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Alcatel-Lucent-Chef Ben Verwaayen Neues Bezahlmodell für Internet: "Zuschlag für die 1. Klasse"

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Das heißt: Die Netzbetreiber müssen die Anschlusspreise erhöhen, um den Netzausbau zu finanzieren?

Ich möchte mit einer Gegenfrage antworten. Was ist das Besondere am Internet?

Meinen Sie, dass es wild zusammengewachsen ist?

Und dass es Probleme mit der Sicherheit, mit dem Datenschutz und mit den Urheberrechten etwa an Texten oder Bildern gibt, gegen die nach Lust und Laune verstoßen wird. Es fehlt an, sagen wir mal, vertrauenswürdigen Diensten. Würden Sie nicht zwei Cent mehr etwa für die Online-Buchung einer Reise bezahlen, wenn es Garantien gäbe, dass Ihre Kreditkartendaten nicht in falsche Hände geraten? Natürlich würden Sie das tun. Es gibt Milliarden solcher Transaktionen im Internet. Wenn die Kunden jedes Mal zwei Cent für zusätzlichen Schutz bezahlen, gibt es ein neues Geschäftsmodell, und die Milliardeninvestition in neue Infrastruktur macht sich schnell bezahlt.

Für einen Glasfaseranschluss kalkulieren Netzbetreiber Installationskosten von 2000 Euro pro Haushalt. Um diesen Aufwand zu finanzieren, wie Sie das vorschlagen, müsste ich 100.000-mal übers Internet irgendwas bestellen, kaufen oder abwickeln. Das hieße, jedes Mitglied eines vierköpfigen Haushaltes müsste 25 Jahre lang jeden Tag, ob Werktag, Sonntag oder Feiertag, drei Transaktionen über das Internet tätigen.

Das macht nichts. Sie müssen in Alternativen denken: Wenn ich Sie in Ihrem Düsseldorfer Büro besuche, könnte ich auch per Fahrrad kommen. Das kostet nichts, dauert aber eine Woche. Ich könnte mit dem Bus kommen, dann brauche ich einen Tag. Mit dem Auto sind es acht Stunden. Ich habe das Flugzeug genommen, weil es am schnellsten ist und war bereit, einen höheren Preis zu zahlen. Genauso sollte auch das Internet funktionieren. Für bestimmte Datentransfers wechsele ich auf die Überholspur der Datenautobahn und zahle dafür ein paar Cent mehr. Dann lohnt sich die Investition in neue Infrastruktur für die Telekommunikationsgesellschaften auch. Der Kunde sollte solche Wahlmöglichkeiten bekommen.

Das funktioniert doch nur, wenn die Telekommunikationsgesellschaften ihre Bezahlinhalte schneller transportieren als zum Beispiel die kostenlosen Angebote von Internet-Firmen wie Google. Werden die Web-Riesen und ihre Kunden dagegen nicht Sturm laufen?

Deshalb schlage ich das auch nicht vor. Ich will, dass der Kunde entscheidet, welcher Service gerade wichtiger für ihn ist. Bei der einen Transaktion kaufe ich eine Sicherheitsvorkehrung. Bei der nächsten verzichte ich wieder darauf. Der Kunde sollte die Macht bekommen, dies zu entscheiden. Der Kunde wählt nicht nur den Dienstleister aus, sondern entscheidet auch, welche professionellen Zusatzdienste zum Einsatz kommen. Der Kunde hat auch bei der Bahn die Wahl zwischen der 1. und der 2. Klasse – und zahlt einen Aufschlag für den Komfortunterschied. Den sollte es auch im Internet geben.

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