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Airbus-A380-Triebwerksprobleme Rolls-Royce erhält Auftrag zur rechten Zeit

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Es geht für ihn und seine Kollegen um viel. Nach dem von technischen Schwierigkeiten begleiteten Start der A380 braucht Airbus den Erfolg. Bei einem Listenpreis von gut 360 Mio. Euro würden schon wenige Abbestellungen mit Milliardenausfällen zu Buche schlagen.

Zwar ist das Auftragsbuch bestens gefüllt. 234 Bestellungen für den Riesen-Airbus liegen vor. Doch keiner weiß, wie die Kunden reagieren, sollte das Triebwerksproblem nicht schnell in den Griff zu bekommen sein. Bislang sieht es nicht nach einer schnellen Lösung aus.

Eigentlich ging es mit Airbus in der letzten Zeit bergauf. Die positiven Nachrichten überwogen. Vor allem die Produktion des langjährigen Sorgenkindes A380 kam immer besser in Schwung. Im Juli und August wurden gleich drei Maschinen des weltweit größten Passagierflugzeugs fertiggestellt - so viele, wie seit dem Start der Fertigung im Jahr 2006 nicht. Und auch die Kunden jubelten. "Die Flüge mit der A380 waren von Anfang an fast ausgebucht", sagt Thierry Antinori, Marketing- und Vertriebsvorstand der Lufthansa-Passagiersparte, noch vor wenigen Wochen. Auf rund 15 Mio. Euro beziffert Rivale Air France-KLM die Einsparungen, die das effiziente Flugzeug pro Jahr bringt.

Zu früh gefreut? Noch glauben die Airline-Manager an den Heilsbringer in Zeiten wieder steigender Kerosinpreise. "Die A380 ist ein absolut zuverlässiges Flugzeug", heißt es bei der Lufthansa.

Doch das Unglück der Qantas-Maschine wirkt nach. Nur knapp sind die 431 Passagiere einer Katastrophe entgangen. Teile des explodierten Triebwerks hatten eine Tragfläche durchschlagen. Hätte es den Tank getroffen - keiner wagt auch nur daran zu denken.

Für Airbus ist das ein Desaster, noch dazu eines, an dem der Konzern keine Schuld trägt - und eines, das sich kommunikativ nicht steuern lässt. Man ist angewiesen auf das, was der Triebwerkshersteller Rolls-Royce publiziert. Der aber gibt sich äußerst zugeknöpft. Erst recht, nachdem am Freitag eine zweite Qantas-Maschine, dieses Mal eine ebenfalls mit einem Rolls-Royce-Triebwerk ausgestattete Boeing 747, nach einer Explosion des Motors notlanden musste.

wohl gewählte Worte

"Rolls-Royce sieht sich binnen 48 Stunden zwei schweren Triebwerksschäden gegenüber, und das bei zwei verschiedenen Motoren", sagt Harald Liberge-Dondoux, Analyst bei CM-CIC Securities: "Die Kommunikation von Rolls-Royce ist undurchsichtig." Ganz im Gegenteil zur Airbus-Mutter EADS: "Hier kann die Kommunikation als modellhaft bezeichnet werden", sagt der Experte.

Doch was nützt die beste eigene Kommunikation, wenn der Partner nicht mitspielt. Und so drängt es EADS-Chef Louis Gallois persönlich in die Öffentlichkeit, um den Schaden für sein Unternehmen zu begrenzen. In einem Interview mit dem französischen Sender "Europe1" versucht er zu beruhigen: Der Unfall sei "sicher ein schwerer Zwischenfall", aber in "keiner Weise" sei die Sicherheit der A380 infrage stellt.

Worte, die wohl gewählt sind. Nur zu gut weiß Gallois, wie schnell ein Produktfehler das Image eines Unternehmens zerstören kann. Die Beweise dafür haben die technischen Pannen anderer Konzerne geliefert.

Bestes Beispiel ist der japanische Autokonzern Toyota. Wegen angeblicher Bremsprobleme gab es in den USA mehrere Unfälle. Hunderte amerikanische Kunden klagten gegen den Konzern. Toyota musste mehr als zehn Millionen Autos in die Werkstätten zurückrufen. Eine Schuld konnte dem Konzern nie nachgewiesen werden. Doch der Imageschaden blieb: In den USA verkauft der japanische Autobauer immer noch weniger als vor der Rückrufaktion. Jüngst senkten die Japaner ihre Absatzprognose für Nordamerika um 80 000 Autos.

Auch das Image des Ölkonzerns BP ist seit der Katastrophe im Golf von Mexiko stark angekratzt. Die Explosion der BP-Bohrinsel Deepwater Horizon im April dieses Jahres führte zur größten Umweltkatastrophe der US-Geschichte. Die Aktie stürzte massiv in den Keller, verlor mehr als die Hälfte ihres Wertes. Seit das Leck dicht ist, steigt die Aktie zwar wieder, doch die Katastrophe hat BP kräftig zurückgeworfen. Im dritten Quartal 2010 hat der britische Energiekonzern wieder Gewinne verbucht, er hinkt aber deutlich den Konkurrenten Shell, Exxon Mobil und Total hinterher.

Ob Airbus ähnliche Rückschläge drohen, ist noch offen. Aber die Zeit läuft gegen den Luftfahrtkonzern. Solange die Ursachenforschung dauert, so lange wird auch über das Thema A380 und Sicherheit debattiert. Und das könnte noch lange sein. Denn derjenige, der am Ende den Fehler finden muss, Rolls-Royce, hat einen gewaltigen Spagat zu bewerkstelligen. "Ein Kommunikationsfehler könnte gravierende industrielle Folgen haben", sagt Liberge-Dondoux von CM-CIC Securities.

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