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Air Berlin Hunold – der Gründer geht von Bord

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Als Nachfolger für Hunold wurde im vergangenen Jahr Christoph Debus gehandelt. Hunold hatte ihn vom Charterflieger Condor geholt. Als der Firmengründer dann aber nach und nach die Zuständigkeiten des Neuzugangs wie etwa den Vertrieb wieder an sich riss, ebbten die Spekulationen um ihn ab.

In der Flugbranche gibt es in der Tat wenige Manager, die so dynamisch auftreten, wie der 61-Jährige Air Berlin-Chef. Innerhalb von 20 Jahren hat er den kleinen Ferienflieger zu Europas sechstgrößer Airline gemacht. Bis heute verkörperte er sein Unternehmen wie sonst nur Ryanair-Chef Michael O’Leary oder Herb Kelleher, Gründer und langjähriger Lenker von Southwest Airlines, der Mutter aller Billigflieger.

Hunold gehört zum Typus des schwungvollen Unternehmenslenkers, der Mann, der sich nicht nur um Details im Unternehmen kümmert, sondern auch auf Betriebsfesten für Stimmung sorgte, etwa indem er bis in die Nacht hinein Bier zapfte, Witze riss und sich mit fast jedem duzte.

Ein Sack voller Probleme

Wer auch immer langfristig die Nachfolge von Hunold antritt, er hat gut zu tun. Von 2008 bis 2010 hat Air Berlin teilweise deutliche Verluste geschrieben. 2010 verhagelte der Fluglotsenstreik, der strenge Winter und die Aschewolke nach dem isländischen Vulkanausbruch im Frühjahr den Berliner das Geschäft. Im zweiten Quartal 2011 liefert das Unternehmen tiefrote Zahlen. Als Folge des schlechten Ergebnisses dünnt Airberlin nun das Streckennetz aus. Verbindungen, die sich nicht rechnen und strategisch keine Bedeutung mehr haben, fallen weg.

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    Betroffen sind in erster Linie Flügen zwischen kleineren, regionalen Flughäfen, aber auch andere Ziele wie nach Nordafrika. Doch nicht nur die Verbindungen werden wenigern, auch die Flotte schrumpft. Die Airline wird ihre Kapazitäten gegenüber den bisherigen Plänen um fünf Prozent verringern.

    2011 sollen mehr als 7.500 Flüge gestrichen und 1,1 Millionen Sitzplätze wegfallen, 2012 dann 16.000 Flüge und rund 2,2 Millionen Sitzplätze. Air Berlin will sich noch mehr auf stark frequentierte Strecken und seine vier europäischen Drehkreuze Berlin, Düsseldorf, Wien und Palma de Mallorca konzentrieren.

    Hamburg-Frankfurt gestrichen

    Die Strecke Hamburg-Frankfurt wird gestrichen. Man habe trotz einer weiteren Startbahn nicht die Slots bekommen, um Frankfurt zu einem strategisch interessanten Flugziel zu machen. Die logische Konsequenz sei gewesen, die Strecke zu streichen.

    Schwarze Zahlen werden in diesem Jahr trotz der Maßnahmen - wie in der Vorwoche angedeutet - voraussichtlich nicht erreicht. „Im laufenden Geschäftsjahr werden wir operativ allerdings wohl noch nicht in die Gewinnzone zurückkommen“, erklärte Noch-Air-Berlin-Chef Joachim Hunold gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

    Für die Turbulenzen machte Deutschlands zweitgrößte Airline nach der Lufthansa den hohen Ölpreis, die neue Luftverkehrssteuer und die Unruhen in Nordafrika verantwortlich. Der Umsatz stieg im zweiten Quartal zwar um 27 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro, doch auch der operative Verlust vergrößerte sich auf ein Minus von auf 32 Millionen Euro. Damit rutschte das SDax-Unternehmen 14 Prozent tiefer in die Verlustzone. 2012 will Air Berlin wieder profitabel werden. Das hatte Hunold bereits im März im Interview mit der WirtschaftsWoche angekündigt. Er versprach sich eine positive Auswirkung der Mitgliedschaft in der Flugallianz Oneworld.

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