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Apple Der geniale Diktator wird fehlen

Der neue Apple-Chef Tim Cook beherrscht das Geschäft. Doch nach dem Abgang von Steve Jobs fehlt dem Konzern eine Persönlichkeit, die es auch nur ansatzweise mit dessen Genialität und Marktgespür aufnehmen kann.

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Fotoillustration zu Quelle: dpa

Dass regelmäßig die Gerüchte ins Kraut schießen, kurz bevor Apple im Herbst oder Frühjahr seine kommenden Produkte vorstellt, hat Tradition. Nicht anders in diesem Spätsommer, da Apple-Fans und Branchenexperten – unter anderem – die Vorstellung der nächsten iPhone-Generationen erwarten.

Und doch unterscheidet sich die aktuelle Gerüchtewelle von den vorhergegangenen. Konkreter als zuvor zeichnen sich schon jetzt Produktfeatures, Vertriebspartner und Verfügbarkeit der kommenden Geräte ab. Es scheint, als häuften sich die Nachrichtenlecks in dem ansonsten für seine Verschwiegenheit bekannten Konzern. Als entgleite dem Management ganz langsam die Kontrolle über den Informationsfluss aus dem Unternehmen seit Unternehmensgründer Jobs Anfang dieses Jahres zum dritten Mal krankheitsbedingt die Konzernleitung abgegeben hatte.

Management wirkte ohne Jobs wie gelähmt

Die unbedingte, teils mit drakonischen Strafen gegen geschwätzige Mitarbeiter durchgesetzte, Geheimhaltung; Jobs hat sie in den Jahren von Apples branchenweit bewunderten Wiederaufstiegs zu einem der entscheidenden Marketingmittel des Trendsetters aus Cupertino gemacht. Nichts, kein Wort, kein Detail über kommende Produkte durfte vorab nach außen durchsickern. Und wenn das – selten genug – doch passiert ist, so erzählen Kenner des Unternehmens, habe Jobs höchstpersönlich die Verantwortlichen abgestraft.

Untrüglicher Seismograph für Kundenbedürfnisse

Das passt ins Bild dieses in den Jahren seit Jobs‘ Rückkehr zu Apple immer stärker auf seinen ebenso charismatischen wie kreativen aber eben auch als teils verletzend arrogant und cholerisch geltenden Spitzenmann zugeschnittenen Unternehmens. Nichts, kein Designdetail, kein Werbeslogan, nicht einmal die Formulierungen in den Bedienmenüs seiner iPhones, iPads oder Mac-Computer soll ohne Jobs‘ finales OK die Produktionsfreigabe erhalten haben. Es war ein, wie der teils atemberaubende Erfolg des Unternehmens und seiner vielfach zu Designikonen gewordenen Produkte belegt, offensichtlich durchschlagend erfolgreiches Managementkonzept.

Dass nicht Sonys Walkman sondern Apples iPod den digitalen Musikspielern den Massenmarkt öffneten, dass es das iPhone war und nicht beispielsweise Branchenprimus Nokias Mobiltelefone, das den Siegeszug der Smartphones initiierte, der iPad, der die zuvor glücklosen Tablet-Computer zum Millionenseller machte: all das ist – durch Apples Hierarchien an die Spitze verfolgt – am Ende der Verdienste eines einzigen Mannes, der die Produkte definierte, ihr Design bestimmte und sie schließlich auf den Markt brachte: Steve Jobs!

Alle anderen, Apples neuer Frontmann Tim Cook eingeschlossen, hatten in diesem Konzern, gegen den selbst der Hofstaat der absolutistischen französischen Monarchen wie ein desorganisierter Haufen erscheint, nur die Aufgabe dafür zu sorgen, dass des Meisters Vorgaben optimal umgesetzt wurden. Entsprechend hilf- und orientierungslos, so berichten Unternehmenskenner, habe der Apple-Apparat agiert, als Jobs in den vergangenen Jahren bereits zwei Mal eine Auszeit genommen hatte. Geradezu gelähmt habe die Spitze mitunter gewirkt. Entscheidungen wurden wiederholt vertagt, Produktspezifikationen nicht verabschiedet. Zu groß war die Furcht der Manager, einer der Beschlüsse hätte – nach dessen Rückkehr – nicht Jobs‘ Segen gefunden.

Nun aber muss der intern mitunter auch als „genialer Diktator“ bezeichnete Unternehmensgründer endgültig seiner offenbar schwer angeschlagen Gesundheit Tribut zollen und die Führung tatsächlich in andere Hände legen. Unglücklicherweise sei der Tag gekommen, „an dem ich nicht mehr meinen Aufgaben und Pflichten als Apple-CEO nachkommen kann“, schrieb er gestern in einem öffentlichen Brief an den Verwaltungsrat und die Apple-Community.

Er wolle, falls der Aufsichtsrat einverstanden sei, weiter als dessen Vorsitzender und Apple-Mitarbeiter tätig sein. Doch auch das dürfte, steht aus Apple-Sicht zu befürchten, nur noch eine Übergangslösung sein. Die Funktion als ultimativer Entscheider, als schier untrüglicher Seismograph für kommende Produkttrends und Kundenbedürfnisse wird Jobs nicht mehr ausfüllen können.

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    Und sein designierter Nachfolger Tim Cook wohl auch nicht. Der hat sich in den vergangenen Jahren als perfekter Sachwalter des Tagesgeschäfts um Apple verdient gemacht. Nicht aber als Innovator und Gestalter, denn dafür war – neben Steve Jobs – nie Platz.

    Die Lücke, die Jobs im Konzerngefüge hinterlässt, ist nicht zu füllen. Eine Führungspersönlichkeit, die es auch nur ansatzweise mit dessen Genialität und Marktgespür aufnehmen kann, ist nirgendwo in Sicht.

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