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Apple Der geniale Diktator wird fehlen

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Dass nicht Sonys Walkman sondern Apples iPod den digitalen Musikspielern den Massenmarkt öffneten, dass es das iPhone war und nicht beispielsweise Branchenprimus Nokias Mobiltelefone, das den Siegeszug der Smartphones initiierte, der iPad, der die zuvor glücklosen Tablet-Computer zum Millionenseller machte: all das ist – durch Apples Hierarchien an die Spitze verfolgt – am Ende der Verdienste eines einzigen Mannes, der die Produkte definierte, ihr Design bestimmte und sie schließlich auf den Markt brachte: Steve Jobs!

Alle anderen, Apples neuer Frontmann Tim Cook eingeschlossen, hatten in diesem Konzern, gegen den selbst der Hofstaat der absolutistischen französischen Monarchen wie ein desorganisierter Haufen erscheint, nur die Aufgabe dafür zu sorgen, dass des Meisters Vorgaben optimal umgesetzt wurden. Entsprechend hilf- und orientierungslos, so berichten Unternehmenskenner, habe der Apple-Apparat agiert, als Jobs in den vergangenen Jahren bereits zwei Mal eine Auszeit genommen hatte. Geradezu gelähmt habe die Spitze mitunter gewirkt. Entscheidungen wurden wiederholt vertagt, Produktspezifikationen nicht verabschiedet. Zu groß war die Furcht der Manager, einer der Beschlüsse hätte – nach dessen Rückkehr – nicht Jobs‘ Segen gefunden.

Nun aber muss der intern mitunter auch als „genialer Diktator“ bezeichnete Unternehmensgründer endgültig seiner offenbar schwer angeschlagen Gesundheit Tribut zollen und die Führung tatsächlich in andere Hände legen. Unglücklicherweise sei der Tag gekommen, „an dem ich nicht mehr meinen Aufgaben und Pflichten als Apple-CEO nachkommen kann“, schrieb er gestern in einem öffentlichen Brief an den Verwaltungsrat und die Apple-Community.

Er wolle, falls der Aufsichtsrat einverstanden sei, weiter als dessen Vorsitzender und Apple-Mitarbeiter tätig sein. Doch auch das dürfte, steht aus Apple-Sicht zu befürchten, nur noch eine Übergangslösung sein. Die Funktion als ultimativer Entscheider, als schier untrüglicher Seismograph für kommende Produkttrends und Kundenbedürfnisse wird Jobs nicht mehr ausfüllen können.

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    Und sein designierter Nachfolger Tim Cook wohl auch nicht. Der hat sich in den vergangenen Jahren als perfekter Sachwalter des Tagesgeschäfts um Apple verdient gemacht. Nicht aber als Innovator und Gestalter, denn dafür war – neben Steve Jobs – nie Platz.

    Die Lücke, die Jobs im Konzerngefüge hinterlässt, ist nicht zu füllen. Eine Führungspersönlichkeit, die es auch nur ansatzweise mit dessen Genialität und Marktgespür aufnehmen kann, ist nirgendwo in Sicht.

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