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Air Berlin Hunold – der Gründer geht von Bord

20 Jahre lenkte Joachim Hunold Air Berlin als dynamischer Vorstandschef. Mit ihm geht einer der wenigen Managerpersönlichkeiten des alten Schlags von Bord.

Joachim Hunold, Chief Quelle: dpa

Air Berlin-Chef Joachim Hunold hat überraschend seinen Rücktritt angeboten. Der CEO der zweitgrößten deutschen Airline hat den ehemaligen Bahn-Chef Mehdorn als Interimschef vorgeschlagen. Mehdorn ist bereits Mitglied im Aufsichtsrat (Board of Directors) von Air Berlin. Nach seinem Rücktritt als Aufsichtsratsschef der Deutschen Bahn im März 2009, berief ihn Air Berlin im Juli in den Verwaltungsrat.

Zu den Gründen seines Rücktrittsangebots sagte Hunold nur, er wolle,  dass ein neuer Chef unbelastet an das Sparprogramm "Shape and Size" herangehe. „Es war geplant, dass irgendwann ein Wechsel kommt, die Frage war nur, wann ist der richtige Zeitpunkt.“ Diesen sehe er jetzt, es solle einen klaren Cut geben.

Zur Frage, warum er Mehdorn - und mit ihm einen Manager, der in der Öffentlichkeit immer wieder aneckte - vorgeschlagen habe, sagte Hunold „Ich halte ihn für eine gute Wahl, ich habe ihn gefragt, er hat sich bereit erklärt, das Board muss die Entscheidung treffen.“ Wie lange die Interimszeit dauern soll, ist nicht bekannt, auch dazu verwies Hunold auf die Entscheidung des Boards of Directors. Dass der Aufsichtsrat heute noch das Rücktrittsangebot annimmt und bestätigt, gilt als wahrscheinlich. Joachim Hunold bleibt Air Berlin als Non Executive Member erhalten und wird Mehdorn in seiner Interimsfunktion begleiten. Eine neue Aufgabe strebt der 62-Jährige nicht an. „Nach 20 Jahren in dieser Tätigkeit, kann ich mir nicht vorstellen noch mal etwas Ähnliches zu machen. Ich glaube meine Familie freut sich, wenn ich drei Jahre früher das Rentnerdasein antrete.“ Hunold ist in dritter Ehe verheiratet und hat vier Kinder.

Start als kleiner Ferienflieger

Hunold gründete 1991 die Air Berlin GmbH als geschäftsführender Gesellschafter. 1992 startet der erste Flieger von Berlin Tegel nach Palma de Mallorca. Der Anfang ist beschaulich, zwei Flugzeuge und 150 Mitarbeiter.

Seit dem 1. Januar 2006 ist Hunold Chief Exekutive Officer der Air Berlin PLC. Das SDax-Unternehmen ist als Public Limited Company in London gelistet. An dieser Rechtsform soll sich auch nach dem Rücktritt von Unternehmensgründer Hunold nichts ändern. 

Mitte 2006 brachte Hunold sein Unternehmen an die Börse. Es folgten Übernahmen unter anderem der dba (vormals Deutsche British Airways). Mit dem Kauf der LTU stieg Air Berlin ins Langstreckengeschäft ein.

Als Nachfolger für Hunold wurde im vergangenen Jahr Christoph Debus gehandelt. Hunold hatte ihn vom Charterflieger Condor geholt. Als der Firmengründer dann aber nach und nach die Zuständigkeiten des Neuzugangs wie etwa den Vertrieb wieder an sich riss, ebbten die Spekulationen um ihn ab.

In der Flugbranche gibt es in der Tat wenige Manager, die so dynamisch auftreten, wie der 61-Jährige Air Berlin-Chef. Innerhalb von 20 Jahren hat er den kleinen Ferienflieger zu Europas sechstgrößer Airline gemacht. Bis heute verkörperte er sein Unternehmen wie sonst nur Ryanair-Chef Michael O’Leary oder Herb Kelleher, Gründer und langjähriger Lenker von Southwest Airlines, der Mutter aller Billigflieger.

Hunold gehört zum Typus des schwungvollen Unternehmenslenkers, der Mann, der sich nicht nur um Details im Unternehmen kümmert, sondern auch auf Betriebsfesten für Stimmung sorgte, etwa indem er bis in die Nacht hinein Bier zapfte, Witze riss und sich mit fast jedem duzte.

Ein Sack voller Probleme

Wer auch immer langfristig die Nachfolge von Hunold antritt, er hat gut zu tun. Von 2008 bis 2010 hat Air Berlin teilweise deutliche Verluste geschrieben. 2010 verhagelte der Fluglotsenstreik, der strenge Winter und die Aschewolke nach dem isländischen Vulkanausbruch im Frühjahr den Berliner das Geschäft. Im zweiten Quartal 2011 liefert das Unternehmen tiefrote Zahlen. Als Folge des schlechten Ergebnisses dünnt Airberlin nun das Streckennetz aus. Verbindungen, die sich nicht rechnen und strategisch keine Bedeutung mehr haben, fallen weg.

Betroffen sind in erster Linie Flügen zwischen kleineren, regionalen Flughäfen, aber auch andere Ziele wie nach Nordafrika. Doch nicht nur die Verbindungen werden wenigern, auch die Flotte schrumpft. Die Airline wird ihre Kapazitäten gegenüber den bisherigen Plänen um fünf Prozent verringern.

2011 sollen mehr als 7.500 Flüge gestrichen und 1,1 Millionen Sitzplätze wegfallen, 2012 dann 16.000 Flüge und rund 2,2 Millionen Sitzplätze. Air Berlin will sich noch mehr auf stark frequentierte Strecken und seine vier europäischen Drehkreuze Berlin, Düsseldorf, Wien und Palma de Mallorca konzentrieren.

Hamburg-Frankfurt gestrichen

Die Strecke Hamburg-Frankfurt wird gestrichen. Man habe trotz einer weiteren Startbahn nicht die Slots bekommen, um Frankfurt zu einem strategisch interessanten Flugziel zu machen. Die logische Konsequenz sei gewesen, die Strecke zu streichen.

Schwarze Zahlen werden in diesem Jahr trotz der Maßnahmen - wie in der Vorwoche angedeutet - voraussichtlich nicht erreicht. „Im laufenden Geschäftsjahr werden wir operativ allerdings wohl noch nicht in die Gewinnzone zurückkommen“, erklärte Noch-Air-Berlin-Chef Joachim Hunold gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Für die Turbulenzen machte Deutschlands zweitgrößte Airline nach der Lufthansa den hohen Ölpreis, die neue Luftverkehrssteuer und die Unruhen in Nordafrika verantwortlich. Der Umsatz stieg im zweiten Quartal zwar um 27 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro, doch auch der operative Verlust vergrößerte sich auf ein Minus von auf 32 Millionen Euro. Damit rutschte das SDax-Unternehmen 14 Prozent tiefer in die Verlustzone. 2012 will Air Berlin wieder profitabel werden. Das hatte Hunold bereits im März im Interview mit der WirtschaftsWoche angekündigt. Er versprach sich eine positive Auswirkung der Mitgliedschaft in der Flugallianz Oneworld.

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