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Arcandor-Insolvenz Berggruen sammelt Karstadt ein

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Berggruen, Sohn des während der Nazi-Diktatur emigrierten Berliner Kunstsammlers und Mäzens Heinz Berggruen, investiert weltweit in Immobilien und andere Branchen wie etwa erneuerbare Energien. Eigenen Worten zufolge legt er dabei Wert auf langfristige Engagements. Seine Beteiligungsgesellschaft basiere "auf einem langfristigen, wertorientierten Gedankengut und nimmt häufig Positionen ein, die im Gegensatz zur vorherrschenden Marktmeinung stehen".

Für sein Karstadt-Angebot hatte sich Berggruen als Partner den weltweit aktiven Textilunternehmer Max Azria ins Boot geholt. Er wolle dem Konzern "frische und attraktive Perspektiven" eröffnen, hatte Berggruen angekündigt. Ihm gehe es darum, die "Kultmarke Karstadt" und die 25.000 Arbeitsplätze zu retten. Ob das gelingt, muss sich zeigen. Immerhin hat Berggruen Erfahrung mit Sanierungen gesammelt: Ende 2007 hatte Berggruen wesentliche Teile des in die Insolvenz gegangenen Möbelherstellers Schieder aus Westfalen übernommen und fortgeführt.

Erbittertes Bieterrennen

Der Entscheidung des elfköpfigen Karstadt-Gläubigerausschusses waren dramatische Wochen vorausgegangen. Immer wieder war das Votum der Karstadt-Gläubiger verschoben worden. Gerüchte hatten Ungewissheit über die Zukunftsperspektiven der bundesweit 120 Karstadt-Warenhäuser geschürt. Bis zur letzten Minute hatte es auch am Montag noch ein erbittertes Bieterrennen um Karstadt gegeben. Nach Angaben des Sprechers von Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg, Thomas Schulz, hatte sich noch Berggruen und der deutsch-schwedische Investor Triton ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert. Triton hatte Zugeständnisse sowohl von den Vermietern als auch von den Arbeitnehmern gefordert. Vor allem Verdi hatte sich gegen Triton gesperrt und sich schon im Vorfeld der Gläubigerausschussitzung auf Berggruen festgelegt. 

Kaufhof geht leer aus

In Lauerstellung lag auch der Handelsriese Metro, der auf einen Zusammenschluss seiner Warenhauskette Kaufhof mit attraktiven Karstadt-Häusern gehofft hatte. Ist Berggruens Karstadt-Übernahme tatsächlich in trockenen Tüchern, muss Metro diese Pläne wohl begraben und einen Käufer für die Kaufhof-Kette finden, die der Konzern zum Verkauf gestellt hat.

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