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Adidas-Chef Herbert Hainer im Interview "Schlechtes Gewissen? Wieso?"

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Dominantes Duo

Der kleine Laufschuhanbieter Lunge will in Mecklenburg-Vorpommern Schuhe aus heimischer Produktion anbieten – und dafür auf Werbung verzichten.

Ich wünsche viel Erfolg. Bei allem Respekt: Lunge will ja auch nur einige Tausend Stück anbieten. Wir denken da in Millionen. Das sind andere Dimensionen.

Umso gefährlicher ist für Sie die weltweite Finanzkrise und Konjunkturkrise. Müssen Sie nun Ihre optimistischen Prognosen reduzieren?

Klar, die Konjunktur hat eine Delle. Wir spüren, dass sich unsere Märkte in den USA, England und Spanien abschwächen. In Deutschland trübt sich die Stimmung ein. Andere Länder, wie China, Indien und Russland, laufen dagegen sehr gut für uns. Wir machen jedoch keine Abstriche an unserer Prognose: Wir werden 2008 beim Umsatz im hohen einstelligen Prozentbereich wachsen und unseren Gewinn um mindestens 15 Prozent erhöhen. Das werden wir definitiv erfüllen. So wie wir in den acht Jahren, in denen ich Vorstandschef bin, unsere Prognosen immer erfüllt haben. Ich habe keine Lust, das zu ändern.

Und wann überholen Sie Nike?

Wenn wir alles richtig machen, wird uns das irgendwann gelingen. Wir liegen beim weltweiten Konzernumsatz aktuell noch ungefähr anderthalb bis zwei Milliarden Dollar hinter Nike. Vor drei Jahren waren wir noch sieben Milliarden Dollar weg. Wir kommen also schon näher.

Klar, im Jahr 2005 haben Sie auch den US-Konzern Reebok für drei Milliarden Euro gekauft. Ohne Reebok hätten Sie nie so aufgeholt.

Das war nicht nur Reebok. Wir sind auch in vielen Märkten schneller gewachsen.

Die Integration verlief ja zunächst schleppend.

Wir werden in diesem Jahr mit Reebok wieder wachsen. Ich sage ein mittleres bis hohes einstelliges Umsatzwachstum voraus. Aber die Arbeit ist noch nicht getan. Sehr gut läuft es zum Beispiel bereits in Indien, Russland, China und Polen. Wir müssen aber vor allem in den Kernmärkten in Europa, insbesondere England, besser werden. Auch in Deutschland werden wir im Frühjahr/Sommer 2009 mit Reebok einen deutlich besseren Auftritt hinlegen. Wir eröffnen eigene Shops in Kaufhäusern und werden bei den Fachhändlern deutlich sichtbarer sein.

Weshalb tritt Reebok bei sportlichen Großereignissen kaum in Erscheinung?

Wir positionieren Reebok vor allem in den Bereichen Fitness, Women, Training und Aerobic. Da sind Fußball und Olympia keine geeigneten Plattformen. Natürlich werden wir auch einige Fußballer und Teams unter Vertrag nehmen, weil beim Fußball die meisten Menschen hingucken. In der neuen Bundesliga-Saison spielt zum Beispiel der 1. FC Köln in Reebok.

Glücksfall Beckham

Vom einstigen Adidas-Werbeträger, dem englischen Nationalspieler David Beckham, hört man kaum noch etwas, seit er als Fußball-Rentner bei den Los Angeles Galaxy spielt. Haben Sie schon einen Nachfolger?

Beckham ist ein Glücksfall. Ein sehr guter Fußballer, eine Stilikone, gut aussehend, enorm freundlich und hat dazu eine Frau, die gerne in der Öffentlichkeit steht. Ich sehe derzeit keinen, der ein zweiter Beckham sein könnte.

Ist die Zeit der Superstars vorbei? Auch die Nike-Stars Ronaldo und Ronaldinho stecken in der Krise.

Solche Persönlichkeiten fallen eben nicht vom Himmel. In den USA sucht man heute noch den neuen Michael Jordan.Gemeinsam dominieren Adidas und Nike über zwei Drittel des Weltmarktes, der Abstand zu anderen Konkurrenten wie Puma ist sehr groß. Und die Lücke wird noch größer werden. Denn Nike und Adidas haben entsprechende finanzielle Mittel und Know-how. Das Engagement bei Olympia, bei der Fußball-WM, der EM, die Verträge mit den großen Vereinen, den Stars, den Athleten – das ist ja alles nicht billig. Das können zum größten Teil nur die beiden Hauptmarken leisten, auch wenn Puma mit dem französischen Luxusriesen PPR eine potente Konzernmutter besitzt.

28 zu 27 für Nike

Wird das Sportsponsoring mit Blick auf die wachsende Zahl kaufkräftiger Konsumenten, die es weltweit zu erreichen gilt, immer teurer?

Die stärksten Wettbewerber sind genau wie wir an der Börse notiert und müssen betriebswirtschaftlich denken. Ich glaube, dass die Sponsoring-Preise nicht immer weiter steigen werden, sondern sich einpendeln. Wir haben etwa unseren Vertrag mit der französischen Nationalelf, der noch bis Ende 2010 läuft, nicht verlängert. Die Franzosen wären gerne bei uns geblieben – wenn wir den gleichen Betrag oder auch etwas weniger hingelegt hätten als die Konkurrenz. Aber uns war es das nicht wert. Das Risiko war zu groß. Was ist, wenn Frankreich sich nicht für die nächste EM qualifiziert? Dann haben wir eine wirtschaftliche Trockenperiode, zahlen aber gehörig ein.

Ab 2011 übernimmt Nike die französische Elf.

Wir sind von der Entscheidung überzeugt.

Wissen Sie eigentlich, dass Nike bei Olympia in Peking gegenüber Adidas die Nase vorn hat?

Jetzt bin ich aber gespannt.

Nike rüstet Teams in allen 28 olympischen Sportarten aus, Adidas nur 27.

Stimmt, bei uns fehlt das Reiten. Aber sehen Sie uns das bitte nach. Wir haben bei Adidas einfach noch nichts gefunden, wie wir einen Reitstiefel besser machen können. Wir haben allerdings auch noch nicht intensiv danach gesucht.

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