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Arbeitsmarkt Wie die spanische Kooperative Mondragon der Krise trotzt

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Ground Zero in New York: Quelle: AP

Rasch bildeten sich nach der Gründung immer neue Ableger, viele davon zunächst als Zulieferer für die schnell wachsende Kooperative Fagor, aber auch Kooperativen aus ganz anderen Branchen wie der Handelsriese Eroski oder die Bank Caja Laboral. 2009 erwirtschafteten die 120 Genossenschaften und deren 100 internationalen Tochterunternehmen einen Jahresumsatz von 14 Milliarden Euro. Damit ist MCC das siebtgrößte Unternehmen Spaniens. Weltweit beschäftigt die Gruppe mehr als 80 000 Menschen – knapp ein Viertel davon im Ausland.

MCCs Erfolg hat Vorbilder. MCC habe sich erfolgreiche globale Korporationen wie Mitsubishi angeschaut, meint Greg MacLeod, Direktor des Tompkins-Instituts an der Universität von Cape Breton in Kanada und Spezialist für Kooperativen. „Mondragon hat sich immer die besten Technologien gesucht und außerdem eigene Forschungszentren aufgebaut, hat eine eigene Bank gegründet und damit die Abhängigkeit vom Aktienmarkt vermieden“, so MacLeod.

Konjunkturschwankungen werden abgefedert

Wie in einem kleinen Staat sind die Kooperativen auch unter dem Dach der MCC-Gruppe in einem zentralen Netzwerk verbunden. Alljährlich treten die Kooperativen der Zentrale einen guten Teil ihrer Gewinne ab und haben zudem eine einmalige Kapitaleinlage bei MCC deponiert. Im Gegenzug profitieren die Mitglieder von der Finanzierung durch die Bank Caja Laboral, von der renommierten Universität und den Forschungszentren der Gruppe. Außerdem nehmen die Genossen die Leistungen der Sozialversicherung Lagún Aro in Anspruch, wie etwa eine großzügige Betriebsrente zusätzlich zur staatlichen Rentenversicherung, eine Krankenzusatzversicherung und eine Arbeitslosenversicherung.

Die gemeinsamen Fonds der MCC-Gruppe erlauben es den Kooperativen auch, Konjunkturschwankungen abzufedern: Vorübergehende Verluste werden übernommen und Arbeitskräfte wie im Fall von Natalia Sevillana von einer Kooperative in eine andere verschoben. „Es gilt, ein Gleichgewicht zwischen sozialer Entwicklung und Rentabilität zu finden“, erklärt Mikel Lezamiz, verantwortlich für „die Verbreitung der genossenschaftlichen Idee“. „Positive Gewinne sind ein Muss, aber eine andere Frage ist, was man mit den Gewinnen anstellt.“

Krisenmanagement mit Gehaltssenkung, Kurzarbeit und Vorruhestand

Die Krise ist auch an den Kooperativen nicht spurlos vorübergegangen. MCC setzte im vergangenen Jahr elf Prozent weniger um als im Jahr zuvor. Die Zahl der Beschäftigten sank um acht Prozent, vor allem in der Supermarktkette Eroski und beim Küchengerätehersteller Fagor.

Die ersten Opfer sind die gleichen wie bei klassischen Unternehmen: die Zeitverträgler. Bevor ein neuer Mitarbeiter Genosse wird, wird er für eine je nach Kooperative unterschiedlich begrenzte Frist zur Probe angestellt. Dieser Puffer im Arbeitnehmerstamm ist allerdings mittlerweile praktisch weg. „Derzeit sind in den Kooperativen im Baskenland 99 Prozent der Arbeitskräfte Mitglieder der Genossenschaft, denn die befristeten Verträge wurden im Zuge der Krise nicht verlängert“, erklärt Mikel Lezamiz. „Aber wir haben noch nie in unserer Geschichte die Zahl der Mitglieder reduzieren müssen.“

Wunder gibt es auch bei Mondragon keine, und die Instrumente sind die gleichen wie andernorts. Damit die Zahl der Mitglieder so bleiben kann, haben die Genossen Opfer auf sich genommen. In vielen Kooperativen verordneten sich die Mitglieder letztes Jahr selbst eine Gehaltssenkung, um sich der schlechten Auftragslage anzupassen. Auch Kurzarbeit wurde eingeführt. Nicht wenige Mitglieder wählten zudem den Vorruhestand.

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