Aktienrückkäufe Die US-Steuerreform wirkt – aber nicht wie von Trump erhofft

Die US-Steuerreform wirkt – aber nicht wie Donald Trump hofft Quelle: AP

Die US-Konzerne holen wegen Trumps Steuerreform Milliarden aus dem Ausland zurück. Doch was sie mit dem Geld anstellen, ist nicht im Sinn des US-Präsidenten.

Donald Trump hat es im Wahlkampf versprochen – und er hat geliefert: Die vom neuen US-Präsidenten initiierte und kurz vor Weihnachten unterzeichnete Steuerreform bewirkt, was Befürworter sich von ihr versprechen: Amerikanische Firmen, die seit Jahren im Ausland viele Milliarden Dollar parken, um sie im Heimatmarkt nicht versteuern zu müssen, transferieren nun die Gelder zurück.

Aber: Anders als Trump und von den Republikanern erhofft, fließt das Geld nicht in die Forschung und auch nicht in neue Standorte samt neuen Mitarbeitern. Das ist eigentlich die Absicht. Denn die Steuerreform steht unter dem großen Vorhaben „Make America Great Again!“. Die Idee: Weniger Steuern für Unternehmen und Verbraucher treiben den Konsum und die Investitionen an, um so das Wirtschaftswachstum der größten Volkswirtschaft weiter anzukurbeln.

Doch wie es scheint, profitieren einseitig die Finanzmärkte, denn ein Großteil der gesparten Steuern fließt an die Aktionäre. So sollen bei Cisco 25 Milliarden Dollar in den Rückkauf – und anschließende Vernichtung – eigener Aktien fließen.

Weniger Aktien verknappen das Angebot und treiben so den Kurs. Obendrein erhöht sich künftig der Gewinn je Aktie, weil er sich auf weniger Anteilsscheine verteilt. Das lässt die Bilanzen attraktiver erscheinen. Auch verteilt sich die Ausschüttung auf weniger Aktien, sodass Aktionäre mehr Dividende pro Aktie bekommen.

Bei Cisco sorgte die US-Steuerreform im vergangenen Quartal erst einmal für rote Zahlen. Für die im Ausland angesammelten Gewinne verbuchte der Konzern eine einmalige Abgabe von 11,1 Milliarden Dollar. Dadurch ergab sich für das Ende Januar abgeschlossene zweite Geschäftsquartal ein Verlust von rund 8,8 Milliarden Dollar. Das operative Ergebnis legte unterdessen um sechs Prozent auf 3,1 Milliarden Dollar zu.

Bisher mussten auf die Auslandsgewinne erst Steuern bezahlt werden, wenn sie in die USA überwiesen wurden. Angesichts des bisherigen hohen Steuersatzes von 35 Prozent machten viele Unternehmen von der Möglichkeit Gebrauch, das Geld im Ausland zu lassen. Nach der Reform wird auf die Reserven eine sehr viel geringere Abgabe von bis zu 15 Prozent fällig. Cisco hatte zuletzt Geldreserven von rund 74 Milliarden Dollar, mehr als 70 Milliarden davon befanden sich außerhalb der USA.

Der Kabelnetzbetreiber Comcast kündigte bereits an, dass im Jahr 2018 Aktienrückkäufe im Volumen von mindestens fünf Milliarden Dollar geplant sind. Die weltweit höchsten Cash-Reserven hortet Apple. Der iPhone-Riese will einen Großteil seines Auslands-Geldbergs von rund 250 Milliarden Dollar ebenfalls in die USA bringen. Auch Apple deutete bereits an, großzügig an die Aktionäre auszuschütten – vor allem in Form von Aktienrückkäufen. Einzelheiten will Konzernchef Tim Cook mit Vorlagen der Zahlen zum zweiten Geschäftsquartal in einigen Wochen bekanntgeben.

Viele weitere US-Konzerne werden sich in den kommenden Monaten mit Aktienrückkäufen bei ihren Aktionären beliebt machen – das ist die Überzeugung von Experten. So empfiehlt Deutsche-Bank-Analyst Lloyd Walmsley die Aktien des Online-Auktionshauses Ebay zum Kauf und verweist darauf, dass in den kommenden Quartalen Aktienrückkäufe einen zunehmend wichtigeren Bestandteil der Investment-Story ausmachen dürften. Die Steuerreform könnte im Ausland gebundenes Kapital von mehr als acht Milliarden Dollar verfügbar machen.

Der Trend zeigt mittlerweile historische Parallelen: Als in den 1980er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts US-Präsident Ronald Reagan die bis dato größte Steuerreform durch den Kongress und Senat brachte, setzte der erste Aktienrückkaufboom ein.

Auch damals hatte die Regierung den Konzernen ermöglicht, im Ausland gehortete Barreserven steuergünstig ins Heimatland zurückzuholen. Die Folge: Viele Konzerne kauften eigene Anteilsscheine zurück, Anleger reagierten mit Aktienkäufen – der Börsenboom verlängerte sich um mehrere Jahre, ehe der Dow Jones im Oktober 1987 an nur einem Tag knapp ein Viertel seines Wertes verlor – der größte Tagesverlust in der langen amerikanischen Börsengeschichte.

Trumps jüngste 1,5-Billionen-Dollar-Entlastung für Unternehmen und Verbraucher ist die größte Reform seit Ronald Reagan. Die Regierungsinitiative kommt in einer Zeit, in der die Böse bereits seit neun Jahren boomt. Wieder scheint sich die Hausse zu verlängern, weil Unternehmen auf Grund einer Steuerreform große Aktienrückkaufprogramme auflegen und so die Aktionäre beglücken.

Aktuell horten die US-Unternehmen mehr als eine Billion Dollar im Ausland – so viel wie noch nie. Cisco, Apple & Co nähren nun Spekulationen, dass sich die Geschichte wiederholt.

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