere aufmachen, und etwa 35 für Reebok. Aber wir expandieren nicht mehr so schnell wie in den Boomjahren 2006 und 2007. Ursprünglich hatten wir allein für Adidas um die 100 neue Läden geplant Wie es 2010 weitergeht, hängt davon ab, wie lange die Krise dauert. Jetzt ist es erst einmal vernünftig, auf die Bilanz zu achten und das Unternehmen stabil zu halten, statt primär Wachstum zu erzeugen.

Eine generelle Absage an Expansion mit eigenen Läden ist das aber nicht?

Nein, wir werden weiter weltweit Geschäfte eröffnen – und da hat die Krise ja auch ihr Gutes: Wir bekommen heute Läden in Lagen angeboten, an die wir vorher nicht herangekommen sind. Heute rufen uns plötzlich Besitzer von Einkaufszentren und Immobilien-Entwickler an, die uns Filetstücke anbieten. Die schauen wir uns gründlich an, denn am Ende nutzt ja die beste Lage nichts, wenn kein Mensch in die Mall geht.

Profitieren Sie von sinkenden Mietpreisen?

Das ist sicher so – wir führen gerade viele sehr konstruktive Gespräche mit unseren Vermietern. (lächelt)          

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%