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Afrika Coke für die Wüste

Coca-Cola hat sich hohe Ziele gesetzt und will das Geschäft in Afrika ausbauen. Auf dem Kontinent ist der Zuckergehalt in dem Kultgetränk noch kein Thema.

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Kinder vor einer Coca-Cola Reklame

In den großen Industrieländern wächst Coca-Cola, der größte Getränkekonzern der Welt, kaum noch. Umso wichtiger sind die Entwicklungs- und Schwellenländer, wo sowohl das Coke-Geschäft mit Säften und Wasser als auch mit den süßen Brausen kräftig zulegt. In Lateinamerika wächst das Geschäft mit stillen Getränken (Säfte, Wasser, Tee) zweistellig, Kohlensäurehaltiges legte immerhin um fünf Prozent zu.

Neues Eldorado von Coca-Cola-Chef Muhtar Kent ist Afrika. Hier investiert er bis 2020 zwölf Milliarden Dollar. „Afrika hat das Zeug, der große Erfolg der kommenden Dekade zu werden“, hofft Kent. Schließlich wachse die Wirtschaft dort nach China und Lateinamerika am stärksten. Die afrikanische Mittelschicht, die sich eine eisgekühlte Coke leisten könne, werde immer größer. Und die Diskussion um zu viel Zucker in Limonaden ist in Afrika kein Thema.

Für Coca-Cola habe Afrika gar eine größere Bedeutung als Indien und China, weil die Relevanz des Geschäftes größer sei, sagt Kent. Die Region erzielte 2010 mit 16 Prozent das größte Umsatzplus im Konzern. Dabei half, dass Coke einer der Hauptsponsoren der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika war. Coke verkauft in Afrika bereits Getränke im Wert von 2,5 Milliarden Dollar.

Große Ziele

Dieses Geschäft will Kent, der typisch amerikanisch stets Optimismus ausstrahlt, in den kommenden zehn Jahren verdoppeln – trotz der Kriege, Krisen oder Umweltkatastrophen, die den Handel zuweilen erschweren. Seit dem Bau der ersten Fabrik in Südafrika 1928 ist Coca-Cola auf dem Schwarzen Kontinent aktiv. Heute hat der Konzern dort rund 160 Abfüller, die die Brause in die kleinen, taillierten Flaschen fließen lassen: ein Teil Sirup, fünf Teile Wasser und Zucker. Im Sommer eröffnet eine neue Fabrik in Südafrika, eine weitere in Somali-Land ist im Bau.

Wenn Kent im heimischen Atlanta vom fernen Afrika schwärmt, erinnert er gern an den legendären Coke-Chef Woodruff, der den Ausdruck „Auf Armes Länge“ geprägt hat: Überall soll Coca-Cola verfügbar sein bis ins entlegenste Dorf. Kents Parole: „Das gilt auch für Afrika.“

Humanitär hilft

Dabei hilft die enge Zusammenarbeit mit Hilfsorganisationen. So betreibt Coca-Cola in 320 Gemeinden in 86 Ländern Wasserprojekte, die meisten in Afrika und Indien. Wada (Water and Development Alliance) nennt sich etwa ein Projekt mit dem US-Entwicklungsministerium, bei dem 20 Millionen Dollar in Wasserprojekte in Afrika fließen sollen. Mit Programmen wie Wada reichen die Arme aus Atlanta bis in das entlegene Dorf Chanzoi in Kenia: Dank Coca-Cola haben dort und in weiteren Dörfern entlang der Küste des Indischen Ozeans rund 3000 Menschen seit einem halben Jahr Zugang zu sauberem Wasser und Sanitäranlagen.

Die Wasserprojekte helfen den Abfüllern zugleich dabei, das Geschäft mit Coca-Cola auch in den ärmsten Regionen voranzutreiben. Sie sind auf sauberes Wasser für die Produktion angewiesen. Der nachhaltige Umgang mit der knappen Ressource ist unabdingbar für das Geschäft in Afrika, Indien oder China. „Die lokalen Abfüller in diesen Ländern müssen unsere Standards in Bezug auf effizientes Wassermanagement und Nachhaltigkeit erfüllen“, sagt Coca-Cola-Manager Rick Frazier, global verantwortlich für Qualität, Umwelt- und Wasser-Effizienz. „Diese Hilfsprojekte beeinflussen das Geschäft vor Ort positiv.“

Coca-Cola-Transport in Afrika

Anfang 2010 kündigte Coca-Cola mit der Bill & Melinda Gates Foundation und der Hilfsorganisation TechnoServe eine Partnerschaft an, um ein Mango- und Passionsfrucht-Geschäft in Kenia und Uganda aufzubauen. Das Projekt „Nurture“ ist mit mehr als elf Millionen Dollar das umfangreichste von Coca-Cola in Afrika. Die Gates-Stiftung spendet dafür sieben Millionen Dollar, Coke steuert vier Millionen Dollar bei. Mehr als 50 000 Bauern sollen von der finanziellen und technischen Hilfe profitieren und ihr Einkommen bis 2014 von jetzt 1,25 Dollar am Tag verdoppeln. Weitere 1,5 Millionen Dollar steckt Coca-Cola in den Aufbau von Infrastruktur. Denn anders als beim Projekt Haiti Hope soll das Projekt in erster Linie Cokes lokale Saftproduktion vorantreiben.

Der Konzern nutzt lokale Ressourcen und spart so Kosten bei der Herstellung seiner Säfte, der Rohstoff muss nicht importiert werden. „Wir tragen mit diesem Projekt zur Entwicklung der privaten Wirtschaft in Afrika bei“, sagt Coca-Cola-Manager Lionel Marumahoko, der von Kenias Hauptstadt Nairobi aus das Geschäft in Zentral-, Ost- und Westafrika verantwortet. Dass die Millionenhilfe nicht selbstlos ist, sei klar: „Wir verbinden damit die Interessen unseres Geschäftes mit denen der Gemeinde und helfen so uns und den Menschen vor Ort.“

Win-Win-Situation

Für die Hilfsorganisationen ist diese Taktik offenbar kein Problem: „Wir können so direkt Einfluss auf das Handeln westlicher Konzerne in den Entwicklungsländern nehmen“, sagt Raymond Offenheiser, Chef der internationalen Hilfsorganisation Oxfam, die von der Coca-Cola-African Foundation in den vergangenen zwei Jahren knapp drei Millionen Dollar für humanitäre Hilfe im sudanesischen Darfur erhalten hat. Auch Carter Roberts, Chef des World Wide Fund (WWF), hält die Zusammenarbeit für eine gute Sache: „Diese Partnerschaft ist wichtig, wir treiben gemeinsam den effizienteren Umgang mit der knappen Ressource Wasser voran.“ Der WWF hat seit 2007 mehr als 23 Millionen Dollar von Coca-Cola für Wasserprojekte erhalten.

Die Finanzwelt bewertet die neue Stoßrichtung des Brauseherstellers überwiegend positiv. Linda Montag, Analystin der Ratingagentur Moody’s in New York: „Coca-Cola hat gelernt, sich schneller anzupassen, wenn sich das Umfeld ändert, und bringt enorm viele innovative Produkte auf den Markt.“ Die grüne Welle sei der richtige Schritt, aber „das Wachstum in den Industrieländern wird dennoch weiter sehr langsam sein“, schätzt Montag. „Ausgleichen müssen das Zuwächse in den Entwicklungsländern.“

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