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Airbus-A380-Triebwerksprobleme Rolls-Royce erhält Auftrag zur rechten Zeit

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Bei der Motorisierung der A380 konkurriert Rolls-Royce mit der Engine Alliance, dem Verbund aus General Electric, Pratt & Whitney, Safran und der deutschen MTU. Schon jetzt bestellen 60 Prozent der Kunden die Motoren dieser Düsen-Allianz. Eine Herausforderung für Rolls-Royce, denn Airbus wartet darauf, dass die Briten schnell und umfassend über die Ursachen des Motorenproblems informieren. Sollten die Briten dabei nicht überzeugen, dass ihre Motoren weiter sicher sind, drohen dem Motorenspezialisten Marktanteilsverluste.

Noch sehen die Finanzanalysten deshalb Rolls-Royce im Zentrum der Affäre. "Die größten Folgen dürfte der Unfall für Rolls-Royce und nicht für EADS haben, denn die Fluggesellschaften haben bei der A380 die Wahl von zwei Triebwerken", kommentierten die Analysten des Brokers Cheuvreux.

Die ersten Theorien über die Unglücksursache machen bereits die Runde. Nach Angaben der französischen Zeitung "La Tribune" könnte ein Fehler im Pumpensystem die Ursache sein. Das System soll dafür sorgen, dass es ein Gleichgewicht gibt zwischen der Luft, die ins Triebwerk einströmt, und der, die ausströmt. Sollte das System nicht korrekt funktioniert haben, so könnte es zu einem Luftüberschuss am Triebwerkseingang gekommen sein, was eine Art Blase schafft, die dann die Explosion ausgelöst haben könnte. 

Aber auch bei Airbus müssen sich die Experten Fragen stellen lassen. Denn normalerweise soll die Motorkapselung Trümmerteile vom Flugzeug fernhalten, sollte der Motor in Stücke fliegen. Das scheint beim Qantas-Airbus nicht gelungen zu sein. Dagegen hat die Kapselung bei der Qantas-Boeing 747-400 gehalten, als ihr ebenfalls ein Motor zerflog und die Maschine in Singapur notlanden musste.

Mittlerweile fliegen bereits 38 Exemplare des Superairbus A380 durch die Lüfte. Und das Flugzeug fasziniert immer noch. Es ist das jüngste Modell der Airbus-Flotte und vor allem das größte Flugzeug der Welt. "Über den Zwischenfall würde vermutlich kaum jemand reden, würde es sich nicht um die A380 handeln", sagt EADS-Chef Gallois.

Verkettung von Faktoren

Alle Augen richten sich jetzt auf die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA). Das Institut in Köln ist zuständig für die Zulassung von Triebwerken in Europa. Ähnlich wie im Schienenverkehr müssen auch die Hersteller von Flugzeugen eine Zertifizierung durchlaufen, bevor ihre Produkte in der Praxis eingesetzt werden dürfen. Jetzt untersucht die EASA, ob die Qantas-Triebwerke grundsätzliche Fehler haben könnten. Ein Sprecher der EASA sagte gestern: "Wir sind weiterhin auf der Suche nach der Unfallursache. Wir können noch nicht sagen, wie lange das dauert. Solange wir aber keine Ergebnisse haben, geben wir keine Empfehlung heraus."

Der Ölaustritt bei den australischen Riesen-Airbussen passt in verblüffender Weise zu einer Direktive, die die EASA bereits am 4. August dieses Jahres herausgegeben hat. Die Kölner Experten hatten Materialermüdung beim nun betroffenen Triebwerk Trent 900 festgestellt - just an ölgeschmierten Lagern in der Mitteldruckturbine.

Genau dort soll der Schaden in Singapur entstanden, genau dort soll eine Turbinenscheibe geplatzt sein. In der EASA-Direktive Nummer 2010-0008R1 hatte es geheißen, dies könne bei einer Verkettung von Faktoren zum Austritt von Öl führen. Bei der enormen Hitze könne sich das Öl entzünden und so zu Materialschäden führen. Der Zusammenhang ist zwar längst nicht bewiesen, aber denkbar. Für Aufklärung kann hier wohl nur Rolls-Royce selbst sorgen.

Nachbesserungen kann die Luftsicherheitsagentur jederzeit verlangen. Vor drei Monaten hatte sie Rolls-Royce aufgefordert, den Problemen nachzugehen und regelmäßige Inspektionen durchzuführen. Umgekehrt kann die Fluggesellschaft auftretende Probleme an den Hersteller melden, von denen dann wiederum die Agentur unterrichtet wird. Es bestehe ein "engmaschiges System", heißt es bei der Luftsicherheit.

Den Airbus A380, an dem die Schäden nun aufgetreten sind, hatte die EASA im Dezember 2006 zugelassen, das jetzt in der Kritik stehende Triebwerk von Rolls-Royce bekam bereits 2004 das amtliche O.K. Neben der Zulassung von Fluggeräten erteilt die EASA auch Genehmigungen an die Unternehmen, Flugzeuge oder Maschinenteile entwickeln, herstellen und warten zu dürfen.

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