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Arbeitsmarkt Wie die spanische Kooperative Mondragon der Krise trotzt

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„Das sind kurzfristige Maßnahmen, langfristig können nur Innovation, die weitere Internationalisierung und die zunehmende Konzentration auf neue, zukunftsträchtige Sektoren vor Krisen schützen“, weiß Lezamiz. Die Internationalisierung wurde seit 2000 bei MCC massiv vorangetrieben. „Um MCCs Überleben im Baskenland zu garantieren, müssen wir auch im Rest der Welt präsent sein“, erklärte der damalige Präsident von MCC, Antonio Cancelo. Heute erwirtschaftet der industrielle Arm der Gruppe, zu dem das Gros der Kooperativen gehört, zwei Drittel seines Umsatzes im Ausland. Derzeit eröffnet die baskische Gruppe neue Fabriken und Büros vor allem in den BRIC-Märkten Brasilien, Russland, Indien und China.

Schwierige Balance

Die Globalisierung brachte auch ohne Krise die Ideale der Kooperativen kräftig ins Wanken. Denn die ausländischen Töchter sind keine Kooperativen, sondern GmbHs. „Mondragon muss permanent eine schwierige Balance zwischen der Ideologie einer Kooperative und der Realität in fremden, sehr kompetitiven Umgebungen halten“, sagt Joaquín Garralda, Vizedekan der spanischen Managementhochschule Instituto de Empresa. Indem man den Beschäftigten der neu akquirierten Unternehmensteile den Status als Kooperativmitglieder verwehrt, werde eine Zweiklassengesellschaft innerhalb der Gruppe geschaffen, die gegen den Gleichheitsgedanken innerhalb einer Kooperative verstößt, so Garralda.

Sicherer Arbeitsplatz

Die Verantwortlichen erklären diese Struktur vor allem mit juristischen Argumenten – in vielen Ländern existiere die Rechtsform der Kooperative gar nicht. Doch schon die Beschäftigten der spanischen MCC-Ableger außerhalb des Baskenlandes sind oft keine Genossen, etwa Kassierer bei den nichtbaskischen Filialen der Supermarktkette Eroski.

Natalia Sevillano zumindest ist überzeugt, dass das Kooperativmodell vor allem Vorteile für die Mitarbeiter bringt – auch und gerade in der Krise. Ihr Gehalt ist zwar eher niedriger als im freien Markt, denn bei MCC gilt die Regel, dass das höchste Gehalt nicht mehr als das Sechsfache des niedrigsten ausmachen darf. Das hat zur Folge, dass die unteren Lohngruppen im Schnitt besser verdienen als auf dem freien Markt, die oberen dagegen etwas weniger. „Aber dafür ist vor allem mein Arbeitsplatz sicherer als anderswo.“

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